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"Hoffe, jeder hört die Alarmglocken"

Jetzt reden die Kapitäne der heimischen Erstligisten, Alexander Guem (Altach), Harald Dürr (Austria) und Piero Minoretti (FC Lustenau).

Alex Guem im Interview:

Die fehlende Dominanz führt beim Cashpoint SCR Altach zu Zweifeln. Kapitän Alex Guem redet nach der dritten Saisonniederlage Klartext.

Wo liegt das Problem, dass man der Favoritenrolle derzeit nicht gerecht wird?

Alexander Guem: Schwer zu sagen. Wir müssen aber davon wegkommen, dass wir immer sagen, wir spielen den schönsten Fußball. Fakt ist, dass wir uns zu schnell den Schneid abkaufen lassen. Vielleicht ist es auch nur eine Unterstellung. Aber es schaut so aus, dass wir den Gegner zu oft unterschätzen. Das geht in dieser Liga nicht. Wir müssen jetzt schleunigst wieder anfangen, über den Kampf ins Spiel kommen. Ich hoffe, jeder von uns hört nun die Alarmglocken.

Wie kann man dieses Dilemma ablegen?

Guem: Wie schon gesagt, es kann nur über den Kampf gehen. Die Gegner haben es uns ja vorexerziert. Wir müssen endlich wieder die Zweikämpfe annehmen und kein Spiel aufkommen lassen. Gewinnen wir wieder Zweikämpfe, habe ich keine Sorge, dass wir nicht auch wieder spielerisch in die Gänge kommen. Aber derzeit wirkt alles ein wenig träge.

Aus im Cup, zwei Niederlagen nach acht Saisonspielen ? das schlägt sicher negativ auf die Stimmung. Oder gibt es etwa schon Unstimmigkeiten innerhalb der Mannschaft?

Guem: Nein! Dass die Stimmung sicherlich nicht die beste ist, ist doch klar. Aber es kann jeder mit jedem. Und nach dem Cup-Aus gab es auch schon eine Aussprache unter den Spielern. Das Spiel in Linz gegen Blau-Weiß aber hat uns sicher zurückgeworfen. Wir waren als Mannschaft ein Komplettausfall, einfach brutal. Ich will jetzt einfach nicht mehr hören, wir sind die beste Mannschaft. Fakt ist, wir haben viele neue Spieler zu integrieren ? und da gibt es noch zu viele Probleme.

Harald Dürr im Interview:

Austrias Harald Dürr ist überzeugt: Nur wer die Hausaufgaben während der Woche erledigt, wird im Spiel auch ernten.

Wie kommt eine solche Pleite wie das 1:3 im Derby gegen den FC Lustenau zustande?

Dürr: Die Antwort ist wirklich sehr schwierig. Wissen tue ich es nicht wirklich. Aber es kann eigentlich nur an der Einstellung liegen. Wir wussten ja, dass der FC in die Zweikämpfe gehen wird, dass die Spieler motiviert sind, aber dass sie uns dann spielerisch beherrschen, das war krass. Da bist du als Trainer völlig machtlos. Zumal er uns schon während der Woche mehrfach gewarnt hatte. Aber aus dem Umfeld war nur zu hören, wie hoch wir gewinnen werden. Als Spieler willst du da gar nicht hinhören, aber letztendlich geht es auch nicht spurlos an dir vorbei. Es ist schwierig, dies auszublenden. Möglicherweise haben wir uns auch einfach überschätzt.

Also war eine Spur Überheblichkeitkeit dabei?

Dürr: Das Gefühl hatte ich nicht. Vielmehr haben wir von der ersten Minute an gespürt, der FC ist voll im Spiel. Und in dieser Liga kann sich keine Mannschaft leisten, auch nur ein Prozent weniger auf den Platz zu bringen. Der Unterschied zwischen den Mannschaften ist nicht so groß. Letztendlich muss jeder so ehrlich zu sich sein und sich fragen, was er vielleicht falsch gemacht hat. Das kann schon mit der Vorbereitung anfangen.

Eine solche Niederlage kann auch lehrreich sein. Welche Lehren zieht die Austria daraus?

Dürr: Das Wichtigste aus meiner Sicht ist, die Spannung ? mental und körperlich ? auch während der Woche aufrechtzuhalten. Es gibt nur ganz wenige, die es im Training ein wenig lockerer angehen und dann im Spiel den Schalter umlegen können. Doch für die Vorbereitung ist wirklich jeder Spieler selbst verantwortlich.

Piero Minoretti im Interview

Der Derbysieg gibt Selbstvertrauen, ist Piero Minoretti überzeugt. Gegen Hartberg kehrt der zuletzt verletzte Defensivspieler wieder zurück.

Was bedeutet der Derbysieg?

Piero Minoretti: Der Sieg war natürlich enorm wichtig. Nach den Leistungen der ersten sieben Runden hat dieser Erfolg speziell unserem Selbstvertrauen sehr gut getan. Vor dem Derby wurde nur über die Höhe des Austria-Sieges gesprochen, das hat uns zusätzlich motiviert. Für uns Spieler ist es nach diesem Spiel wichtig zu wissen, was wir wirklich können. Wir haben gut gespielt, aber man muss auch sagen, dass die Austria uns das Leben auch relativ leicht gemacht hat. Trotzdem werden wir mit breiter Brust nach Hartberg fahren. Der Derbysieg kam zum richtigen Zeitpunkt.

Was ist zu tun, dass man auf der Erfolgsspur bleibt?

Minoretti: Wie gesagt, es ist wichtig, dass wir unser Selbstvertrauen gestärkt haben. Noch wichtiger wird aber sein, dass wir in unseren Köpfen verankern, dass es nur über den Kampf geht. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir viel Qualität in der Mannschaft haben. Aber wir haben vergessen, dass man über den Kampf ins Spiel kommt. Diese Tugend dürfen wir nicht mehr aus den Augen lassen und müssen sie schon morgen in Hartberg wieder abrufen.

Einser-Kapitän Philipp Eisele ist verletzt. Sie sind eigentlich sein ?Ersatz?. Im Derby trug Mario Bolter die Schleife.

Minoretti: Ja, richtig. Philipp wurde operiert, ich habe mich für das Derby noch nicht fit genug gefühlt. Daher hat Mario die Kapitänsschleife getragen. Morgen bin ich wieder mit dabei und hoffe auf einen Einsatz. Das wird eine spannende Woche. In Hartberg wartet ein Sechspunktespiel, am Freitag gegen den LASK könnten wir für die nächste Überraschung sorgen.

(VN-Adam/ Alge)

Links zu diesem Artikel:

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 20.07.2019 um 04:41 auf https://www.salzburg24.at/archiv/hoffe-jeder-hoert-die-alarmglocken-59252176

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