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"Judith", die Uneindeutigkeit in drei Personen

Ein furioses Spektakel im Stil des deutschen Regietheaters, ein Oratorium von Antonio Vivaldi, am biblischen Text angelehntes Theater von Friedrich Hebbel sowie aktuelle Texte mit schräger Musik-Combo – alle diese Attribute scheinen zutreffend auf die zentrale Theater-Neuinszenierung des Salzburger Festspielsommers 2009.

Die Premiere von “Judith” ist erst am 27. Juli, aber heute, Freitag, Mittag, haben sich die Festspiele und Schauspielchef Thomas Oberender in die Karten schauen lassen und der Presse einen Probenausschnitt vorgeführt.

Als Autoren stehen Friedrich Hebbel, Antonio Vivaldi und Lars Wittershagen im Programm. Es trifft also Hebbels Deutung des Stoffes aus dem Jahr 1840 auf das Oratorium “Juditha triumphans” von Vivaldi von 1716. Aber Regisseur Sebastian Nübling gibt sich mit dieser barock-romantischen Mixtur nicht zufrieden und lässt diese musiktheatralische Collage zusätzlich auf eine Saxofon- und Jazz-Combo prallen, die Komponist Wittershagen in den Vivaldi eingebaut hat. Die Texte von Anne Tismer holen den Stoff über die Frau, die ihrem Feind in der Hochzeitsnacht den Kopf abschlägt, noch ein Stück weiter in die Gegenwart.

“Mich interessiert an Judith vor allem die Uneindeutigkeit”, so der Regisseur heute, Freitag, vor der ersten Durchlaufprobe. “Daher gibt es drei Judiths. Eine für die Barock-Ebene Vivaldis, eine für Hebbel und eine für die Gegenwart. So versuche ich, dieser Figur, die sich penetrant durch die gesamte Theatergeschichte zieht, zu beleuchten, ohne dabei die Frage der Schuld aufkommen zu lassen.” Eine Judith wird von Autorin Tismer selbst verkörpert. Hebbels Judith gibt die Schauspielerin Stephanie Schönfeld und Vivaldis Judith ist mit der Sängerin Tajana Raj besetzt. Auch Holofernes ist vervielfacht, ein Chor, eine Bande von Raufbolden und ein eigens ins Leben gerufenes Barockorchester ergänzen eine Szene, in der krasses Gegenwartstheater auf ein Oratorium mit Originalinstrumenten trifft.

“Drei Judiths, da kommen einem 1.000 Bilder und Assoziationen in den Sinn. Diese Fäden zusammen zu führen und daraus ein homogenes Stück entstehen zu lassen, das war die Arbeit der vergangenen Wochen hier auf der Pernerinsel”, erläuterte der 49-jährige Regisseur, der 2004 bei den Salzburger Festspielen mit Marlowes “Edward II” debütierte. Schauspielchef Oberender sprach von einem Gesamtkunstwerk, das “nicht nur in der Dimension ein Novum darstellt für Salzburg“.

(Quelle: S24)

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