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Kraftvoll und innig: Camerata und Marc Minkowski

Als Marc Minkowski mit einem Partner wie der Camerata Salzburg spielt edurfte das Publikum der Festspiel-Konzertreihe “Schubert-Szenen” am Freitag im Großen Saal des Mozarteums feinste Wiener Klassik erwarten, und die Musiker haben nicht enttäuscht.

Allerdings, Schuberts musikalische Logik ist ein wenig anders. Besonders in den Ouvertüren zur Schauspielmusik “Rosamunde, Fürstin von Cypern” D 797, einem möglicherweise doch nicht ganz zu Unrecht sehr selten aufgeführten Werk. Da sind die inneren Zusammenhänge offensichtlich nicht ganz so selbstverständlich im Blut der Musiker. Diese kunstvoll-komplexe und zugleich volksmusikantisch simpel gebaute Musik muss analysiert, neu gelernt und mit musikalischem Instinkt gefüllt werden. Das taten Minkowski, die Camerata und die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor durchaus. Aber ganz so rund und atemberaubend intensiv wie bei Mozart, den Minkowski so federleicht-pulsierend zu vermitteln weiß, lief es gestern Abend nicht.Von diesen feinstofflichen und doch auch immer subjektiven Wahrnehmungen abgesehen, war es klarer und überwiegend voluminös-kraftvoller Klang, der den gestrigen Schubert-Abend prägte. Aber die Musiker konnten auch anders. Gerade als der Saal noch bis zum Bersten mit Klangwucht gefüllt war, bremste sich das Orchester zu einer Zartheit ein, in der selbst das Schleifgeräusch des Kugelschreibers auf dem Programmheft viel zu störend gewesen wäre, um diese Gedanken zu notieren. So bewegte sich niemand auf den tendenziell knarzenden Sesseln, und selbst die Atemwegs-Erkrankten schienen die Luft anzuhalten, um bloß keinen Ton zu versäumen.Am Anfang gaben Minkowski und die Camerata einen hübschen “Programmfüller” von Georges Bizet, nämlich die “L’Arlesienne Suite” Nr.1. Dann Schuberts “Rosamunde”, in der sich die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor nicht ultimativ engagierte, die Aufgabe mag technisch zu gering gewesen sein. Cora Burggraaf, “Romeo et Juliette”-bewährte Sopranistin aus Holland, sang ein Lied mit schlanker Stimme. Ein bisschen weniger Kunst und ein wenig mehr Mut zur Schlichtheit hätten dieses entzückende Kleinod noch inniger klingen lassen. So oder so, am Ende gab es langen und warmen Applaus für die Musiker. Und für eine Begegnung mit einem Schubert-Stück, die für die meisten im Saal wohl die einzige bleiben wird.

Aufgerufen am 13.12.2018 um 05:41 auf https://www.salzburg24.at/archiv/kraftvoll-und-innig-camerata-und-marc-minkowski-59598406

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