Jetzt Live
Startseite Archiv
Archiv

„Ich will ja hier keine Werbung für die ÖVP machen“

Sieben Tage die Woche Flyer verteilen, auf zig Wahlkampf-Veranstaltungen gehen oder Hausbesuche absolvieren und sich dann auch noch um sechs Uhr früh auf der Schranne als „Gesindel" beschimpfen lassen. Dominik Steiner ist mit 22 Jahren der jüngste Kandidat der Stadt-ÖVP für die Salzburger Gemeinderatswahl am 9. März. SALZBURG24 fragt, warum er sich das antut.

Als der junge Kandidat aus Aigen am Nachmittag des 14. Februar in der SALZBURG24-Redaktion eintrifft, kommt er gerade vom Tulpen-Verteilen. „Wir verteilen ja keine Rosen am Valentinstag. Es geht auch anders", sagt er lachend und spielt damit auf eines der ÖVP-Wahlplakate an. Kaffee möchte er keinen. Der schmecke ihm nicht.

„Ihr seid doch alles Gesindel"

Auf die Frage, was er am Wochenende vorhat, kommt prompt „Ich habe keine Wochenenden mehr". Verteilaktionen und Kandidatentreffen füllen die freien Tage auf. „Es ist harte Arbeit, aber das sehen die Leute nicht, die denken wir tun nichts", erzählt der Politikstudent. Oft werde man blöd von der Seite angeredet. „Ihr seid doch alles Gesindel" komme da zum Beispiel „Es macht einen schon fertig, wenn man das erste Mal beschimpft wird". Der Wahlkampf hat ihn auch ein bisschen desillusioniert: „Ich bin schon froh, wenn die Leute wissen, dass Wahl ist". Die Frage, die sich aufdrängt, ist, warum ein junger Mensch seine Wochenenden dem Wahlkampf opfert und sich beschimpfen lässt, nur um dann festzustellen, dass sich die Leute nicht für Politik interessieren. Um ein politisches Amt geht es ihm nicht. Er sei zu weit hinten auf der Liste, sagt er.

 

ÖVP Salzburg Salzburg24
ÖVP Salzburg
ÖVP Salzburg

Nüchtern aber direkt

Dominik Steiner spricht sehr nüchtern über die Arbeit bei der ÖVP. „Das ist halt jetzt mein Arbeitgeber", meint er. Die Uni würde jedoch klar vorgehen. Beim Wort Berufspolitiker schreckt er zusammen. Es fällt der Satz: „Ich will ja hier jetzt keine Werbung für die ÖVP machen". Auf die Frage, warum Politik denn wichtig sei, kommen ihm zuerst Argumente aus der Politikwissenschaft in den Sinn, „aber das liest dann ja keiner", scherzt er. Von Parteiideologie hält der junge Mann wenig: „Ich würde mich als loyalen Menschen bezeichnen, der aber trotzdem eine eigene Meinung vertritt. Wenn etwas komplett gegen meine Überzeugung geht, lasse ich mir das sicher nicht vorschreiben." Er sei auch nicht mit allem einverstanden, was die Partei mache. Den Klubzwang in Österreich sieht er als Problem.

Die Suche nach der Motivation

Rampenlicht und Medieninteresse sei er gar nicht gewöhnt. „Ich habe jetzt Visitenkarten und das hier ist mein erstes Interview. Es ist alles sehr neu für mich." Er sei auch froh, dass er noch nicht „eingesessen" ist. Gefragt nach seiner Motivation wird der Student aber etwas vage. „Es ist ein gutes Zeichen, wenn mehr Junge dabei sind, es ist eine gute Chance, eine Partei funktioniert nur, wenn alle mitmachen, die ÖVP vertritt meine Überzeugungen am besten", sind einige der Gründe, die er für sein Engagement nennt.

Ganz klar wird aber nicht, was ihn motiviert, sich für seinen „Arbeitgeber" ÖVP so ins Zeug zu schmeißen. Er selbst sieht seine Arbeit als Beitrag zur jungen Stimme der ÖVP. Der Salzburger will wieder mehr Menschen für Politik interessieren, erwartet dabei aber auch Initiative der Bürger. Erfrischend ist das Gespräch mit dem „noch nicht eingesessenen" Dominik Steiner allemal. Bleibt die Frage, wie lange er sich seine Einstellung zu Parteilinie und Klubzwang sowie das klare Antworten auf Fragen noch beibehalten kann. Aber „eine Partei ist ja keine Diktatur" meint der 22-Jährige.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 01.03.2021 um 08:32 auf https://www.salzburg24.at/archiv/ich-will-ja-hier-keine-werbung-fuer-die-oevp-machen-44832904

Kommentare

Mehr zum Thema