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Lungauerin wegen illegalen Kettenspiels vor Gericht: Freispruch

Salzburg – Eine Verkäuferin aus dem Lungau hat sich heute, Freitag, wegen illegaler “Ketten- oder Pyramidenspiele” vor einer Salzburger Einzelrichterin verantworten müssen.

Die 38-jährige Mutter zweier Kinder soll laut Strafantrag vor zwei Jahren sieben Personen zur Teilnahme am sogenannten “Münchener Schenkkreis” überredet und ihnen insgesamt 55.000 Euro herausgelockt haben. Die Mutter zweier Kinder beteuerte ihre Schuldlosigkeit und bezeichnete sich selbst als Opfer. Sie wurde rechtskräftig freigesprochen.

Es dauerte eine Weile, bis die Beschuldigte das in Österreich verbotene Gewinnerwartungssystem Richterin Karoline Edtstadler und Staatsanwalt Alexander Winkler halbwegs verständlich erklären konnte. Zwei Leute müsse man dazu bringen, je 10.000 Euro einzubezahlen, dann winke zum Schluss eine “Schenkung” von 80.000 Euro. Das funktioniere allerdings nur dann, wenn sich am eigenen Kreis 16 Leute beteiligten und insgesamt 160.000 Euro eingezahlt würden.

Geld habe sie aber nie bekommen, betonte die 38-Jährige, die Schulden in der Höhe von 7.000 Euro plagen. “Ich war naiv und dumm.” Eine Freundin habe ihr von dem Schenkkreis erzählt, sie sei dann öfters zu Vorträgen nach München gefahren. Als zwei Lungauer Gewerbetreibende 80.000 Euro überreicht bekamen, habe sie selbst 10.000 Euro einbezahlt. “Die Veranstalter betonten, dass die Teilnahme rechtlich erlaubt sei. Die gutgläubige Frau hat das Schneeballsystem nicht durchschaut, keinen Gewinn lukriert und auch niemanden dazu verleitet”, erklärte Verteidiger Franz Essl.

Sie selbst habe keine Personen vermittelt, betonte die Verkäuferin verzweifelt, “sie haben mich angerufen”. Für fünf Leute hätte sie das Geld nach München mitgenommen und einbezahlt. Diese mussten vorher eine Schenkungsurkunde unterschreiben. “Haben sie nie Bedenken gehabt, wenn sie das Geld dann in München wildfremden Personen übergeben, ohne eine Bestätigung dafür zu erhalten?”, fragte die Richterin. “Nein. Ich war geblendet.”

Zwei Pongauer erklärten im Zeugenstand, dass sie durch Bekannte von den Aktivitäten der Beschuldigten wussten, sie kontaktiert und ihr 10.000 Euro mitgegeben hätten. Einen Zahlungsbeleg erhielten sie nicht. “Sie hat gesagt, dass sie schon einmal 80.000 Euro bekommen hat, schon nach sechs Monaten, und dass es schön geht”, so ein 26-jähriger Elektriker. Die Richterin konnte bei der Frau keinen Betrugsvorsatz und kein gewerbsmäßigen Vorgehen erkennen. Es sei im Lungau krampfhaft versucht worden, ein Bauernopfer zu finden, begründete Edtstadler den Freispruch.

(Quelle: S24)

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