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Kranzniederlegung und Appell von Peres in Wien

Bei einer Kranzniederlegung am Sonntagnachmittag am Mahnmal des Judenplatzes in Wien haben Bundespräsident Fischer und der israelische Präsident Peres gemeinsam den Opfern des Holocaustes gedacht. "Wir müssen die Shoa als Warnung betrachten und nie wieder Rassismus und Antisemitismus aufkommen lassen", so Peres. Fischer kritisierte den Umgang Österreichs mit dem Nationalsozialismus.

"Der Judenplatz spiegelt einen besonders tragischen Teil der österreichischen Geschichte wider, aber auch den Umgang allzu vieler mit dieser Geschichte - nämlich das jahrelange Verdrängen und Vergessen, ebenso wie das späte Erinnern", sagte Fischer in seiner Rede. Auch nach dem Krieg sei der Umgang Österreichs mit dem Nationalsozialismus "von unsicherem Schweigen, von schlechtem Gewissen und vom Versuch des Verdrängens" geprägt gewesen. Erst innerhalb der vergangenen 25 Jahre habe sich dieses Bewusstsein geändert.

Peres sprach von einem "schmerzvollen Kapitel in der Geschichte": "Menschen wurden in Konzentrationslager geschickt und getötet - aus dem einzigen Grund, dass sie Juden waren". Für die jüdische Gemeinde bleibe die Hoffnung, dass man derartigen Hass in Zukunft nicht mehr aufflammen lasse. Anstelle dessen müsse man an der Freundschaft und Bruderschaft zwischen den Länder arbeiten. Am Ende seiner Rede sprach Peres wie zuvor Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg das Kaddisch-Gebet, das häufig bei Gedenkfeiern gewählt wird.

Das Mahnmal am Judenplatz wurde von der britischen Künstlerin Rachel Whiteread entworfen und im Oktober 2005 enthüllt. Die Gedenkstätte wurde auf dem ehemaligen Platz der ältesten Synagoge Österreichs ("Or-Sarua-Synagoge"), die während eines Pogromes im 14. Jahrhundert zerstört wurde, gebaut. Die steinernen Bücher am Mahnmal sollen die bis heute oftmals namenlos gebliebenen Opfer symbolisieren.

Peres war am Sonntag in der Früh auf dem Flughafen Wien-Schwechat gelandet und von Außenminister Kurz in Empfang genommen worden. Der bald 91-jährige absolviert einen dreitägigen Staatsbesuch in Wien. Am Montag stehen für Israels Präsidenten die offiziellen Gespräche mit dem Bundespräsidenten und auch mit Bundeskanzler Faymann auf dem Programm.

In weiterer Folge wird Peres auch den Generaldirektor des Wiener UNO-Büros, Jury Fedotov, und IAEO-Generalsekretär Yukiya Amano treffen. Zum Abschluss gibt es ein Gespräch mit Nationalratspräsidentin Prammer, die Rückreise ist für Dienstag vorgesehen.

(Quelle: S24)

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