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Helden des Alltags: "Elling"-Premiere im kleinen theater

Elling und Kjell Bjarne haben sich in einer psychiatrischen Einrichtung kennen gelernt. Nach zwei Jahren ist es plötzlich so weit, die beiden sollen ins so genannte “reale” Leben entlassen werden. Was sie dort erwartet, davon handelt das Schauspiel “Elling” im kleinen theater in Salzburg.

Ein kleiner, korrekt gekleideter Mann steht in der Tür und umklammert seinen Koffer. Unsicher betritt er die Wohnung und blickt sich um. “Mutters Bild soll hier stehen”, sagt Elling und stellt die Fotografie auf die einzige Kommode im Raum. “Ich lass euch meine Telefonnummer da, falls ihr noch was braucht”, sagt Frank und klebt die Nummer direkt neben das Bild von Ellings Mutter.  ”Aber denkt dran, ich habe auch noch zwölf andere Leute zu betreuen”. “Wie Jesus, der musste sich auch zwölf Leute kümmern” sagt Elling und hängt sein Fernglas, das er stets bei sich trägt, auf einem Kleiderhaken auf.

Basierend auf den gleichnamigen, oscarnominiertem Film, der in seinem Erscheinungsjahr 2001 mehr als 800.000 Besucher in die norwegischen Kinosäle lockte, handelt das Spiel von Einem, der erst einmal mit dem ganz normalen Alltag leben lernen muss. Elling - unglaublich facettenreich dargestellt von Alexander Kratzer - hat Zeit seines Lebens nur mit seiner Mutter zusammen gelebt. Nach derem Tod kommt Elling in die psychiatrische Anstalt in Broynes, wo er Kjell Bjarne kennenlernt. Kjell Bjarne wurde in der Kindheit übel mitgespielt. Edi Jäger umreißt den einfachen Charakter mit viel Mimik und Gestik um zu zeigen, wie schwer es Kjell Bjarne fällt mit anderen zu kommunizieren.

Die beiden neurotischen Männer werden nach zwei Jahren in der Anstalt von Sozialarbeiter Frank – John F. Kutil, der neben Kratzer und Jäger etwas farblos wirkt –  in eine eigene Wohnung in Oslo gebracht, um wieder in das normale Leben zuück zu finden. Der Einstieg gestaltet sich jedoch schwieriger als angenommen, denn Elling und Kjell Bjarne müssen erst lernen wie man telefoniert, einkaufen geht und sich überhaupt aus dem Haus traut. Elling, der kauzige Sozialdemokrat mit Matura, weiß theoretisch wie er das schaffen könnte, wären da nicht seine ständigen Begleiter, Angst und Beklommenheit.

Skurrile Situationskomik mit leisen Zwischentönen

Kjell Bjarne will unbedingt so schnell wie möglich eine Frau kennenlernen und kann an nichts anderes mehr denken. Als er eine hochschwangere Frau betrunken im Treppenhaus liegend findet, bringt er sie in ihre Wohnung und hält ihr die Hand, bis sie wieder aufwacht. Die hübsche Nachbarin – Anita Köchl, die die Rolle mit viel Humor spielt  - lädt ihn darauf zum Essen ein, was für Kjell Bjarne einer mittleren Katastrophe gleichkommt. Was soll er bloß darauf antworten?

Drive bekommt die Salzburger Inszenierung in den Szenen, die in der Wohnung spielen, Lehrlauf schleicht sich ein, wenn die Schauspieler gegen Ende hin durch zu schnell gesetzte Schnitte aus dem Takt geworfen werden. Herrlich spartanisch gerät das Bühnenbild. Kein Sessel zuviel, kein oranger Farbtupfer (Ellings Lieblingsfarbe) zu wenig um von der eigentlichen Handlung, der Entwicklung der Hauptfigur abzulenken.

Die Koproduktion von Posthof Linz, Stadttheater Bruneck & Köchl/Jäger stellt in Zusammenarbeit mit Pro Mente in Salzburg ein Kultstück vor, dass sich in gestraffter Form streng an das Filmdrehbuch hält. Regisseur Klaus Rohrmoser inzenierte eine skurrile Situationskomik mit leisen Zwischentönen, die die Abgründe des ganz normalen Alltagswahnsinns darstellen. Die zentrale Botschaft des Stücks bezieht sich demnach auf die Wandlung, die Elling im Laufe des Abends durchläuft und die da lautet: ”Will man wirklich leben, dann muss man sich der Herausforderung Leben stellen, auch wenn es manchmal Überwindung kostet”.

Bisherige Pressestimmen sprechen bei dieser Elling-Inszenierung zu Recht von einem “Pflichttermin für Schauspielverrückte” oder titulieren das Stück als “Boulevard vom Besten”. So unglaublich selbstironisch Alexander Kratzer die Figur Elling in ihrem Hang zur Poesie anlegt, so einfach gestrickt scheint der Charakter Kjell Bjarne zu sein, dem Edi Jäger fast unmerklich eine Prise Charme verleiht.

(dak)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 21.09.2019 um 04:52 auf https://www.salzburg24.at/archiv/helden-des-alltags-elling-premiere-im-kleinen-theater-59600707

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