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Gastkommentar: Erich Ivinger zur Reform der Judo-Liga

Mit der “Bundesliga-Reform” soll einem schwerkranken Patienten neues Leben eingehaucht werden. Die Probleme der vergangenen Jahre (etwa “Mini-Liga” 2008) sind hausgemacht.

Der Österreichischen Judoverband (ÖJV) zeigte in den vergangenen Jahren wenig kaum Interesse an der Bundesliga. Der Wert liegt aber auf der Hand: Zum Einen kann sich der Sport einer breiten Öffentlichkeit präsentieren, zum Anderen werden die ausgebildeten Kämpfer beim Judosport gehalten. Denn: Wofür stecken wir viel Zeit und Geld in die Ausbildung des Nachwuchses, wenn mit spätestens 23 Jahren wegen fehlender Wettkämpfe die Karriere vorbei ist?

Aus diesem Grund konnten einige Vereine ohne Kontrolle schalten und walten! Einige wenige setzten ihre eigenen, kurzfristigen Interessen durch und schädigten damit andere Klubs und die Bundesliga nachhaltig. Die Folge: Immer mehr Vereine zogen sich aus dem Liga-Bewerb zurück.

Unter Vermittlung von Hans-Peter Zopf wird nun versucht, das “Projekt Judo-Bundesliga” neu zu beleben. Der Entwurf für 2009 hat mit der Aufstockung auf sieben Mannschaften eine positive Seite, stellt aber insgesamt (noch?) einen (faulen) Kompromiss mit viel Verbesserungspotential dar.

Negative Punkte der Reform sind: Es dürfen wieder mehr Ausländer eingesetzt werden: Im Österreichischen (Judo)sport scheint es immer noch üblich zu sein, lieber ausländischen Sportlern das Sporttreiben zu ermöglichen, als den eigenen österreichischen Athleten zu fördern! Schade um das Geld und um den Platz in der Mannschaft! Der ausländische Kämpfer reist am Wettkampftag an, holt locker seine Punkte und reist unmittelbar nach der Ligabegegnung wieder ab. So verdienen sich ausländische Staatsprofis (Militär, Polizei etc), die in mehreren Ligen antreten dürfen, ein nettes “Körberlgeld” dazu.

Lizenzen: Ausländer und Österreicher werden nach wie vor gleichgestellt: Nach wie vor “schlucken” die Großklubs die guten Sportler der kleineren Vereine, da eine “Österreicher-Lizenz” einem Legionärsplatz gleichgestellt ist. Judo ist in erster Linie ein Einzelsport, daher soll der Judoka seine Einzelmedaillen für seinen Stammklub gewinnen und in der Bundesliga als Gastkämpfer für einen Großklub antreten dürfen.

Damit werden die kleineren Vereine motiviert, gute Kämpfer auszubilden. Zudem können sie ihre Sportler ohne Angst vor den “Abwerbungsversuchen” zu gemeinsamen Trainings schicken. Dadurch steigt das Niveau des Österreichischen Judosports weiter an. Außerdem sollten Ausländer, die nachweislich ihren Lebensmittelpunkt in Österreich haben und in keiner Nationalmannschaft stehen, nach relativ kurzer Zeit den neu zu schaffenden “Österreicher Lizenzen” gleichgestellt werden. Damit gewinnen wir Wissen und Trainingspartner.

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Erich Ivinger (Jahrgang 1977) ist seit Oktober 1986 aktiver Judoka mit nationalen und internationalen Erfolgen. Er ist staatlich geprüfter Fitness-Trainer, staatlich geprüfter Judotrainer und hat die Sportmanager-Ausbildung. Seit 2000 ist er hauptberuflich als Trainer tätig, schreibt Judo-Fachbücher, ist Mitarbeit an einem Österreichweiten Ausbildungsprogramm und ist beteiligt an der Veröffentlichung von Gesundheitsthemen und -tips.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 11.05.2021 um 12:23 auf https://www.salzburg24.at/archiv/gastkommentar-erich-ivinger-zur-reform-der-judo-liga-59616451

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