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Männer nur in weiblicher Begleitung erlaubt: Taxi-Service in Indien

"Sakha Consulting Wings" bietet als einziges Unternehmen in Neu-Delhi einen Taxi-Service von Frauen für Frauen an.

Chandni lenkt ihr weißes Taxi durch den brodelnden Verkehr Neu-Delhis in Indien. Sie schlängelt sich an verbeulten Bussen vorbei, weicht Fußgängern aus, hupt chaotische kurvende Rikscha-Fahrer an und bremst als eine der wenigen an den roten Ampeln. Schließlich parkt sie zentimetergenau ein - und zieht sofort Blicke auf sich. "Sie schauen mich an wie ein Wunder", lacht sie, und ihr Pferdeschwanz wippt.

Service von Frauen für Frauen

Eine Frau hinterm Steuer ist in Indien - auch in der Hauptstadt - noch immer keine Selbstverständlichkeit. Eine Taxi-Fahrerin ist eine Sensation. "Aber ich hatte nie Sorgen, dass ich das nicht kann", sagt die 22-Jährige selbstsicher. Sie ist eine der Taxifahrerinnen von Sakha Consulting Wings, die als einziges Unternehmen in Neu-Delhi einen Service von Frauen für Frauen anbieten. "Männer dürfen bei uns nur in weiblicher Begleitung zusteigen", sagt Geschäftsführerin Nayantara Janardhen.

Aufstiegschancen

Gegründet wurde das Unternehmen vor fünf Jahren zusammen mit der gemeinnützigen Schwesterorganisation Azad Foundation. "Wir wollen Frauen am Rande der Gesellschaft die Möglichkeit für ein Einkommen und die Chance zum Aufstieg bieten. Und zwar nicht in stereotypischen Jobs wie Nähen oder Sticken", sagt Janardhen. Die Erfolge seien erstaunlich: Weil diese Frauen nun oft das Haupteinkommen nach Hause brächten, dürften sie auch die Entscheidungen in der Familie treffen.

Kostenloses Training

Das kostenlose Training dauert im Durchschnitt sieben Monate. "Normalerweise muss man in Indien keine Praxisstunden nehmen. Aber diese Frauen saßen als Kinder ja nie im Auto und kennen gar keine Regeln" erklärt Janardhen. Außerdem lernten die Frauen neben den Verkehrstraining auch Erste Hilfe und Englisch sowie Selbstverteidigung, ihre gesetzlichen Rechte und Sexualaufklärung.

Souverän im Alltag

"Sie sollen vielseitige Profis und vielseitige Persönlichkeiten werden", sagt sie. Außerdem geht die Mitarbeiterin Devi Banerjee mit ihnen zu den Behörden, die wegen ihrer Bürokratie gefürchtet sind. "Wenn sie da allein hingehen, werden sie herumgeschubst und niemand nimmt sie ernst", sagt Banerjee. Die Organisation hilf ihnen auch beim Abschluss einer Versicherung, eröffnet Bankkonten mit ihnen - und zeigt den Frauen, wie sie mit den Karten Geld abheben können.

Steigende Nachfrage

Neben den zehn Taxifahrerinnen gibt es 50 weitere, die als private Chauffeurinnen für Sakha unterwegs sind. Ganz neu im diesem Team ist Gita (20), die zwar immer vom Autofahren geträumt hat, aber nie dachte, dass sie es auf einen Fahrersitz schafft. "Wenn mich jetzt andere Frauen sehen, sollen sie motiviert werden", sagt sie.

Über mangelnde Aufträge kann sich das Unternehmen nicht beschweren. Seit der tödlichen Vergewaltigung in einem Bus im Dezember steht ihr Handy nicht mehr still, meint Janardhen. "Uns erreichen seitdem 30 bis 40 Prozent mehr Buchungen."

Überall Angst vor sexueller Gewalt

95 Prozent der Frauen in Neu-Delhi gaben in einer jüngst veröffentlichten Studie der Frauenrechtsorganisation ICRW an, außerhalb des Hauses Angst vor sexueller Gewalt zu haben. Ein Viertel geht nach Sonnenuntergang gar nicht mehr allein vor die Tür. "Wir müssen den öffentlichen Raum zurückgewinnen", fordert Janardhen.

Die Fahrerinnen von Sakha dürfen auch privat die Taxis benutzen. Chandni jedoch nimmt diese Gelegenheit kaum wahr. "Ich mag shoppen gehen nicht besonders", sagt sie. Die zierliche Frau mit Rucksack und Turnschuhen hat andere Träume: Sie will Busfahrerin werden. Bisher steuert noch keine Frau einen öffentlichen Bus durch Neu-Delhis Straßen. "Noch nicht!", meint Chandni. (APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 16.07.2019 um 08:46 auf https://www.salzburg24.at/archiv/maenner-nur-in-weiblicher-begleitung-erlaubt-taxi-service-in-indien-42610054

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