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Gerichtsvollzieher wegen Amtsmissbrauchs verurteilt

Salzburg – Wegen Amtsmissbrauchs ist heute, Dienstag, ein Gerichtsvollzieher am Landesgericht Salzburg zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten verurteilt worden.

Der 46-jährige Pongauer soll von Dezember 2006 bis Jänner 2008 insgesamt 46.776,51 Euro an Schuldnerbeträgen nicht an die betreffenden Gläubiger überwiesen, sondern in die leere Kasse eines Fußballvereins gesteckt haben.

Der Angeklagte – er bekannte sich schuldig – nahm das Urteil an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. “Ich schäme mich dafür”, sagte der Beamte mit reuevoller Stimme zur Vorsitzenden Richterin Birgit Dunzendorfer. Er sei über 20 Jahre Sektionsleiter bei dem Pongauer Fußballverein gewesen, zuerst “ist es gut gelaufen”, doch dann hätten Sponsoren ihre finanziellen Zusagen nicht eingehalten. Deshalb habe er sich dazu hinreißen lassen, das Budgetloch mit den Schuldnergeldern zu stopfen. “Das war der größte Fehler meines Lebens, es tut mir fürchterlich leid”, entschuldigte sich der Fußball-Fan.

Bei einer Routinekontrolle seiner Amtsgeschäfte ist der Arbeitgeber des Exekutors, das Oberlandesgericht Linz, auf Ungereimtheiten gestoßen. “Er hat eingehobene Beträge verspätet oder gar nicht überwiesen”, warf ihm Staatsanwältin Elvira Gonschorowski-Zehetner vor. Der langjährige Gerichtsvollzieher habe sich daraufhin kooperativ bei der Aufklärung des Sachverhaltes gezeigt und den Schaden zur Gänze wieder gutgemacht, erklärte Verteidiger Friedrich Kühleitner dem Schöffensenat. Der letzte fehlende Betrag von 2.500 Euro ist am Montag überwiesen worden. Allerdings hat der Gerichtsvollzieher nach eigenen Angaben noch rund 160.000 private Schulden zu begleichen.

Als mildernd wertete die Vorsitzende in der Urteilsbegründung die Unbescholtenheit des Angeklagten, seinen ordentlichen Lebenswandel, die Schadenswiedergutmachung und das reumütige Geständnis. Erschwerend sei allerdings der lange Tatzeitraum, die Tatwiederholung und der hohe Schaden, so Dunzendorfer. Sie hielt ein Fünftel des Strafrahmens (sechs Monate bis fünf Jahre Haft) für schuldangemessen. Hätte die Strafhöhe ein Jahr überschritten, wäre ihm mit dem Urteil der Amtsverlust ausgesprochen worden, erklärte der Verteidiger nach dem Prozess. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

(Quelle: S24)

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