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Heinisch-Hosek schließt PISA-Teilnahme aus

Heinisch-Hosek sagt "Nein" Salzburg24
Heinisch-Hosek sagt "Nein"

Österreich nimmt definitiv nicht am PISA-Bildungsvergleichstest im kommenden Jahr teil. Einen Meinungsumschwung schloss Unterrichtsministerin Heinisch-Hosek am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" aus. Angesichts offener Fragen im Zusammenhang mit einem vermeintlichen Datenleck wäre eine Teilnahme "fahrlässig". Die Grünen sprachen in einer Reaktion von einer "bildungspolitischen Bankrotterklärung".

Oberösterreich will ja auf eigene Faust bei PISA mitmachen, bräuchte dafür aber die Zustimmung des Ministeriums. Diese wird es jedoch nicht geben: "Wir werden das keinem Bundesland einzeln zugestehen", betonte Heinisch-Hosek.

Auch das Angebot der Uni Salzburg, die Vortestungen für PISA durchzuführen und im eigenen System zu speichern, ändert am Entschluss der Ministerin nichts: "Die Entscheidung wird nicht mehr geändert. PISA wird es nächstes Jahr nicht geben können."

Es handle sich ja heute nicht nur mehr um Papiertestungen sondern es werde auch mit USB-Stick und Laptop gearbeitet. Andere Institute hineinzuziehen wäre "verantwortungslos".

Dass man diesmal nicht teilnimmt, bedeutet für die Ministerin freilich nicht, dass man auch in Zukunft PISA fernbleibt. Jedenfalls will Heinisch-Hosek im kommenden Jahr die Bildungsstandards in Deutsch nachholen - und was die Zentralmatura angeht, versicherte die Ressortchefin einmal mehr, dass jene Schulen, die heuer schon teilnehmen wollten, dies auch tun könnten.

Zufrieden ist Heinisch-Hosek, wenn künftig auch in dritten Klassen Volksschulen auf eine Ziffernnote verzichtet bzw. diese durch eine verbale Beurteilung ergänzt werden kann. "Irgendwann" kann sich die Ministerin überhaupt eine notenfreie Schule vorstellen. Man solle vielleicht öfter auch die Schüler selbst über ihre Leistungen befragen. Diese könnten sich selbst gut einschätzen. Einmal mehr pries die Ministerin die Vorzüge der Gesamtschule, konzedierte aber, dass die Langform des Gymnasiums in dieser Legislaturperiode gemäß Koalitionspakt unangetastet bleibe.

Was ihr zweites Tätigkeitsfeld, das Frauenressort, angeht, pochte Heinisch-Hosek einmal mehr auf eine Frauenquote auch in der Privatwirtschaft - mit langer Vorlaufzeit: etwa bis 2020 eine 30-Prozent-Quote. Ein Bildbearbeitungsgesetz, dass geschönte Fotos von Models unterbindet, fände die Ministerin zwar unverändert nicht schlecht. Allerdings werde man hier nur auf europäischer Ebene vorgehen können, da es viele internationale Kampagnen gebe.

Wenig Anklang fand Heinisch-Hosek mit ihrem Auftritt in der "Pressestunde" den anderen Parteien gefunden. Kritik gab es etwa aufgrund des PISA-Teststopps, aber auch wegen ihrer Befürwortung der Gesamtschule sowie einer Frauenquote.

Selbst beim Koalitionspartner gefiel nicht allen, was die Ministerin von sich gab. Wirtschaftsbund-Generalsekretär Peter Haubner (ÖVP) ärgerte sich in einer Aussendung über den Wunsch der Ministerin nach einer Frauenquote auch in der Privatwirtschaft. "Mehr als irritierend" und "beispielhaft für das mangelnde SPÖ-Verständnis für die Klein- und Mittelbetriebe in Österreich" sei dies, befand er in einer Aussendung. Für eine gesetzliche Quote in Aufsichtsräten in der Privatwirtschaft sprach sich dagegen ÖGB-Vizepräsidentin Sabine Oberhauser aus. Team Stronach und FPÖ lehnen dies wie der Wirtschaftsbund ab.

Den freiheitlichen Bildungssprecher Walter Rosenkranz verstimmt, dass Heinisch-Hosek einmal mehr ihre Präferenz für die Gesamtschule kundtat und einer Abschaffung der Noten das Wort redete, was man in der FPÖ als "Gleichmacherei-Phantasie" geißelt. Das Team Stronach sprach sich ebenfalls für den Erhalt des Gymnasiums aus.

Auch bei den Grünen hatte man mit Henisch-Hosek wenig Freude. Dass sie beim Stopp aller Testungen bleibt, ist für Bildungssprecher Harald Walser eine "bildungspolitische Bankrotterklärung". Und dass die Ministerin die Hypo-Rettung verteidigte, sah Grünen-Vize Werner Kogler als "inkompetentes und unambitioniertes rotes Gerede".

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 09.03.2021 um 05:09 auf https://www.salzburg24.at/archiv/heinisch-hosek-schliesst-pisa-teilnahme-aus-44963617

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