Jetzt Live
Startseite Archiv
Archiv

Immobilien-Hai hat von Bad Gastein die Nase voll

Bad Gastein – Vor acht Jahren war er als “Retter von Bad Gastein” angetreten, jetzt hat Franz Duval von dem ehemaligen Weltkurort genug. Der 83-Jährige will seine Immobilien rasch verkaufen.

Der 83-Jährige will seine Immobilien wie etwa das Grandhotel Straubinger samt Badhaus am Wasserfall sowie das verwaiste Ortspostamt rasch verkaufen. Er hatte sie 2001 gemeinsam mit dem Architekten Franz Wojnarowski um 3,6 Mio. Euro als Konkursruinen erworben. “Meine Lebenszeit ist begrenzt. Ich will die Sache rasch zu Ende bringen. Das erleichtert mir den Eintritt ins Himmelreich”, sagte der Immobilienkaufmann einer Wirtschaftszeitung.

Die Übernahme von fünf Tourismusruinen im Ortszentrum, darunter das einst berühmte Grandhotel Straubinger und das Kongresshaus, sind für den früheren Wiener Garagenkönig dem Bericht zufolge zum Himmelfahrtskommando geworden. Von einer langen Interessentenreihe ist allenfalls der Baukonzern Porr übriggeblieben. Doch auch Porr-Solutions-Vorstand Friedrich Gruber relativiert: “Von einem Projekt sind wir ganz weit weg. In Zeiten wie diesen eine Tourismusfinanzierung aufzustellen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit.”

Porr wurde von Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (S) mit Duval zusammengespannt. Wie berichtet, drängt die Landesspitze auf die rasche Revitalisierung der heruntergekommenen Postkartenidylle rund um den Gasteiner Wasserfall. Auch das Bundesdenkmalamt macht Dampf. Es sieht die geschützten Objekte dem Verfall preisgegeben. “Das Bad Gasteiner Zentrum ist im miesest vorstellbaren Zustand”, konstatiert Landeskonservator Ronald Gobiet.

Gobiet hat Duval für morgen, Mittwoch, zu einem Sanierungsgipfel nach Badgastein vorgeladen. “Duval ist ein Sonderfall für uns. Ein konstruktiver Austausch mit ihm, wo er zeigt, dass ihm die Infrastruktur des Ortes am Herzen liegt, ist nie gelungen. Er speist uns nur mit Fotomontagen ab statt einreichfähiger Pläne”, kritisiert Gobiet. Dazu Duval: “Ich habe am Anfang viel zu viel Geld hingeblättert und habe nichts mehr übrig, zu investieren. Ich habe in spekulativer Absicht gekauft, um mit Partnern in Gastein was zu bewegen. Aber man hat mir nur Hürden aufgebaut. Das kostet Lebenszeit, die ich nicht mehr habe.”

Unterdessen hat Duval die Gastein-Holding KKB mit Schadenersatzklagen in Höhe von 650.000 Euro eingedeckt. So viel habe er nachträglich sanieren müssen. “Es ist besser, man reißt alles ab und baut’s neu auf”, resümiert Duval. Sollte das Denkmalamt hart bleiben, will er das Grandhotel Straubinger-Objekt als Asylantenheim anbieten.

Die Vorgeschichte: 2004 war Duval für die Badgasteiner Kur- und Kongressholding KKB, dessen Eigentümer Land, Gemeinde, Hypo und Sparkasse sind, zur Geldquelle für die Felsenbadrenovierung geworden. Für Gemeinde- und Kongresshaus zahlte er 2,37 Mio. Euro. Der “Retter von Gastein” beherrschte damit das Ortszentrum.

Drei Jahre später platzten die von Duval angekündigten Revitalisierungsprojekte reihum. Die Gemeinde geht zu ihm auf Konfrontation und drängt zum Verkauf. Eine Gruppe aus Lignano bietet Duval für Gastein 15 Mio. Euro – er aber will 20 Millionen. 2008 sah sich Duval schließlich als “Gastein-Opfer” und trat gegen die KKB eine Prozessflut los.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 06.05.2021 um 11:19 auf https://www.salzburg24.at/archiv/immobilien-hai-hat-von-bad-gastein-die-nase-voll-59614858

Kommentare

Mehr zum Thema