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Mindestens ein Toter bei Zusammenstößen in Kairo

Muslimbrüder protestieren gegen Todesurteile Salzburg24
Muslimbrüder protestieren gegen Todesurteile

Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der ägyptischen Polizei und Anhängern des von der Armee gestürzten Präsidenten Mursi ist mindestens ein Mensch getötet worden. Wie das Gesundheitsministerium weiter mitteilte, wurden am Mittwoch 14 Menschen bei den Auseinandersetzungen vor der Universität in Kairo verletzt.

Dutzende Bereitschaftspolizisten schossen Tränengasgranaten auf die Studierenden, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Die Studenten demonstrierten gegen die Todesurteile, die ein Gericht am Montag gegen 529 Mursi-Anhänger gefällt hatte.

Seitens der Veranstalter der Demonstration hieß es, bei dem Toten handle es sich um einen von einer Kugel tödlich getroffenen Schüler. Dem Innenministerium zufolge wurde dagegen ein Jusstudent von der Al-Ashar-Universität in Tanta im Nil-Delta getötet.

Die amtliche Nachrichtenagentur Mena meldete, bei Zusammenstößen zwischen islamistischen Studenten und Polizisten in Sakasik im Norden des Landes seien 16 Menschen verletzt worden.

Seit Mursis Sturz im vergangenen Juli gehen Soldaten und Polizisten mit großer Härte gegen die islamistische Muslimbruderschaft vor. Die Organisation, der auch Mursi entstammt, wurde im Dezember als Terrororganisation eingestuft und verboten. Tausende ihrer Mitglieder wurden inhaftiert, darunter praktisch die gesamte Führung. Zudem wurden beim gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Proteste der Islamisten nach Angaben von Amnesty International mehr als 1400 Menschen getötet.

Am Dienstag begann der Prozess gegen rund 700 weitere Anhänger Mursis, unter ihnen auch der Kopf der Muslimbruderschaft, Mohammed Badie. Am 28. April soll das Urteil fallen. Mursi selbst muss sich ebenfalls in mehreren Prozessen verantworten.

Am Mittwoch klagte die Staatsanwaltschaft erneut Hunderte Muslimbrüder an. Die 919 Anhänger der islamistischen Organisation müssten sich unter anderem wegen Mordes und Terrorismus vor dem Gericht in Minja verantworten, meldete die staatliche Nachrichtenagentur. Dieses Gericht im Süden des Landes hatte am Montag bereits 529 Mitglieder der Muslimbruderschaft zum Tode verurteilt.

Die Urteile, die unter anderem mit Mord begründet wurden, fielen nach nur zwei Prozesstagen und stießen international auf heftige Kritik. Nur einen Tag später begann vor demselben Gericht am Dienstag der Massenprozess gegen weitere 683 Muslimbrüder.

In dem neuen Verfahren geht es der Nachrichtenagentur zufolge um Gewalt, die im August ausgebrochen war, nachdem Sicherheitskräfte gewaltsam ein von Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi errichtetes Protestlager geräumt hatten. Der Islamist Mursi, der erste frei gewählte Präsident des Landes, war im Juli vom Militär nach anhaltenden Massenprotesten gestürzt worden. Die Muslimbrüder, die Mursi unterstützten, sind mittlerweile in Ägypten verboten. Tausende Mitglieder und Unterstützer wurden festgenommen.

Der ägyptische Verteidigungsminister Abdel Fattah al-Sisi hat unterdessen am Mittwoch offiziell seine Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen angekündigt. Er lege dafür seinen Posten als Armeechef und seine Regierungsämter nieder, erklärte er bei einer Ansprache im Fernsehen.

Der Rücktritt ist Voraussetzung für eine Kandidatur für das Amt des Staatschefs, da dieses nur von einem Zivilisten ausgeübt werden darf.

(Quelle: S24)

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