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Michael Aufhauser will mit 60 "richtig loslegen"

Geburtstage feiern findet Gut-Aiderbichl-Gründer Michael Aufhauser überflüssig. Das gilt auch für den Sechzigsten des Tierschützers, den er heute begeht.

"Der Geburtstag ist keine eigene Leistung, man wird in die Wiege gelegt, gefüttert, man müsste ja eigentlich seine Mutter feiern", sagte der Gründer von Gut Aiderbichl im APA-Gespräch. Dass er 20 Gnadenhöfe in Österreich, Deutschland, Frankreich und der Schweiz aufgebaut hat, reicht ihm nicht. "Ich bin voller Energie, ich muss erst richtig loslegen."

Aufhauser hat noch viel vor

Die Augen des in Augsburg geborenen Wahlsalzburgers leuchten, als er erzählt, dass die Hundestadt für 1.000 Vierbeiner, die nahe Salzburg, München oder Wien entstehen soll, eine "romantische Schnurre" von ihm sei. Zur Verwirklichung seines zehn Millionen Euro teuren "Traumes" legte er ein Gelübde ab: "Wenn ich einen Großsponsor für die Erweiterung gefunden habe, höre ich zum Rauchen auf." Auf Aiderbichl leben mehr als 100 gerettete Hunde, der Platzbedarf übersteigt die Kapazitäten. Aufhauser selbst greift den Pflegern unter die Arme. "Gestern haben zehn Hunde in meinem privaten Schlafzimmer in Salzburg-Aigen übernachtet." Die zweite Vision des Gutsherren betrifft ein Kompetenzzentrum mit Landwirtschaftsschule, das mit einer Universität kooperiert. Junge Menschen, die sich mit Tierhaltung beschäftigen, sollen darin "nachhaltig, fachlich fundiert und unter ethischen Gesichtspunkten" ausgebildet werden. Ein weiteres Ziel ist ein Gnadenhof für Mustangs in Texas, die sonst abgeschossen oder Tausende Kilometer weit zu Schlachthöfen gekarrt werden.

Sieben Tage die Woche für Tiere im Einsatz

Während der Jubilar schildert, dass er sieben Tage die Woche für die Tiere im Einsatz steht, beäugt ein Besucher, laut Aufhauser ein saudi-arabischer Prinz, gerettete Schweine, hüpft eine Ziege auf den Nachbartisch, spazieren seelenruhig Ponys und griechische Esel vorbei. Ein Besucher des "Tierparadieses" brach einmal vor Freude in Tränen aus, weil ihn der Hausherr, den er aus dem Fernsehen kennt, ansprach und in die Arme schloss. "Glück findet man in den kleinen Dingen des Lebens. Glück ist für mich dort, wo Menschen zu geben gelernt haben", lautet Aufhausers Devise. Er selbst charakterisiert sich "als einen, der sich für die Schwächeren einsetzt" - egal ob Mensch oder Tier. Eigentlich könnte sich der ehemalige Manager eines US-Reisekonzerns gemütlich zurücklehnen. Die Zahlen sprechen nach zehn Jahren Aufbauarbeit für seinen persönlichen Erfolg: Mehr als 2.000 gerettete Tiere leben auf den Gütern - allein 500 von 700 Schützlingen in Henndorf kennt er beim Namen. 30 bis 40 in Not geratene Tiere werden pro Woche aufgenommen. 2011 eröffnete Aufhauser das Eselshaus in Henndorf, das Affenrefugium in Gänserndorf (NÖ) und das neue Gut in Iffeldorf bei München. Millionen von Euro wurden investiert. Aiderbichl zählt 250 Mitarbeiter und rund 40.000 Mitglieder, im Schnitt kommen pro Tag 50 neue hinzu. Seit 2008 erwirtschaftet der Hof in Henndorf jährlich zwischen 20.000 und 100.000 Euro Überschuss. "Henndorf finanziert sich mit Eintritten, Geschenkartikel-Verkäufen, Gastronomie. Mit dem Gut in Deggendorf in Bayern werden wir heuer erstmals eine schwarze Null schreiben." Die Träger der anderen Güter sind gemeinnützige Stiftungen, der finanzielle Aufwand wird z.B. aus Spenden und Vermächtnissen beglichen.

Kuh Yvonne sorgte 2011 für Aufsehen

Mit der Problemkuh "Yvonne" machte Aiderbichl im Sommer 2011 sogar in den USA Schlagzeilen. Das österreichische Fleckvieh war einem Bauern in Bayern entlaufen, es lebte 98 Tage in Freiheit. Alle Fangversuche scheiterten. Im September stand "Yvonne" plötzlich vor dem Gatter einer Weide. Die Ausreißerin wurde betäubt und auf Aiderbichl nach Deggendorf gebracht. Ihre aufsehenerregende Flucht ist Stoff für eine Hollywood-Produktion. Der Animationsfilm kommt 2014 in die Kinos. "Cow on the run" heißt der Arbeitstitel. "Max Howard war im Herbst bei uns, auch die Drehbuchautorinnen waren schon hier, das war ja wie bei einem Verhör. Die Bilder sehen Yvonne ähnlich. Zwei Fliegen werden auf ihrem Rücken sitzen. Sie sind ihre Wegweiser, warnen vor Gefahren", verrät Aufhauser. Aiderbichl unterschrieb einen Vertrag, erhält für die Filmgeschichte eine finanzielle Abgeltung und Erfolgsprovision. "Uns ist wichtig, dass im Film die Philosophie von Gut Aiderbichl durchkommt", betont der Tierretter. "Alle Tiere sind jenseits von Gut und Böse."

Geburtstagsfeier für Aufhauser am Samstag für den guten Zweck

Obwohl Aufhauser viele Pläne schmiedet, ist es für ihn beruhigend zu wissen, wer sein Nachfolger wird: "Das ist Aiderbichl-Geschäftsführer Dieter Ehrengruber." Sein "Statthalter" habe ein wahres Herz für Tiere und Kinder und sei der Garant dafür, dass die Idee von Gut Aiderbichl weitergetragen werde. "Er ist bodenständig, nicht so exotisch wie ich." Der 35-jährige Oberösterreicher will den 60. Geburtstag seines Chefs nicht sang- und klanglos vorübergehen lassen. Ehrengruber stellte das Jubiläum unter das Motto "Hilfe für Hunde und Katzen in Not" und lud für kommenden 28. April Wegbegleiter, auch Prominente, auf den Gnadenhof nach Henndorf. Gut Aiderbichl benötigte 2010 für die Haltung und Rettung von 3.805 Tieren 8,1 Millionen Euro. Über die Hilfsbereitschaft der Menschen gerät selbst Aufhauser ins Staunen: Schon vor der "Geburtstagsfeier" haben geladene Gäste innerhalb von drei Tagen 126.000 Euro eingezahlt. (APA)
(Quelle: S24)

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