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Mord an Schulfreund: Teenager in Ried vor Gericht

Im Landesgericht Ried musste sich am Mittwoch ein zum Tatzeitpunkt 17-Jähriger wegen Mordes an seinem Schulfreund (SALZBURG24 hat berichtet) verantworten.

Der mittlerweile 18-jähriger Schüler soll im November - damals war er 17 - in Braunau in Oberösterreich seinen 16-jährigen Schulfreund mit zahlreichen Messerstichen getötet haben. Es wird davon ausgegangen, dass die Öffentlichkeit nach der Anklageverlesung ausgeschlossen wird.Der Angeklagte wurde im Gerichtssaal von einem Großaufgebot an Medienvertretern und Fotografen empfangen. Er versteckte sich hinter einem Ordner vor dem Blitzlichtgewitter. Der Schüler wirkte in sich gekehrt. Sein Verteidiger redete ihm gut zu und versuchte, ihn zu beruhigen.

Schüler nach Mord in psychologischer Behandlung

Dem Jugendlichen drohen bei einem Schuldspruch bis zu 15 Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft hat im Vorfeld angekündigt, neben der Bestrafung eine Einweisung des 18-Jährigen in eine Anstalt zu beantragen. Der Verteidiger will das bekämpfen, wie er vor der Verhandlung sagte. Er plant den psychiatrischen Gutachter mit zahlreichen Fragen traktieren: Die Persönlichkeitsstörung seines Mandanten sei viel zu sehr in den Vordergrund gerückt worden, seine Depressionen hingegen zu wenig. "Wenn man ihn konsequent medizinisch behandelt hätte, wäre das nicht passiert." Der Bursch sei mit 15 Jahren einige Monate in stationärer Behandlung gewesen und seither laufend ambulant bzw. auch teilweise erneut stationär. Grund seien immer die Depressionen des Schülers gewesen. Darauf will sich der Anwalt bei seiner Verteidigung stützen. Zeugen wurden von ihm keine beantragt. Sein Mandant habe bei der Tat "sicherlich einen Realitätsverlust erlitten". Der Bursch hatte immer wieder ausgesagt, er könne sich nicht erinnern. Die Staatsanwaltschaft bezweifelt das.

Mit 20 bis 30 Messerstichen getötet

Die beiden Burschen hatten am Abend des 20. November 2011 gemeinsam gelernt. Sie waren dabei allein in der Wohnung der Großmutter des Beschuldigten. Der 17-Jährige soll den anderen mit zwei größeren Messern und einem Hammer attackiert, niedergeschlagen und ihm dann 20 bis 30 Stich- und Schnittverletzungen am gesamten Körper zugefügt haben. Dann versuchte er, sich selbst das Leben zu nehmen. Um 19.30 Uhr rief der 17-Jährige die Polizei, weil er sich verletzt habe. Die Beamten fanden in der Wohnung die blutüberströmte Leiche des Opfers. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Tat seit längerem geplant war. Der Jugendliche soll sich mehrere Tage zuvor im Internet wiederholt mit Themen wie "Mord aus Liebeskummer", "Jugendstrafe für Mord in Österreich" oder "Was passiert, wenn ein Mensch stirbt" beschäftigt haben. Die Anklage ging im Vorfeld von ausgeprägter Eifersucht und damit verbundener Verlustangst als Motiv aus.

Einweisung in Anstalt möglich

Eine Blutanalyse ergab, dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt weder alkohol- noch suchtmittelbeeinträchtigt war. Laut einem psychiatrischen Gutachten war er zurechnungsfähig. Allerdings wird ihm in der Expertise auch eine erhebliche Persönlichkeitsstörungen attestiert. Dadurch sei eine Gefährlichkeit für Dritte gegeben und eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher indiziert. (APA)
(Quelle: S24)

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