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Hundebisse: Fehlverhalten auf beiden Seiten mit bösen Folgen

Die Meldungen über schwer verletzte Kinder nach Hundeattacken in Österreich reißen nicht ab.

In einigen Fällen ortet Katja Wolf vom Österreichischen Kynologenverband (ÖKV) Fehlverhalten, und zwar von beiden Seiten. Sie verteilt ihre Kritik gleichmäßig auf Hundebesitzer und Eltern. Die Problematik ließe sich jedenfalls nur miteinander lösen. Leichtsinn und Unkenntnis wären leicht vermeidbar.

"Ich kann nur an die Vernunft der Menschen appellieren. Wenn sich alle an die Regeln halten, kann viel verhindert werden", so Wolf im Gespräch mit der APA. Fest stehe, dass der Attacke eines Hundes auf ein Kleinkind fast immer Fehlverhalten vorausgehe. "Würde sich jeder Hundebesitzer mehr mit seinem Tier beschäftigen, könnte viel vermieden werden." Wolf spricht in diesem Zusammenhang vom "Lesen" des Wesens eines Hundes und fordert von "Herrl" und "Frauerl" "ein Minimum an Grundausbildung".

Jeder Hundehalter in spe müsse sich auch fragen, welche Rasse zu ihm passt - sowohl charakterlich als auch physisch. Wird ihnen dann hierzulande vom "Traumhund" abgeraten, würden sich viele ihre Vierbeiner in Osteuropa besorgen. Die Tiere seien meist nicht artgerecht gehalten worden und dadurch traumatisiert oder/und verhaltensgestört.

Doch auch die Eltern von Kleinkindern sollten sich diesbezüglich an der Nase nehmen: "Kinder bitte niemals mit Hunden allein spielen lassen. Lieber einmal zu viel nachschauen und aufpassen. Wichtig ist auch, mit den Kindern zu sprechen und ihnen zu erklären, dass ein Hund kein Spielzeug ist, dass ein Tier auch Angst hat oder Schmerz fühlt. Man soll den Kindern aber auch keine Angst machen", rät Wolf. Dies gehöre schon im Kindergarten und später in der Schule gefördert.

Vor allem in Ballungsräumen müsse die Einhaltung der Regeln von der Exekutive verstärkt kontrolliert werden, wünscht sich die ÖKV-Sprecherin. Gegenseitige Rücksichtnahme sei laut Wolf besonders hier unumgänglich. "Es muss sich niemand fürchten oder sich verstecken. Aber für mich ist oft unverständlich, wenn sich manche beim Aufeinandertreffen von Kindern und Hunden denken: Es wird schon gutgehen."

"Ein Hund, der in seiner Welpenzeit wenige und vor allem keine positiven Erfahrungen mit Menschen machen konnte, wird diese als bedrohlich und fremd wahrnehmen", erklärte Johanna Stadler, Geschäftsführerin von Vier Pfoten: "Ein Tier, das jedoch von Beginn an liebevoll und mit viel menschlichem Kontakt aufgezogen wurde, wird sich in menschlicher Umgebung sicher fühlen und keinen Grund haben, sich wehren zu müssen." Daher ließe sich aggressives Hundeverhalten in vielen Fällen auf fahrlässige Haltung zurückführen.

Die Bissunfälle hätten außerdem "deutlich gezeigt, wie sinnlos eigentlich die Rasseliste ist", so Stadler. Hatte im ersten Fall ein Rottweiler ein Kind verletzt, handelte es sich bei den weiteren Hunden, die zugebissen haben, um einen Landseer, einen Mischling sowie einen Golden Retriever. Stadler: "Dies zeigt, was für eine untergeordnete Rolle der Faktor Rasse bei Hunden eigentlich spielt. Es gibt keine Kampfhunde, es gibt aber auch keine Familienhunde. Es gibt nur Hunde, die gut und die nicht gut erzogen worden sind."
(Quelle: S24)

Aufgerufen am 19.07.2019 um 04:15 auf https://www.salzburg24.at/archiv/hundebisse-fehlverhalten-auf-beiden-seiten-mit-boesen-folgen-59239132

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