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Kreuze in Schulen: Evangelische gegen Privatisierung von Religion

Zum erstinstanzlichen Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR), das für Italien das Aufhängen von Schulkreuzen untersagt, haben die Evangelischen Kirchen bei einer gemeinsamen Generalsynode in der Stadt Salzburg Stellung genommen. Kritisiert wurde, dass allgemein die Rechtsprechung zur Privatisierung von Glauben und Religion tendiere.

Landessuperintendent Thomas Hennefeld hält ein Verdrängen der Religion aus dem öffentlichen Raum für “bedenklich”, auch wenn das Kreuz nicht das Symbol der Reformierten sei, wie er am Freitag auf einer Pressekonferenz erklärte.

Solange das Aufhängen von Kreuzen in Österreichs Klassenzimmer gesetzlich geregelt sei, “sollen sie auch dort hängen bleiben”, meinte Bischof Michael Bünker. “Toleranz erleben die Menschen nur in gelebter Religion. Wenn Straßburg die Religionen aus dem öffentlichen Bereich verdrängt, gibt es einen Einspruch von uns.”

Das Kreuz habe eine theologische Bedeutung, “es ist das Zeichen des Friedens, der Versöhnung und Liebe Gottes” und dürfe deshalb nicht zum “Kulturlogo” werden. Fall sich aber bei Prüfung des EGMR-Urteils herausstelle, dass Menschenrechte verletzt würden, “werden wir das akzeptieren”, sagte der Bischof und verwies im APA-Gespräch auf die Worte Sokrates: “Besser eine Einschränkung erleiden als jemanden eine Einschränkung zutragen.” Die Religion müsse aber im öffentlichen Leben weiter in Diskussion bleiben, eine “Hinterhof-Religion” könnte fundamentalistische Tendenzen fördern.

Christliche Werte wie der Schutz von Schwachen, Ausgegrenzten, Flüchtlingen und Migranten müssten in der Öffentlichkeit Platz haben. Christen sollten in die pluralistische Gesellschaft hineinwirken, “als Salz der Erde und Licht der Welt”, ergänzte Hennefeld.

Synodenpräsident Peter Krömer geht davon aus, dass der Staat für Toleranz und Frieden zu sorgen hat, gerade dann, wenn mehrere Religionen vertreten sind. Das müsse der Europäische Gerichtshof berücksichtigen. Schnellschüsse lehnte Krömer ab. Man sollte zunächst das Urteil der großen Kammer abwarten. Falls die Entscheidung bestätigt werde, müsse man sich die ausführliche Begründung ansehen.

Schwerpunkt der diesjährigen Generalssynode, an der 60 Delegierte aus ganz Österreich teilnehmen, ist das Thema “Evangelisch evangelisieren”. “Wir wollen bewusst machen, dass sich die Kirche nicht zurückzieht, sondern die ethischen Werte des Evangeliums in der Öffentlichkeit mehr zur Sprache bringen”, erläuterte Krömer.

Scharf kritisiert haben die Vertreter der evangelischen Kirchen die Verschärfung des Asyl- und Fremdenrechtes. Die Rechtsberatung für Flüchtlinge sei der Diakonie und Caritas vor kurzem entzogen worden. Gefordert wurde eine gesetzliche Regelung für die seelsorgerliche Betreuung der Schubhäftlinge. “Die Bedingungen werden von Woche zu Woche schwieriger. Mittlerweile ist es fast unmöglich, die Schubhaft-Seelsorge in Salzburg durchzuführen”, erklärte Superintendentin Luise Müller.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 07.05.2021 um 09:09 auf https://www.salzburg24.at/archiv/kreuze-in-schulen-evangelische-gegen-privatisierung-von-religion-59628274

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