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Google geht gegen Werbeblocker für Android vor

Don't be evil - sei denn, das eigene Geschäftsmodell ist bedroht? Salzburg24
Don't be evil - sei denn, das eigene Geschäftsmodell ist bedroht?

Adblock Plus ermöglicht ungestörtes Surfen und gehört zu den populärsten Erweiterungen für Web-Browser am PC, aber auch auf Android-Smartphones kommt es zum Einsatz. Nach dem Rauswurf aus dem Google Play Store befürchten die Entwickler der App nun Schlimmes.

Millionen von Internet-Nutzern setzen auf Adblock Plus und ähnliche Add-Ons. Die kostenlosen Erweiterungen für Chrome, Firefox, Opera und Android versprechen immerhin werbefreies Surfen im Netz. Allerdings kollidiert das Tool mit dem Geschäftsmodell von Google. Der Internet-Konzern macht bekanntlich sehr viel Geld mit Online-Werbung.

Alle Werbeblocker aus dem Play Store entfernt

Vergangene Woche sorgte Google mit mehreren Meldungen für Schlagzeilen. Dass der langjährige Android-Chef Andy Rubin zurücktritt, konnte noch als normale Personalie abgebucht werden. Für Aufregung sorgte hingegen die Ankündigung, dass Google Reader per 1. Juli eingestellt werde.

Neben diesen Meldungen ging allerdings eine andere Aktion des Konzerns unter, der für sich den Slogan "Don't be evil" ("Sei nicht böse") kreiert hat. Beinahe unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit hat Google nämlich populären Werbeblockern den Kampf angesagt. Adblock Plus Konsorten (AdBlocker, AdAway und AdFree) flogen allesamt aus dem Google Play Store. Begründung: Diese Tools verstossen gegen die Richtlinien für Android-Entwickler, weil sie andere Dienste (sprich: Werbung) beeinträchtigen.

Was wurde aus der offenen Plattform?

Der Play Store als erste Anlaufstelle für Apps unter Apps galt bislang als wenig reguliert. Google scannt die Angebote zwar automatisch auf bösartige Malware, abgesehen davon gibt es aber fast alles zum Download, ganz im Gegensatz zum deutlich strenger zensierten App Store von Apple.

Adblock Plus, das erst im vergangenen November als Android-App veröffentlich wurde, dürfte Google wohl schon länger ein Dorn im Auge gewesen. Diese Vermutung äusserten die Entwickler  in einer Stellungnahme. Durch das eigenmächtige Entfernen solcher Apps verstosse Google gegen grundlegende Prinzipien, die das Internet demokratisch machten. Die US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation spricht gar von Zensur.

Nächstes Ziel: Chrome am PC?

Die Co-Gründerin von Adblock Plus befürchtet, dass es als nächstes den Werbeblockern auch im Chrome-Browser an den Kragen gehen könnte. Sollte Google diesen Schritt wagen, drohe allerdings ein richtiger "Shitstorm". Noch ist es aber nicht so weit.

Smartphones weiter werbefrei, aber nicht mehr so einfach

Wer Adblock Plus & Co. bereits auf seinem Gerät installiert hat, kann es auch weiterhin verwenden. Und auch neue User können die Apps in Zukunft auf ihrem Gerät installieren. Allerdings eben nur mehr über den Umweg alternativer Stores oder manuell direkt am Handy, was für die grosse Masse der Nutzer aber zu kompliziert sein dürfte. Wer bereits einen der root-pflichtigen Blocker wie AdAway verwendet, dürfte wohl am wenigsten betroffen sein - diese User sind es meist gewöhnt, Anwendungen manuell zu installieren.

Google hat sich zu den Vermutungen übringes nicht geäussert, ein Firmensprecher sagte lediglich: "Wir entfernen Apps aus Google Play, die unsere Richtlinien verletzen". (red)

Aufgerufen am 20.04.2019 um 06:45 auf https://www.salzburg24.at/archiv/google-geht-gegen-werbeblocker-fuer-android-vor-42704008

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