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JUNOS-Vorsitzender Severin Huber: "Man muss die Lehre aufwerten"

Severin Huber (links im Bild) mit seinem Vater Sebastian Huber von den NEOS. NEOS Salzburg
Severin Huber (links im Bild) mit seinem Vater Sebastian Huber von den NEOS.

Der 23-jährige Severin Huber, der im August den Landesvorsitz der Jungen Neos (JUNOS) in Salzburg übernahm, hat vor seinem politischen Engagement eine Lehre als Bürokaufmann absolviert. Im Interview mit unserem Parktikanten Dominic Schmid erklärt er, warum er sich damals für eine Lehre entschieden hat, wie er die Lehrzeit erlebt hat und welche Maßnahmen er von der Politik im Bereich der Lehre fordert.

SALZBURG24: Warum haben Sie sich für den Lehrberuf als Speditions- und Bürokaufmann entschieden?

SEVRIN HUBER: Ich bin da wohl eher meiner Mutter nach. Mein Vater ist  Arzt (Sebastian Hauber, Vorsitzender der Neos in Salzburg, ANM.). Die Familie meiner Mutter die aus dem Waldviertel kommt, hat ein Fuhrwerkunternehmen. Somit habe ich schnell gemerkt, dass mir die Arbeit Spaß macht.

Warum haben Sie eine Lehrberuf ergriffen und sind in keine weiterführende Schule gegangen?

"Ich habe die Matura. Dann, war ich für zwei Jahre beim Bundesheer und habe danach die  auf zwei Jahre verkürzte Lehre gemacht. Mich hat die Speditions- und  Bürolehre so sehr interessiert, dass ich gar nicht mehr an ein Studium gedacht habe.

Sie möchten mit ihrem Konzept das beispielsweise die Modularisierung der Berufsschule enthält Berufslehre verbessern. Gab es in Ihrer Lehrzeit etwas mit dem Sie unzufrieden waren?

Ich denke, dass die Lehre gut aufgebaut ist. Vor allem lernt man den Betrieb gut kennen, was für Lehrlinge wichtig ist. Als Lehrling trägt man trägt man aber nur selten Verantwortung, was ich sehr schade finde".

"Heißt das, dass Bürolehrlinge oft nur als Aktenvernichter arbeiten?

"Ja genau.

Was könnte man dagegen tun?

Die Betriebe sollten sich für ihre Lehrlinge mehr Zeit nehmen. Ein Bürolehrling  kann beispielsweise eine etwas machen und ein anderer schaut danach darüber".

Fehlt dazu nicht die Zeit?

Ja. Vor allem in der Wirtschaft geht viel auf Zeit. Daher sollte es Förderungen für diese Betriebe geben.

 Woher soll die Finanzierung kommen?

Dies ist Aufgabe der Bundespolitik.

Ein Hauptpunkt Ihres Konzept ist die Berufsschule in ein modulares System umzuwandeln. Was verstehen Sie darunter?"

Ich meine damit, einen praxisnäheren Unterricht.

War der Unterricht in Ihrer Berufsschule etwa nicht praxisnah?

Die einen oder anderen praktischen Bezug hatten wir schon, aber es hätte mehr sein können.

Würden Sie sich eine Art Übungsfirma wie in einer HAK wünschen?

Ja, das wäre cool.

Nach einer AMS-Statistik entscheiden sich immer Weniger für eine Handwerkslehre. Was könnten die Gründe dafür sein?

Die Wertschätzung der Berufslehre ist leider rückgängig. Noch mehr geht die Wertschätzung der Handwerkslehre zurück.

Also glauben Sie, dass Bildungsinflation die Berufslehre gefährdet?

Ja. Heute braucht ja fast jeder die Matura.

Haben Sie dafür einen Lösungsvorschlag?"

"Schwierige Frage! Ich denke man muss einfach die Lehre aufwerten. Sie soll wieder mehr Stellenwert in der Gesellschaft haben. Wir brauchen natürlich Akademiker, aber auch Lehrlinge.

Außerdem sollte man Lehrberufe auch besser bezahlen.

Sollte man auch das frühere Einkommen bewerben?

Ja das wäre sicher sinnvoll.

 

Abschließend noch ein Blick in die Zukunft: Gehen wir davon aus, dass Sie in einigen Jahren Vater einem Kind sind, dass eine Lehre ausübt. Was wünschen Sie sich für Ihr Kind?

Mir ist eben besonders wichtig, dass die Lehre wieder mehr an Bedeutung gewinnt. Lehrlinge sollten Außerdem mehr Verantwortung bekommen. Bessere Ausbildungsangebote wären zudem auch nicht schlecht.

 

Alles in Allem sieht Huber die Dringlichkeit bei der Umstellung des Berufsschulsystems. Darüber hinaus wünscht er sich eine generelle Aufwertung der Berufs- und hier vor allem der Handwerkslehre. Die von Huber angesprochene Problematik lässt sich auch  mit den aktuellen Zahlen des AMS verdeutlichen. Im Juli 2017 gab es in Salzburg demnach um die Hälfte mehr offene Lehrstellen als Jobsuchende. Allerdings konnte die Nachfrage von Einzelhandels- und Bürokaufmänner nicht gedeckt werden.

 

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 19.07.2019 um 02:07 auf https://www.salzburg24.at/archiv/junos-vorsitzender-severin-huber-man-muss-die-lehre-aufwerten-57030331

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