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Missbrauchsvorwurf : "Ich habe sie nie zum Sex gezwungen"

Peter Hofer erklärte, die Beziehung zu der mittlerweile 47-Jährigen habe sich 1985 und 1986 intensiviert, da sei es auch zu einigen sexuellen Kontakten gekommen.

Er habe sie aber nie zum Sex gezwungen und ihr nie Gewalt angetan, betonte der Geistliche. "Diese Dinge gehören für mich zu den groben Verfehlungen eines anderen Menschen gegenüber. Es war eine völlig unkomplizierte, offene, fröhliche Freundschaft. Unsere Beziehung war von meinem Standpunkt aus so, dass ich ihr nicht wehtun hätte können."

Was passiert sei, sei deshalb nicht in Ordnung gewesen, da er seine Funktion als Priester überschritten habe, "obwohl ich damals nicht der zuständige Priester der Frau war", gestand Peter Hofer ein. Als sie 1986 ihren Ehemann kennenlernte, habe sich die Beziehung einvernehmlich auf ein freundschaftliches Verhältnis reduziert. Er habe die Familie pastoral begleitet, die Trauung vorgenommen und ihre zwei Kinder getauft.

Da nun Aussage gegen Aussage steht und ein gerichtliches Verfahren laut dem Anwalt des Geistlichen wegen Verjährung nicht möglich sei, hoffen Hofer und Müller auf das Zustandekommen eines Glaubwürdigkeitsgutachtens durch einen gerichtlich beeideten Sachverständigen. Das Gutachten sei die einzige Chance, dass die Wahrheit ans Tageslicht komme, ob man den Vorwürfen "glauben kann oder nicht", sagte Rechtsanwalt Fritz Müller. "Stimmt das, oder ist das eine Wahnvorstellung", nahm er auf die Anschuldigungen der Salzburgerin Bezug.

Das Gutachten könne aber nur dann erstellt werden, wenn sich die 47-Jährige bereiterkläre, daran mitzuarbeiten, erläuterte der Advokat. Die Expertise soll dann der Klasnic-Kommission und der Ombudsstelle der Erzdiözese Salzburg vorgelegt werden. In diesem Gutachten solle auch die Familienanamnese unter Berücksichtigung allfälliger psychischer Erkrankungen der Frau und mögliche Vortraumatisierungen aus ihren Kindheitstagen - ob zum Beispiel ein Verdacht des Missbrauchs durch ein Familienmitglied vorliege - berücksichtigt werden, sagte Müller.

Warum die Vorwürfe erst nach mehr als zwei Jahrzehnten plötzlich auftauchten, könne womöglich mit der schweren Erkrankung der Frau und mit Problemen in der Familie zu tun haben, mutmaßten der Geistliche und sein Anwalt. Im Jahr 2005 habe sie Hofer über Eheprobleme, ihre Erkrankung und die therapeutische Hilfe erzählt. "Für mich ist es unerklärlich, warum sich ein Mensch nach den angeblichen Vorfällen so verhält und auch Dankes- und Glückwunschkarten schreibt", sagte Hofer. Fachkundige Ärzte und Psychologen hätten ihm erklärt, dass durch schwere Schicksalschläge - wie durch eine Krebserkrankung - wahnhaftes Verhalten entstehen könne, das dann noch verstärkt werde, wenn Schwierigkeiten in der Ehe und mit den Kindern dazukommen.

Die 47-Jährige hatte in der aktuellen Ausgabe des Magazins "profil" behauptet, sie sei in den 80er Jahren von Hofer, der damals die Stadtpfarre Nonntal geleitet hat, Hunderte Male vergewaltigt worden. Diese Vorwürfe seien ungeheuerlich, falsch und frei erfunden, betonte der Rechtsanwalt. Sein Mandant habe ein reines Gewissen. Von einer Verleumdungsklage sehe man aber wegen des bedauernswerten Gesundheitszustandes der Frau ab, sagte Müller. "Mein Mandant bedauert es sehr, dass es ihr sehr schlecht geht."

Der Geistliche erfuhr von den Vorwürfen eigenen Angaben zufolge erstmals im Jahr 2007. Zwei Jahre später wandte sich die Betroffene an die Salzburger und Wiener Ombudsstelle. Danach habe sie von ihm 25.000 Euro gefordert, aus Mitleid habe Hofer 5.000 Euro und später 10.000 Euro für die Krebstherapie als einmaligen Betrag angeboten, vorausgesetzt, sie erhebe keine Missbrauchsvorwürfe mehr, erläuterte Rechtsanwalt Müller. Am Ende der Gespräche mit der Klasnic-Kommission im Mai 2010 sei ihm mitgeteilt worden, dass sie monatlich 650 Euro für Therapiekosten erhalte, die vom Kirchenfonds refundiert werden.

Peter Hofer selbst möchte sich nach den Turbulenzen erst einmal "erholen und ein bisschen untertauchen und meine Mitte und Ruhe finden", wie er bei der Pressekonferenz sagte. Er dürfe auf Anfrage aber weiterhin eine Messe halten oder eine Taufe vornehmen. "Die priesterlichen Aufgaben bleiben bestehen, aber nicht die amtlichen Aufgaben im Dom und in St. Jakob am Thurn." (APA)
(Quelle: S24)

Aufgerufen am 22.08.2019 um 03:14 auf https://www.salzburg24.at/archiv/missbrauchsvorwurf-ich-habe-sie-nie-zum-sex-gezwungen-59183782

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