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Hunderttausende fliehen vor Gewalt im West-Irak

Einen Monat vor den Parlamentswahlen sind im Irak Hunderttausende Menschen auf der Flucht. Zahlen der Regierung in Bagdad deuteten darauf hin, dass bereits rund 400.000 Iraker wegen der Kämpfe in der westlichen Provinz Al-Anbar ihre Häuser verlassen haben. Das geht aus einem UN-Bericht hervor, der am Donnerstag im Sicherheitsrat vorgestellt wurde.

Untergebracht seien die Vertriebenen in Schulen und Regierungsgebäuden. Einige schliefen in Autos. Weitere Hilfe werde dringend nötig.

Seit Anfang des Jahres kommt es in Al-Anbar immer wieder zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen, sunnitischen Bürgerwehren und Mitgliedern der Gruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIL/ISIS). Gleichzeitig versucht ISIL ihr Einflussgebiet in der nördlich von Bagdad gelegenen Provinz Diyala auszuweiten.

Die Nachrichtenagentur Sumeria News meldete am Freitag, binnen 24 Stunden seien Hunderte Familien aus Dörfern im Bezirk Karatepe geflohen. Sie seien zuvor von ISIL bedroht worden. In dem Bezirk leben viele schiitische Turkmenen und sunnitische Kurden.

In der nördlichen Stadt Mossul wurde am Donnerstagabend ein Kandidat der sunnitischen Mutahidun-Allianz für die Parlamentswahlen ermordet. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurde Wathik Al-Ghadhanfari auf der Straße erschossen. Das Bündnis, dessen Vorsitzender der sunnitische Parlamentspräsident Osama al-Nudshaifi ist, erklärte: "Es gibt ganz offensichtlich Kräfte, die versuchen, die Sunniten von der Beteiligung an den Wahlen abzuhalten und in den Extremismus zu treiben."

Soldaten hatten am Donnerstag in Mossul nach Informationen der Nachrichtenwebsite "Shafak News" zwei Selbstmordattentäter in einem Sprengstoffauto getötet. Bei Anschlägen in sunnitischen Vierteln der Hauptstadt Bagdad kamen am selben Tag 13 Menschen ums Leben.

Die Iraker sollen am 30. April ein neues Parlament wählen. Der Iran, der seit dem Abzug der US-Armee aus dem Irak großen politischen Einfluss in Bagdad hat, befürwortet eine weitere Amtszeit des schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Dies lehnen die sunnitischen Parteien sowie einige Kurden und Schiiten ab.

(Quelle: S24)

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