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Lungenfacharzt steht wegen Mordes vor Gericht

Salzburg Stadt – Ein außergewöhnlicher Prozess wird ab Dienstag am LG Salzburg verhandelt: Ein pensionierter Lungenfacharzt ist wegen Mordes angeklagt, er soll im Juni 2006 einer depressiven, lebensmüden 70-jährigen Frau auf deren Wunsch drei tödliche Injektionen verabreicht haben.

Der Angeklagte rechtfertigte seine Tat bisher mit “Sterbehilfe aus Mitleid”. Die Staatsanwaltschaft ist der Ansicht, dass die Frau wegen ihrer psychischen Krankheit nicht in der Lage war, einen ernsthaften und freien Sterbewillen zu bilden. Der Prozess wird am 16. Oktober und 16. Dezember fortgesetzt.

Zugetragen hat sich der Vorfall am 13. Juni in einem Haus in Obertrum im Flachgau. Laut Anklage hat der Salzburger Arzt Helmut Wihan (67) seiner langjährigen guten Bekannten drei Injektionen Tramadol und Methadon in den linken Unterschenkel, das Sprunggelenk und den Fuß gesetzt. Nach einem psychiatrischen Gutachten hätte dem Mediziner aber klar sein müssen, dass die an Depressionen, Hypomanie, Epilepsie und Demenz leidende Frau, die auch dem Alkohol zugetan war, keinen freien Tötungswillen mehr bilden habe können.

Die Staatsanwaltschaft sieht deshalb nicht den Tatbestand “Tötung auf Verlangen” verwirklicht, der mit einem Strafrahmen von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bedroht ist, sondern “Mord” (zehn bis 20 Jahre oder lebenslänglich). Wihan sei bewusst gewesen, dass er durch die Injektionen ihren Tod herbeiführt habe. Da er die Tötung zugegeben habe, scheide ein Fahrlässigkeitsdelikt und das Delikt passive “Mitwirkung am Selbstmord” aus.

Der bisher unbescholtene Arzt hatte im Ermittlungsverfahren erklärt, die Pensionistin habe ihn gebeten, beim Sterben dabei zu sein und ihr zu helfen. Auf ihren Wunsch hin habe er “aktive Sterbehilfe” geleistet. Zuvor habe er vergeblich versucht, ihr bei der Bewältigung ihrer Krankheit zu helfen. Sie hätte sich selbst zwei Spritzen Morphium injiziert, er hätte ihr dann die dritte Spritze gesetzt. Verlangt habe er dafür nichts, so der Beschuldigte, die Frau habe ihm aber ein Kuvert mit 27.000 Euro übergeben. Bevor die Injektionen verabreicht wurden, sollen die beiden noch zusammen Sekt getrunken haben.

Am nächsten Morgen betrat die Haushälterin das unverschlossene Haus und entdeckte die Tote. Der Arzt war von den Behörden via Handy-Datenauswertung ausgeforscht worden. Die 27.000 Euro hatte er den Beamten übergeben.

Die schwer kranke Flachgauerin hatte sich in den Monaten zuvor bei ihrem Neffen nach Sterbehilfe erkundigt, erläuterte die Staatsanwaltschaft. Als sie eine Apothekerin fragte, ob man mit Tramadol Selbstmord begehen könne, hat diese den Hausarzt alarmiert. Danach wandte sich die Pensionistin an ihren Freund Wihan. Nach einem Telefonat mit dem Arzt am 12. Juni schickte sie ihre Haushälterin zur Bank, um Geld zu beheben. In dem Prozess (Vorsitz: Richter Wilhelm Longitsch) werden auch drei Gerichtsmediziner und zwei psychiatrische Gutachter gehört.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 27.06.2019 um 12:58 auf https://www.salzburg24.at/archiv/lungenfacharzt-steht-wegen-mordes-vor-gericht-59603773

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