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Heinz Schaden: Der "sture Hund" startet in seine letzte Amtszeit

Schaden auch für die nächsten fünf Jahre Bürgermeister der Stadt Salzburg. APA/Gindl
Schaden auch für die nächsten fünf Jahre Bürgermeister der Stadt Salzburg.

Auch im letzten Anlauf blieb ihm - trotz Amtsbonus - ein Durchmarsch im ersten Wahlgang verwehrt: Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) hat seine "Vertragsverlängerung" wie schon für fünf Jahren am heutigen Sonntag erst in der Stichwahl erhalten.

Der bald 60-Jährige startet damit in seine letzte Amtszeit, das hat er schon vor der Wahl unmissverständlich klargestellt.

Mit 15 Jahren Amtszeit ist Heinz Schaden der am längsten durchgehend amtierende Bürgermeister der Stadt Salzburg seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Aber nicht nur deswegen gehört er zum kleinen Kreis jener Bürgermeister, die in ganz Österreich wahrgenommen werden: Sein langjähriges Wirken im Kuratorium der Festspiele, sein Bemühen um Olympische Winterspiele, seine Tätigkeit als Vizepräsident des Städtebundes und vor allem seine wiederholten Zwischenrufe in der heimischen Innenpolitik haben ihn zur bekannten Persönlichkeit werden lassen. Nicht bloß einmal ist Heinz Schaden aus der Parteilinie ausgeschert, etwa vor der Nationalratswahl 2008, als die SPÖ einen EU-kritischeren Kurs einschlug, oder in der Eurofighter-Frage.

Schaden geht Konflikten nicht aus dem Weg

Der Bürgermeister gehört zu jenem schrumpfenden Schlag an Politikern, die Meinung haben und hinter dieser stehen, selbst wenn Gegenwind aufkommt. Dass er dabei auch Konflikten nicht aus dem Weg geht, davon wissen selbst Persönlichkeiten vom Kaliber eines (Festspielintendanten) Alexander Pereira ein Lied zu singen. Und wenn ihn etwas stört, dann seilt er sich als Zeichen des Protestes auch einmal publikumswirksam vom Mönchsberg ab und enthüllt am Fels ein Transparent. Der Slogan auf den diesjährigen Wahlplakaten - "Ein sturer Hund, aber total verlässlich" - traf durchaus die Realität, wird aber nicht immer nur geschätzt: Kritiker bezeichneten ihn mehrmals als Dickschädel, Egomanen und beratungsresistent.

Schaden über Nacht zum Vizebürgermeister

Heinz Schadens Aufstieg zum Vizebürgermeister der Mozartstadt kam über Nacht und völlig unerwartet: Denn mit Listenplatz 26 war für den Pressesprecher der Arbeiterkammer 1992 ein Einzug in den Gemeinderat eigentlich ausgeschlossen. Doch der Urnengang endete mit einem Fiasko für die SPÖ. Nach zähem Ringen räumte der damalige Bürgermeister Harald Lettner das Feld, und die Partei hievte Schaden ganz nach oben. Zum Stadtchef reichte es vorerst allerdings nicht, weil sich im Gemeinderat eine Mehrheit für den ÖVP-Kandidaten Josef Dechant fand.

Die kommunalpolitische Sozialisation erfolgte in der vielleicht spannendsten Periode des Salzburger Gemeinderates, als brillante Rhetoriker um laufend wechselnde Mehrheiten kämpften. Beharrlich ging der Neo-Politiker seinen Weg der Sachpolitik, als Medienprofi setzte Schaden vom ersten Tag an auf eine möglichst gute Zusammenarbeit mit Journalisten. 1999 machte sich das bezahlt: In der Stichwahl eroberte der Sozialdemokrat den Salzburger Bürgermeistersessel für seine Partei zurück.

One-Man-Show der SPÖ

Nach und nach entwickelte sich die Salzburger SPÖ zur One-Man-Show. Nur eine Meinung war nach außen zu hören, ohne Heinz Schaden ging gar nichts. Einzig einen Weggefährten ließ das Alpha-Tier ein bisschen größer werden: seinen designierten Kronprinzen Martin Panosch. Doch auch der stand stets im Schatten des Bürgermeisters und zog sich im vergangenen Herbst aus der Politik zurück. Mangels Erfolg versprechender Alternativen war daher die Wiederkandidatur Schadens 2014 selbstredend. Jetzt im Wahlkampf durfte aber auch ein Trio mit in die erste Reihe, die Nachfolge wird also auf etwas breiterer Basis vorbereitet.

Salzburgs Bürgermeister hat auf seinem politischen Weg da und dort ordentlich angestreift, zumindest einen Erfolg kann ihm heute aber niemand abreden: Während seines langen Wirkens als Finanzreferent (seit 1999) hat sich die Mozartstadt nachhaltig finanziell konsolidiert. Kaum eine Stadt steht heute wirtschaftlich so solide da wie Salzburg.

In der Partei scheinen die Weichen für die Zeit nach Heinz Schaden gestellt, noch einmal aber amtiert Heinz Schaden. Und geht es nach seinem Wunsch, dann übergibt er im Jahr vor der Bürgermeisterwahl 2019 ein wohlbestelltes Haus an seine/n Nachfolger/in.

Heinz Schaden wurde am 29. April 1954 in Graz geboren. Schon während der Schulzeit war er als AHS-Landesschulsprecher politisch aktiv, später als Studienrichtungsvertreter an der Universität Salzburg. Nach seiner Promotion im Fach Wirtschaftsgeschichte 1981 leistete er seinen Zivildienst bei der Bewährungshilfe. 1985 absolvierte Schaden die Diplomatische Akademie in Wien und trat danach als Kabinettschef für Wohnbau in den Dienst des Bauten-Ministeriums. Zwei Jahre später übernahm er die Medienabteilung der Salzburger Arbeiterkammer, ehe er überraschend in die Politik wechselte. Er ist Vater einer erwachsenen Tochter und in zweiter Ehe mit Jianzhen Reiter verheiratet. (APA)

(Quelle: S24)

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