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Lewski Sofia mit dem Mut der Verzweiflung nach Salzburg

Salzburgs Europa-League-Gegner Lewski Sofia liegt am Boden. Der bulgarische Meister, am Donnerstag (19.00 Uhr) zu Gast in Wals-Siezenheim, steckt in der schwersten Krise seiner bereits 95-jährigen Vereinsgeschichte. In der Liga ist der Titelverteidiger auf Rang neun abgerutscht, inklusive der EL-Partien gegen Lazio Rom und Villarreal holte man aus den vergangenen sieben Pflichtspielen nur einen mageren Punkt.

Nun soll Neo-Coach Georgi Iwanow, der am Montag den zurückgetretenen Serben Ratko Dostanic als Trainer ablöste, die Scherben zumindest wieder kitten. Dass am Montagabend ein ob der Zustände im Verein erzürnter Lewski-Fan einen Fahrgast aus dem Fenster eines öffentlichen Busses der bulgarischen Hauptstadt warf, könnte als tragisch-kuriose Randnotiz gesehen werden. Tatsächlich gärt es im und um den Club schon seit langem.

Im Zentrum der Kritik findet sich Clubchef Todor Batkow, der in den vergangenen Wochen nicht nur auf “Batkow raus!”-Spruchbändern im Stadion, sondern im ganzen Land zum Rückzug aufgefordert worden war. Dem Rechtsanwalt und Geschäftsmann wird vorgeworfen, mehr am Geld als am Fußball interessiert zu sein. Als symptomatisch wurde nicht zuletzt jene Transfer-Komödie gesehen, bei der im September der Wechsel eines Lewski-Quartetts zu Rubin Kasan geplatzt war.

Batkow unterstrich zuletzt zwar seine Absicht, seine Anteile an den “Blauen” verkaufen zu wollen. Vorerst bleibt abgesehen vom Trainerwechsel aber alles beim Alten. Iwanow, der bisher als Sportdirektor fungiert hatte, nach einer Verletzung ein Comeback als Spieler aber nicht ausschließt, gab sich realistisch. “Wir sprechen nicht mehr von Titeln”, stellte der 33-Jährige mit dem stets fein säuberlich justierten Mittelscheitel und dem Spitznamen “Gonso” klar – und versuchte sich doch in Optimismus: “Ich glaube an die Spieler, es sind die besten in Bulgarien.”

Freilich weiß der 33-fache Teamspieler und zweifache bulgarische “Fußballer des Jahres”, dass der erste Sieg seit 28. August gerade in Salzburg nur schwer zu erringen sein wird. Der 26-fache bulgarische Meister ist beim Tabellenführer der Gruppe G der klare Außenseiter. Iwanow hatte seinem Team vor dem Abflug nach Salzburg mit geschlossenen Trainings erst einmal Ruhe verordnet – ein Zustand, den der Verein nach zahlreichen Personalwechseln in den vergangenen Monaten schon nicht mehr zu kennen schien.

“Wir fahren nach Salzburg, um nach Möglichkeit die ersten Punkte zu holen. Ich habe keine Angst vor Red Bull”, sagte Iwanow, der keine Lizenz als Profitrainer besitzt und deshalb aus Formalgründen Antoni Sdrawkow zur Seite gestellt bekam. “Wir spielen gut, aber wir machen elementare Fehler, individuelle Fehler”, analysierte Iwanow. “Was ich mit den Spielern besprochen habe, bleibt aber in der Kabine.” Lewski-Star Cedric Bardon wäre bereits mit einem Unentschieden in der Mozartstadt zufrieden. “Das würde uns Kraft geben, um weiter vorwärts zu kommen”, erklärte der Franzose.

(Quelle: S24)

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