Jetzt Live
Startseite Archiv
Archiv

Kulturvereinigung: Neo-Chefin Elisabeth Fuchs hat viel vor

57 Jahre lang hat Heinz Klier die Salzburger Kulturvereinigung (SKV) geleitet, seit Jänner 2009 ist Orchestergründerin und Dirigentin Elisabeth Fuchs für die Geschicke dieses traditionsreichen Konzertveranstalters verantwortlich.

Und Fuchs hütet sich, die Verdienste und Errungenschaften ihres Vorgängers in Bausch und Bogen zu entsorgen. Stattdessen ergänzt sie, fügt hinzu und verpasst der zweifellos angestaubten Konzert-Performance der Salzburger Kulturvereinigung eine behutsame Frischzellenkur.

Zwar war auch Dienstagvormittag von einem kulturellen Überangebot in Salzburg die Rede. An Reduzieren des jährlich rund 100 Veranstaltungen umfassenden Kulturangebotes denkt Fuchs aber nicht im mindesten: “Es mag schon stimmen, dass sich nur fünf Prozent der Menschen für Kultur und 95 Prozent für Fußball interessieren. Aber ich bin sicher, viele Leute wissen noch gar nicht, wie gut ihnen klassische Musik gefällt. Besonders bei den Jungen ist einiges versäumt worden. Das werden wir nachholen und den altersbedingten Publikumsschwund der Kulturvereinigung wieder ausgleichen.” Tatsächlich sind 50 Prozent des SKV-Publikums über 60 und weitere 40 Prozent über 45 Jahre alt.

Die je acht Konzerte umfassenden Zyklen “Die Große Symphonie”, “Musik der Meister” und “Welt der Musik” (fast immer Mittwoch, Donnerstag bzw. Freitag im Großen Festspielhaus) bleiben erhalten. Dazu aber kommt ein vierteiliger Sonntagvormittags-Zyklus inklusive Kinderbetreuung sowie ein moderierter Dienstag-Zyklus für junge Leute, bei dem die Hits aus Barock, Klassik, Romantik und Moderne auch einmal satz- und passagenweise präsentiert werden sollen, um das Nachwuchspublikum schonend an das Zuhören heranzuführen. Neu ist zudem ein Abo mit dem Schauspielhaus Salzburg, bei dem die vier Konzerte und vier Theateraufführungen – so wie bei allen anderen Abos auch – um bis zu 40 Prozent günstiger besucht werden können.

Die Kulturtage im Oktober bleiben, die erfolgreichen Vorträge über Reisen, Psychologie und viele andere Themen will Fuchs aufwerten. Die Musiklehrer und Betriebsräte des Landes sollen von ihr persönlich betreut werden, um genauer auf die Bedürfnisse der “Noch-nicht-Konzertbesucher” eingehen zu können.

“Ich höre immer von Krise. Aber nach dem Krieg, als Heinz Klier die Kulturvereinigung aufgebaut hat, war das Geld auch knapp. Es gab immer Menschen, die ins Konzert wollen, und es wird sie immer geben. Man muss das Angebot aber an die Gegenwart anpassen.” Die ersten Schritte ins 21. Jahrhundert: Fuchs und ihre Geschäftsführerin Josefa Hüttenbrenner haben eine bis dato gänzlich fehlende Homepage installiert und das Design des vorsintflutlichen Folders erneuert.

Leicht wird es für die Powerfrauen an der Spitze der Kulturvereinigung dennoch nicht, den seit rund sieben, acht Jahren permanenten und schmerzhaften Abonnementen-Schwund von rund 8.000 auf gerade noch 5.000 aufzuhalten. Die Budgets waren und sind knapp, die SKV muss sich 94 Prozent ihres 2,5 Mio.-Jahresbudgets durch die Eintrittskarten selbst verdienen.

“Die Kultur-Politik unterstützt in Salzburg vor allem die touristische Kultur und fragt, wie viele Nächtigungen und Flüge das bringt. Wir brauchen auch Unterstützung eine Kulturvermittlung, von der fast ausschließlich Salzburger profitieren”, argumentierte Fuchs und verwies auf die europaweit schlechtesten Gagen. “Es ist fast schon peinlich, wie wenig wir zahlen können.”

Besonders belastend seien die “extrem hohen” Mieten der Festspielhäuser, so Fuchs und Hüttenbrenner. Das Große Festspielhaus ist neben der Alten Oper in Frankfurt mit bis zu neun Euro pro Sitzplatz das teuerste Haus Europas. Großer Saal im Mozarteum, Aula oder das Linzer Brucknerhaus kosten rund die Hälfte.

“Selbst wenn wir im Großen Haus alle 2.000 Karten für insgesamt 50.000 Euro verkaufen können, rund die Hälfte geht in die Miete. Aber wir müssen Gagen für große Orchester und Chöre, Werbung und Infrastruktur bezahlen.”

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 11.05.2021 um 01:30 auf https://www.salzburg24.at/archiv/kulturvereinigung-neo-chefin-elisabeth-fuchs-hat-viel-vor-59615014

Kommentare

Mehr zum Thema