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Katholische Kirchenoberhäupter seit 1900

"Habemus Papam" - der argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio ist neuer Papst Franziskus I. Seit dem Jahr 1900 wurde die katholische Kirche von zehn Päpsten geführt, die die Welt entscheidend mitprägten - von Leo XIII. bis Benedikt XVI.

Die Öffnung der Kirche und ihre Anpassung an die moderne Welt, soziale Gegensätze, die beiden Weltkriege, der Holocaust, der Nationalsozialismus und der Kommunismus waren die Themen ihrer Pontifikate. Alle waren Italiener - bis auf Johannes Paul II. und Benedikt XVI., und nun Franziskus I.

LEO XIII. (1878-1903): Er führte die Kirche ins 20. Jahrhundert. 1878 zum Pontifex gewählt, lag ihm die Versöhnung von Kirche und Gesellschaft am Herzen. Nach der nationalen Einigung Italiens und der Auflösung des Kirchenstaates lebte er - wie schon sein Vorgänger - als "Gefangener im Vatikan". Innerkirchlich galt er als Reformer, die erste Sozialenzyklika "Rerum Novarum" (1891) wurde zum Bezugspunkt der katholischen Soziallehre.

PIUS X. (1903-1914): Er kam durch Einmischung des österreichischen Kaisers auf den Papstthron. Als Konsequenz daraus verbot er 1904 jede Intervention staatlicher Stellen in die Papstwahl. 1908 reformierte er die Kurie. Scharfe Auseinandersetzungen führte er mit Reformkatholiken und sogenannten Modernisten vor allem in Deutschland. Kurz vor seinem Tod am 20. August 1914 warnte er eindringlich vor der drohenden Kriegsgefahr. "Ich würde gern mein Leben opfern, wenn ich dadurch den Frieden Europas erkaufen könnte."

BENEDIKT XV. (1914-1922): Er wahrte im Ersten Weltkrieg strikte Neutralität. 1917 schrieb er ohne Erfolg an die Regierungen aller Krieg führenden Länder und bat um Einstellung der Kampfhandlungen. Er setzte sich für Verwundete, Kriegsgefangene und die Zivilbevölkerung ein. Innerkirchlich war die Veröffentlichung eines neuen Rechtsbuches, des Codex Juris Canonici, von Bedeutung.

PIUS XI. (1922-1939): Er bleibt auch als "Missionspapst" in Erinnerung. Er ernannte zahlreiche Bischöfe in den Ländern der Dritten Welt. 1929 schloss er mit der faschistischen Regierung in Italien die Lateranverträge, in denen die Souveränität der Vatikanstadt festgeschrieben wurde. 1933 - kurz nach der Machtübernahme der Nazis - wurde das seit Jahren vorbereitete Konkordat mit Deutschland besiegelt. 1937 wies er in der Enzyklika "Mit brennender Sorge" auf die Bedrohung durch den Nationalsozialismus hin.

PIUS XII. (1939-1958): Der umstrittenste Papst des Jahrhunderts: Als früherer Nuntius in Deutschland war Eugenio Pacelli mit den Verhältnissen dort bestens vertraut. 1919 erlebte er in München die Räteregierung und soll seitdem panische Angst vor Kommunisten gehabt haben. Historiker werfen ihm vor, zum Holocaust und zu den Verbrechen der Nationalsozialisten geschwiegen zu haben. Der Vatikan weist darauf hin, dass Pius XII. zahlreichen Juden das Leben gerettet habe. 1949 stellte er jede Unterstützung des Kommunismus unter die Strafe der Exkommunikation. 1950 formulierte er das Dogma von der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel.

JOHANNES XXIII. (1958-1963): Als "Übergangspapst" angetreten, setzte er mit der überraschenden Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils einen tiefgehenden Reformprozess der Kirche in Gang. Am 11. Oktober 1962 versammelten sich über 2500 Konzilsväter in Rom. Die zweite Sitzungsperiode hat Johannes XXIII. nicht mehr erlebt. Wegen seiner Herzlichkeit wurde er in Italien der "gute Papst" genannt. Verdienste erwarb er sich auch mit der Sozialenzyklika "Mater et Magistra" (1961) und dem Rundschreiben "Pacem in terris" (1963), das eine erste Entspannung zwischen der Kirche und dem Kommunistischen Block signalisierte.

PAUL VI. (1963-1978): Er setzte innerkirchlich den Reformprozess des Konzils fort und förderte eine Internationalisierung der Kurie. Als erster Papst bereiste er auch ferne Länder: Afrika, Südamerika, Asien, das Heilige Land. 1965 sprach er vor der UNO in New York. Er schloss Kardinäle, die über 80 Jahre alt sind, von der Papstwahl aus. In vielen Ländern ist Paul VI. vor allem mit seiner Enzyklika "Humanae Vitae" in Erinnerung, die den Schutz des ungeborenen Lebens und das Verbot der Anti-Baby-Pille festschrieb.

JOHANNES PAUL I. (1978): Der Sohn eines Arbeiters und Sozialisten setzte sich schon mit seinem Doppelnamen das Programm, die Arbeit seiner beiden Vorgänger kontinuierlich fortzusetzen. Nach einem Pontifikat von 33 Tagen starb er am 28. September 1978. Gerüchte über einen unnatürlichen Tod wurden nie bewiesen, sind aber bis heute nicht verstummt.

JOHANNES PAUL II. (1978-2005): Karol Wojtyla war der erste Papst aus Polen und der erste Nicht-Italiener auf dem Stuhl Petri seit 450 Jahren. Mit 104 Auslandsreisen setzte er Maßstäbe als Oberhaupt der katholischen Weltkirche. Im TV-Zeitalter galt er als genialer "Medienpapst". Mit mehr als 26 Jahren war sein Pontifikat eines der längsten in der Geschichte der katholischen Kirche. Etwa drei Millionen Menschen nahmen an seiner Beisetzung in Rom teil.

BENEDIKT XVI. (2005-2013): Nach Papst Johannes Paul II. war mit Joseph Ratzinger erneut ein Nicht-Italiener Oberhaupt der katholischen Kirche. Aber nicht nur dies hatte der 1927 in Bayern geborene Ratzinger mit seinem Vorgänger gemein. Auch ideologisch standen sich die beiden sehr nahe, sie galten als Vertreter einer konservativen Linie. Am 11. Februar gab der 265. Papst völlig überraschend seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen bekannt.

(Quelle: S24)

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