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Jazz auf der Harfe: Edmar Castaneda begeistert bei Gasteiner Snowjazz

Salzburg – Der 29-Jährige Kolumbianer funkt, slappt, rockt und verzückt mit unerhörten Latin-Sounds auf dem Snowjazz-Festival im Salzburger Gasteinertal.

Jazz und Harfe passen nicht zueinander – in der klassischen Musik kann dieses Instrument zwar auf eine Reihe von Solostücken prominenter Komponisten verweisen. Aber der Jazz war bisher trotz einiger Vorbilder weitgehend Harfen-frei. Doch der 29-jährige Kolumbianer Edmar Castaneda hat gestern, Sonntag, Abend beim achten Snowjazz-Festival im Salzburger Gasteinertal keinen Exotenbonus gebraucht. Mit seiner jazzig-virtuosen Spielfreude hat Castaneda sein Publikum im Handumdrehen zu deklarierten Fans der Harfe im Jazz gemacht.

Die liebliche, jahrhundertelang hauptsächlich von Frauen, gelegentlich auch von Engeln gespielte Harfe muss sich unter den ungestüm-jugendlichen Fingern von Edmar Castaneda deutlich mehr gefallen lassen als gewohnt. Wie ein E-Bassist funkt und slappt Castaneda über die unübersichtlich große Zahl von Saiten und fetzt einen Lauf nach dem anderen durch die Effektgeräte. Die Zwischenräume füllt Castaneda mit halsbrecherisch virtuosen Highspeed-Themen und knackigen Unisono-Sätzen mit dem kaum weniger virtuosen Schlagzeuger David Silliman. Immer wieder turnt sich der Kolumbianer dabei auch durch intelligente Harmonie-Folgen, die über die folkloristische Wurzel des Latin-Jazz deutlich hinausweisen.

Sympathisch, verblüffend und bubenhaft-meisterlich wirkte diese Jazzharfen-Performance, zu der der Posaunisten Marshall Gilkes warme und vom Klangbild gewohnt jazzige Farben dazumischte. Selbst als die hochschwangere Ehefrau des quirligen Harfen-Jazzers einige Volkslieder aus Kolumbien beisteuerte, blieben Rhythmik und Harmonik durchaus jazzig. Zwar verwandelten sich das Lebensgefühl und der musikalische Ausdruck durch Andrea Tierras Lieder ins folkloristisch Herzhafte. Aber so bruchlos und organisch gelingt die Verbindung zwischen Volks- und Kunstmusik selten – viele derartige Experimente der Salzburg Biennale sind weit davon entfernt. Manche Jazzpolizisten rümpften dennoch die Nase, das Publikum aber dankte frenetisch und forderte Zugabe um Zugabe, bis die ungeborene Tochter von Edmar Castaneda und seiner Frau Andrea Tierra spät nachts endgültig ihre Bettruhe brauchte.

Heute, Montag, geht der heuer dem Latinjazz gewidmete Snowjazz mit der Sängerin Milagros Pinera und dem Tubisten Jon Sass in die nächste Runde. Morgen, Dienstag, ist mit dem Akkordeonisten Luciano Biondini und dem Saxofonisten Javier Girotto ein weiterer Höhepunkt angekündigt. Darüber hinaus stehen bis zum 29. März noch sieben konzertante Gustostückerl kammermusikalischer Jazzformationen auf dem Programm dieses budgetär karg ausgestatteten, vom Publikum aber regelrecht gestürmten Jazzfestivals im Gasteinertal.

Von Christoph Lindenbauer/APA

Details zu den fast ausnahmslos ausverkauften Konzerten unter 06432/6164 und http://www.jazz-im-saegewerk.org

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 14.05.2021 um 01:06 auf https://www.salzburg24.at/archiv/jazz-auf-der-harfe-edmar-castaneda-begeistert-bei-gasteiner-snowjazz-59614876

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