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Kaprun: US-Gericht verlangt Offenlegungspflicht von Gutachten

Salzburg – Der United States District Judge in New York hat nun eine wichtige Entscheidung für Hinterbliebene, Überlebende und deren Angehörige im Falle der Kaprun-Seilbahnkatastrophe getroffen, bei der 155 Menschen im November 2000 den Tod fanden.

Sie können sämtliche Unterlagen und Informationen über den Vorgang des Brandes fordern, um ihre Rechtsansprüche gegen die Schuldigen geltend zu machen. Bis 29. Juli dieses Jahres müssen dem US-Gericht von Siemens, Exxon und Westinghouse alle bisher geheim gehaltenen Gutachten und Informationen offengelegt werden, teilte der Wiener Opferanwalt Gerhard Podovsovnik der APA am Freitag mit.

“Die Wahrheit wird somit nunmehr endlich nach fast neun Jahren ans Licht gebracht werden können”, meinte der Advokat. So müssen auch geheime Gutachten, die von den Firmen vor den Opfern verschwiegen worden sind, offen gelegt werden. “Wir werden nicht nachlassen, der Gerechtigkeit endlich zum Durchbruch zu verhelfen. Insbesondere in den derzeit anhängigen Strafverfahren (Ermittlungsverfahren) gegen die Gutachter als auch im anhängigen Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte werden diese Informationen, die nunmehr unverzüglich offen gelegt werden müssen, bestens verwendet werden können, um zu beweisen, dass Österreich niemals ein faires Verfahren abgehalten hat”, sagte Podovsovnik.

Die japanischen Opferangehörigen sind über diese Entscheidung hoch erfreut und sehen sich nunmehr bestätigt, dass sie den für sie inakzeptablen Kommissionsvorschlag der Kaprun-Vermittlungskommission geschlossen abgelehnt haben. Auch die Gruppe der Überlebenden hofft nunmehr auf eine Aufdeckung aller Umstände. Wie sie selbst meinen, sei Kaprun “ja ein glatter Mordversuch” an ihnen gewesen, der bisher noch nicht gesühnt worden sei.

Wie die medizinischen Gutachten schon seit Anbeginn bewiesen hätten, seien nur rund zehn Prozent der Opfer an einer CO-Vergiftung verstorben. “Es wurde nur versucht die Angehörigen zu beschwichtigen, dass die Opfer langsam entschlummert sind und keinen Schmerz verspürten”, kritisierte Podovsovnik. Dies entspreche aber offensichtlich nicht der Wahrheit. Der Opfer-Anwalt vertritt die Meinung, “dass vielmehr die tatsächliche Ursache für den Tod erforscht werden hätte müssen. Die Materialkombination, welche waffenfähig waren und zu hoch toxischen Gasen (Phosgen, Chlor, Zyklon und Styrol) geführt haben, hätten untersucht werden müssen”.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 16.05.2021 um 07:19 auf https://www.salzburg24.at/archiv/kaprun-us-gericht-verlangt-offenlegungspflicht-von-gutachten-59621542

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