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Gutachter sieht Spar-Zahlen weniger rosig als Firma selber

Gutachter Bertl kritisiert das negative Working Capital der Spar-Gruppe. APA
Gutachter Bertl kritisiert das negative Working Capital der Spar-Gruppe.

Der Handelskonzern Spar steht wirtschaftlich weniger gut da, als das Unternehmen selber angibt, meint Bilanzexperte Romuald Bertl laut "Presse". Basis für sein Gutachten sind Bilanzen des Konzerns, die er anlässlich eines Rechtsstreits mit der Grazer Shopping City Seiersberg analysiert hat.

Spar-Sprecherin Nicole Berkmann hält dem entgegen, dass der Spar-Konzern eine "tadellose, solide und äußerst positive Entwicklung" nehme und "nachweislich profitabel" sei. Im vergangenen Jahr seien sowohl das Ergebnis vor Steuern (von 111 auf 164 Mio. Euro), als auch die Eigenkapitalquote (von 25,5 auf 26,4 Prozent) gewachsen, wird sie in der "Presse" zitiert.

Spar sei krisenanfällig

Im Gespräch mit der "Presse" meint hingegen Bertl, "der Konzern ist krisenanfällig, was seine Finanzierung anbelangt." So sei der Umsatz 2012 bei 8,9 Mrd. Euro gelegen und nicht bei 12,6 Mrd. Euro, wie von Spar angeführt. Die 12,6 Mrd. Euro seien der Brutto-Verkaufsumsatz - das auszuweisen sei international üblich, sagte dazu Berkmann auf Anfrage der APA. Auch Rewe veröffentliche diese Zahl, weil sie die Größe des Unternehmens spiegle. Sie enthalte auch die Bruttoverkaufsumsätze der Sparkaufleute, die dann aber nicht in die Bilanz des Konzerns einfließen. Deshalb sei in der Bilanz ein niedrigerer Umsatz verzeichnet, als ihn Spar im Februar veröffentlicht hat.

Hohe Verschuldung der Spargruppe

Gutachter Bertl kritisiert weiters das negative Working Capital (zwischen minus 850 Mio. und minus 1 Mrd. Euro) der Spar-Gruppe. Das ist die Differenz zwischen kurzfristigen Aktiva und Passiva. Und die Verschuldung der Spargruppe sei mit 6,5 Mrd. Euro bei einer Bilanzsumme von 8 Mrd. Euro sehr hoch. Die Verschuldung sei für einen internationalen Konzern im üblichen Rahmen, sagt hingegen Berkmann, es stünden ihr deutlich höhere Vermögenswerte gegenüber. Außerdem sei unklar, wo der von Bertl errechnete Schuldensatz herkomme.

Spar sei der einzige große Handelskonzern in Österreich, dessen Bilanz veröffentlicht werde. Das positive Testat des Wirtschaftsprüfers zähle wohl mehr als ein in einem Rechtsstreit von der Gegenpartei beauftragter Gutachter, meint Berkmann. Am Dienstag geht der Prozess Spar gegen Einkaufszentrum Seiersberg weiter.

Teure Tochterfirmen

Die Verschuldung von Spar hänge einerseits an Leasing-Verbindlichkeiten von 2,7 Mrd. Euro und an Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen, also Tochterfirmen, von gut 1 Mrd. Euro, liest Bertl aus der Bilanz und schließt daraus, dass "die Spar Österreichische Warenhandels-AG die Finanzierung der Schwestergesellschaften übernimmt." Zusätzlich hafte das Unternehmen mit 300 Millionen Euro für Schwestergesellschaften. "Das Risiko der Schwestern ist damit auch eines für die Spar Warenhandels-AG" meint Bertl laut "Presse".

Wobei die Töchter in Ungarn, Tschechien und Kroatien die meisten Probleme machten. An erster Stelle steht Ungarn, wo es in den vergangenen zwei Jahren eine Eigenmittelzufuhr von 116 Millionen Euro gegeben habe und dennoch im Vorjahr ein Verlust von 44,2 Mio. Euro entstanden sei. Die Ungarn-Tochter habe innerhalb der Spar-Gruppe Verbindlichkeiten von 254 Mio. Euro bei einem Jahresumsatz von 1,2 Milliarden. Berkmann verweist in diesem Zusammenhang auf die ungarische Sondersteuer, die für alle ausländischen Handelsunternehmen gelte und Spar 75 Millionen Euro gekostet habe. Davor sei Spar-Ungarn äußerst erfolgreich gewesen. "Auch derzeit befindet sich Spar-Ungarn bereits operativ wieder in der Gewinnzone" wird Berkmann in der "Presse" zitiert.

Spar-Kroatien "äußerst positiv"

Spar-Kroatien hatte laut Bertl in den letzten beiden Jahren 32 Millionen Eigenmittelzufuhr und 13,6 Mio. Euro Verlust. Das liege daran, dass das Unternehmen sich noch in der Start up-Phase befinde, die Umsatzentwicklung sei "äußerst positiv", sagt dazu Berkmann. Und die Tschechien-Tochter mit einem Verlust von 22 Millionen Euro leide unter großem Konkurrenzdruck - doch daran werde gearbeitet. (APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 22.04.2021 um 05:22 auf https://www.salzburg24.at/archiv/gutachter-sieht-spar-zahlen-weniger-rosig-als-firma-selber-44045434

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