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In Italien gefasster Salzburger Ex-Anwalt bekennt sich schuldig

Salzburg – Jener 58-jährige Ex-Wirtschaftsanwalt aus Salzburg, der nach derzeitigem Ermittlungsstand Treuhandgelder von umgerechnet rund 2,65 Mio. Euro unterschlagen haben soll, wird sich vor Gericht schuldig bekennen.

Das sagte am Donnerstag sein Rechtsvertreter Raimund Danner bei einer Pressekonferenz in Salzburg. Der beschuldigte Jurist Friedrich L. hatte sich im Oktober 2001 mit seiner Freundin Brigitte H. (40) ins Ausland abgesetzt. Das international gesuchte Paar wurde am 30. Juli 2009 von italienischen Behörden in der Nähe von Florenz festgenommen. In sechs bis acht Wochen könnten die beiden nach Salzburg ausgeliefert werden, meinte Danner.

Bisher wehrte sich L. gegen ein vereinfachtes Auslieferungsverfahren. “Doch jetzt stimmt er zu. Er hat in Italien nicht mehr die Perspektive, frei zu kommen. Er freut sich auf Österreich”, sagte Danner, der die Mandantschaft vergangene Woche übernommen hatte und ihn vor einem Salzburger Gericht verteidigen wird. Sein Ex-Kollege und Tarockierfreund sei in der U-Haft im Florentiner Gefängnis Sollicciano von einem italienischen Rechtsanwalt schlecht beraten worden. Dieser habe gemeint, nach fünf Jahren sei der Fall verjährt, was nach österreichischem Recht, das hier zur Geltung komme, nicht stimme. “Ich habe mich gewundert, dass er sich der vereinfachten Auslieferung widersetzt hat. Nun hat er den Advokaten in Italien gewechselt. Es könnte sich noch ausgehen, dass die beiden vor Weihnachten da sind.”

Die Staatsanwaltschaft wirft L. Veruntreuung sowie schweren, gewerbsmäßigen Betrug und Untreue (mit einer Strafdrohung von ein bis zehn Jahren) vor. Gegen Brigitte H., die laut Danner der Hehlerei geständig ist, laufen die Ermittlungen in Richtung Beitragstäterschaft. Danner hofft auf Strafmilderung, weil sich L. geständig und kooperativ zeige und “vollständig um Schadenswiedergutmachung bemüht ist”. Überzogene Ansprüche der Privatbeteiligten werde er aber bestreiten. Mit einem Prozess ist im kommenden Jahr zu rechnen.

Einen Großteil der veruntreuten Gelder habe der Beschuldigte zur Abdeckung der negativen Betriebskonten hergenommen, schilderte Danner. Die Treuhandgelder, die ihm für Liegenschaftskäufe- und verkäufe anvertraut worden waren, habe L. auf einfache Konten gelegt, weil sie dort keiner Dispositionskontrolle unterlagen. Dann habe er “Millionen von Schillingen” bar behoben”. “Er ist keine kriminelle Persönlichkeit, hat bisher rechtschaffen Geld verdient. Aufgrund von Zwischenfällen sind ihm Missgeschicke passiert. Er ist in ein Defizit geschlittert und hat dann fahrlässig auf fremdes Geld zugegriffen. Es tut ihm leid.” Nach seinem Kenntnisstand habe sein Mandant eine “Loch-Auf, Loch-Zu”-Methode angewandt.

Danner geht davon aus, dass die Geschädigten – es handle sich um einige Versicherungen, Banken und wenige Einzelpersonen – einen Teil ihres Geldes zurückbekommen. Das Paar hatte bis zu seiner Verhaftung bei einer routinemäßigen Kontrolle südlich von Florenz unter dem Namen von Brigitte H. eine Pension betrieben. L. hatte sich mit der Fotokopie eines gefälschten Reisepasses, der auf “Franz Maringer” lautete, ausgewiesen. Die Liegenschaft sei nach Angaben der Tochter des Ex-Anwaltes um 500.000 Euro gekauft worden, “weitere 200.000 Euro wurden investiert”, so Danner. Eigentümer des Hauses sei eine Aktiengesellschaft, wobei L. hundert Prozent der Aktien gekauft habe. Die Verwertung der Liegenschaft würde aber noch dauern. Weiters wurden rund 700.000 Euro beschlagnahmt, die in eine Stiftung nach Liechtenstein geflossen sind.

Der Beschuldigte habe die drei Monate dauernde U-Haft trotz überfülltem Gefängnis, Gefängnisrevolte, fauligem Wasser und miserablem Essen gut überstanden, schilderte der Salzburger Jurist. Brigitte H. sei aber aufgrund der schlechten Unterkunft und Inhaftierung mit Prostituierten und Drogenkranken verzweifelt gewesen. Sie wurde mittlerweile in eine andere Zelle verlegt, “ihr geht es jetzt dementsprechend gut.”

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 16.05.2021 um 04:52 auf https://www.salzburg24.at/archiv/in-italien-gefasster-salzburger-ex-anwalt-bekennt-sich-schuldig-59626483

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