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Großer Andrang bei afghanischer Präsidentenwahl

Bei der Präsidentenwahl in Afghanistan haben Millionen Afghanen den Weg für die erste demokratische Machtübergabe in der Geschichte des Landes freigemacht. Die Wähler trotzten am Samstag den Drohungen der Taliban, denen es nicht gelang, die Abstimmung massiv zu stören. Allerdings wurden einige Anschläge und Angriffen der Taliban gemeldet, bei denen mehrere Menschen ums Leben kamen.

Wegen des großen Andrangs verlängerte die Wahlkommission (IEC) die Öffnungszeit der Wahllokale um eine Stunde. In Wahllokalen in mehreren Provinzen gingen die Stimmzettel aus, die nach IEC-Angaben aus den Provinzhauptstädten nachgeliefert wurden. Rund sieben Millionen der mehr als zwölf Millionen Wahlberechtigten hätten ihre Stimme abgegeben, hieß es. Bei der Präsidentenwahl 2009 waren 5,8 Millionen Stimmen abgegeben worden, von denen 1,2 Millionen wegen Betrug für ungültig erklärt worden waren.

Der scheidende Präsident Hamid Karzai regiert seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001. Er durfte nach der Verfassung nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren. Die Abstimmung markiert den ersten demokratischen Machtwechsel in der Geschichte des Landes.

Aufgrund der schlechten Sicherheitslage mussten nach IEC-Angaben am Wahltag weitere 211 Wahlzentren zubleiben - 748 andere waren schon vor der Abstimmung für geschlossen erklärt worden. 6.212 Wahlzentren im Land seien geöffnet gewesen, teilte die IEC mit. Statt der von den Taliban angedrohten Welle von Anschlägen auf Wahllokale kam es nur zu vereinzelten Zwischenfällen.

Vize-Innenminister Mohammad Ayub Salangi sagte: "Landesweit wurden Dutzende Aufständische durch afghanische Sicherheitskräfte getötet." Die Behörden teilten zu den Provinzen mit, in Badghis sei ein Wähler getötet worden. In Logar seien zwei Wähler verletzt worden, als in einem Wahlzentrum ein Sprengsatz detonierte. In Parwan und Wardak seien Wahllokale beschossen worden. Bei einem Selbstmordanschlag in Khost sei nur der Attentäter gestorben. In Ghazni sei ein Selbstmordattentäter von Polizisten erschossen worden.

In der Hauptstadt Kabul - wo spektakuläre Anschläge befürchtet worden waren - blieb es ruhig. Zur Wahl waren die 352.000 afghanischen Sicherheitskräfte in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Mehr als zwölf Millionen Stimmberechtigte waren zur Wahl aufgerufen. In Kabul bildeten sich trotz schlechten Wetters Schlangen an den Wahllokalen. Die Stadt wurde zur Festung ausgebaut, Sicherheitskräfte errichteten etliche Checkpoints. Wähler wurden vor den Wahllokalen auf Sprengstoff und Waffen durchsucht.

Sorgen bereitet potenzieller Wahlbetrug. Afghanische Wahlbeobachter stellten der Wahl nach einer vorläufigen Bewertung aber ein zufriedenstellendes Zeugnis aus. "Die Gesamtbewertung deutet bisher darauf hin, dass der Wahlprozess gut lief", teilte die Stiftung für Transparente Wahlen (Tefa) mit. "Die Beteiligung von Männern und Frauen war in allen Provinzen bemerkenswert."

Acht Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge von Karzai. Als Favoriten gelten die früheren Außenminister Abdullah Abdullah und Salmai Rassoul sowie Ex-Finanzminister Ashraf Ghani. Sollte kein Bewerber eine absolute Mehrheit erhalten, ist für den 28. Mai eine Stichwahl vorgesehen. Erste vorläufige Teilergebnisse der Wahlkommission werden erst gegen Mitte der kommenden Woche erwartet.

Überschattet wird die Wahl von dem tödlichen Anschlag auf die deutsche Foto-Reporterin Anja Niedringhaus im Osten des Landes. Die preisgekrönte Mitarbeiterin der US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) wurde am Freitag von einem Polizisten erschossen. Die mit Niedringhaus reisende kanadische AP-Reporterin Kathy Gannon wurde bei dem Attentat in der Provinz Chost verwundet. Der Schütze nannte der Polizei zufolge als Motiv für seine Tat Rache für Nato-Luftangriffe auf sein Dorf in Afghanistan. Die beiden Reporterinnen waren zur Wahlberichterstattung nach Khost gereist.

Die Wahl ist die letzte, bevor der Kampfeinsatz der Nato-geführten Schutztruppe Isaf in Afghanistan zum Jahresende ausläuft. Die Isaf stand am Wahltag nur zur Unterstützung in Notfällen bereit, sollten die afghanischen Sicherheitskräfte sie anfordern.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 28.02.2021 um 03:56 auf https://www.salzburg24.at/archiv/grosser-andrang-bei-afghanischer-praesidentenwahl-45047929

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