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Kony 2012: Mit der Hilfe von Social Media auf Kriegsverbrecher-Jagd

Die Non-Profit-Organisation Invisible Children starteten ihr Projekt Kony 2012. Der Doku-Film dazu wurde vor Kurzem veröffentlicht und schon millionenfach geklickt, geshared und "geliked". Doch was steckt hinter dem Projekt?

Ziel des Projektes ist den berüchtigten Gotteskrieger Joseph Kony und seine "Widerstandsarmee des Herren" ("Lord's Resistance Army"/LRA) zu stürzen und bis zum Ende des Jahres 2012 hinter Gitter zu bringen. Der 30-minütige Kurzfilm zeigt die Geschichte von Jacob, dessen Brüder in Uganda umgebracht wurden. Dafür verantwortlich gemacht wird Joseph Kony und seine Schergen.

Kony soll jeder kennen

Die Filmemacher verfolgen eine Taktik: Sie wollen die Taten von Joseph Kony und ihn selbst auf der ganzen Welt bekannt machen und so entsprechende Maßnahmen gegen ihn "erzwingen". In Uganda weiß jeder wer Kony ist, der Rest der Welt kannte ihn vor dieser Initiative wohl nicht. Das soll sich jetzt ändern. Um die Idee in die Tat umzusetzen, hat die Organisation "Invisible Children" zu einer Unterschriftenpetition und zu Spenden aufgerufen. "Nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist" - mit diesem Satz des französischen Schriftstellers Victor Hugo beginnt der Clip. Das Doku-Video verbreitet sich rasant schnell durch Likes und Shares in den Sozialen Netzen. Alleine in den ersten 48 Stunden, seit das Video online gestellt wurde, bekam es eine Million Likes auf Facebook. Mittlerweile wurde das Video auf YouTube 46 Millionen mal aufgerufen. Auf Vimeo sind es auch schon zwölf Millionen Views.

Stars verbreiten Projekt

Verbreitet wird das Projekt auch durch Prominente, wie Politiker, Sänger und Schauspieler. Stars wie Rihanna und Zooey Deschanel twitterten das Video und rückten es in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit. "Ich bin glücklich und vor allem erleichtert, dass Invisible Children weltweit Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt hat, denn Mörder und Folterer bleiben normalerweise lieber anonym", kommentierte Musa Okwonga in einem Artikel der britischen Zeitung "The Independent". Er ist selbst im besonders schlimm betroffenen Norden Ugandas aufgewachsen. Jedoch habe die Aktion gleichzeitig "das unangenehme Echo des weißen Kolonialismus" in Afrika, fügte er hinzu. Fest steht eines: Niemand weiß so genau, wo Kony derzeit ist. Es wird vermutet, dass er sich - bestens geschützt von mehreren hundert Kämpfern - irgendwo im Busch der Zentralafrikanischen Republik versteckt. Ein Vierteljahrhundert hat die LRA unter der Führung von Kony den Norden Ugandas, den heutigen unabhängigen Staat Südsudan und den Nordosten der Demokratischen Republik Kongo terrorisiert. Erst 2006 wurde die Gruppe aus Uganda weitgehend vertrieben.

Wer ist Joseph Kony?

Joseph Kony ist der Gründer der Lord's Resistance Army, einer Rebellengruppe in Uganda, die bis zu 60.000 Kinder verschleppt und zur Ausübung grausamer Taten missbraucht hat. Joseph Kony und vier seiner Schergen werden seit 2005 vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen gesucht. Jetzt bekommt der Strafgerichtshof  Unterstützung. Fest steht eines: Niemand weiß so genau, wo Kony derzeit ist. Es wird vermutet, dass er sich - bestens geschützt von mehreren hundert Kämpfern - irgendwo im Busch der Zentralafrikanischen Republik versteckt. Ein Vierteljahrhundert hat die LRA unter der Führung von Kony den Norden Ugandas, den heutigen unabhängigen Staat Südsudan und den Nordosten der Demokratischen Republik Kongo terrorisiert. Erst 2006 wurde die Gruppe aus Uganda weitgehend vertrieben. Seit 1987 kämpft die LRA für einen christlichen Gottesstaat. Tausende Kinder wurden zwangsrekrutiert und mussten als Soldaten für die bizarre, mit afrikanischem Mystizismus verbrämte Ideologie Konys kämpfen. Mädchen wurden als Sexsklavinnen missbraucht. Insgesamt flüchteten in den vergangenen 25 Jahren mehr als zwei Millionen Menschen in Ost- und Zentralafrika vor den Schlächtern, die ohne Erbarmen mordeten, vergewaltigten, verstümmelten oder entführten.

Menschen hinter Kony 2012

Die Initiatoren von Kony 2012 sind zwei amerikanische Filmemacher Jason Russel und Laren Poole, die 2003 erstes Doku-Material in Afrika gesammelt hat. So haben sie den Völkermordin Dafur filmisch aufgearbeitet. Doch die zwei müssen sich auch mit kritischen Stimmen auseinandersetzen. Russells Gegner sagen, dass der Film unter anderem inhaltliche Fehler habe und nicht gut genug recherchiert sei. Vor allem sei das Video mit persönlichen Bemerkungen gespickt und voller Klischees, auch sei nicht klar, was "Invisible Children" mit dem gespendeten Geld genau vorhat. Andere betonen, dass eine afrikanische Lösung für die LRA gefunden werden müsse. Bereits im vergangenen Oktober hatte US-Präsident Barack Obama 100 Militärberater nach Uganda entsandt, die dem dortigen Militär helfen sollen, Soldaten für den Kampf gegen die Rebellen auszubilden. Uganda versucht seit Jahren hartnäckig, eine Rückkehr der LRA und weitere Gemetzel zu verhindern. Weiters seien auch Fotos von Russel und Poole im Internet aufgetaucht, auf denen sie mit Waffen und Soldaten der ugandischen Armee zu sehen sind. Vor allem heißt es aber, dass die Internet-Offensive dem Präsidenten Yoweri Museveni in die Hände spiele. Der ist schon seit 1986 an der Macht, hat keine Absichten, in Bälde abzutreten - und konnte in seiner Amtszeit lange nichts gegen Kony und dessen Schergen ausrichten. Der Staatschef geht hart gegen jede oppositionelle Bewegung vor und lässt Homosexuelle verfolgen. Sein Name wird in dem Videoclip nicht einmal erwähnt. Trotzdem wird die Kampagne um die Kinderverschleppung in Afrika durchaus positiv aufgenommen. Die Macher bedankten sich am Donnerstag per Video für die große Unterstützung und das Interesse am Projekt Kony 2012. Auch nahmen sie in ihrem Blog Stellung zu kritischen Fragen und Vorwürfen.

Der Dokumentarfilm zu Kony 2012            Play this video

  APA/VOL.AT, Simone Angerer

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(Quelle: S24)

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