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Mordfall Deubler: Prozess gegen zwei vermeintliche Kronzeugen

Salzburg – Wegen falscher Beweisaussage und Verleumdung sind am Dienstag zwei vermeintliche Kronzeugen im Mordfall Claudia Deubler in Salzburg vor Gericht gestanden.  S24-Video aus dem Gerichtssaal  

Sie hatten mit ihren Aussagen zu der grausamen Bluttat an der Salzburger Taxilenkerin im Juli 1993 den damals verdächtigten Oberösterreicher Peter Heidegger schwer belastet. Er wurde 1994 wegen Mordes verurteilt und saß acht Jahre lang unschuldig im Gefängnis. Vier Jahre nach seinem Freispruch erhielt 2007 der Salzburger Tomi S. (32) zwölf Jahre Gefängnis. Das Urteil im Prozess gegen die ehemaligen Kronzeugen wird am 10. Juni erwartet. Sie bekannten sich nicht schuldig.Das Duo sagte mehrfach als Zeugen gegenüber der Polizei und Justiz aus, sie hätten den damals 19-jährigen Heidegger in der Nacht auf 6. Juli 1993 von einer in Tatortnähe gelegenen Pizzeria in Wals-Siezenheim mit dem Auto mitgenommen. Die nunmehrigen Angeklagten – der heute 61-jähriger aus Bangladesch stammende Österreicher war Geschäftsführer der Pizzeria, der 58-jährige Pakistani war Koch – hatten dies 2001 vor dem Untersuchungsrichter, 2003 im Wiederaufnahmeprozess gegen Heidegger und 2007 im Prozess gegen Tomi S. und Daniel N. ausgesagt, so Staatsanwältin Herta Stix. “Sie haben einen Irrtum ausgeschlossen.”

Der Ex-Geschäftsführer habe zudem gemeint, er hätte sich das Wehrdienstbuch des Oberösterreichers zeigen lassen und darin den Vornamen “Peter” und “sein Abrüstedatum 30.09.1993” gelesen. Wie sich jedoch herausstellte, war in dem Buch kein Abrüstedatum eingetragen. Tatsächlich findet sich dort laut Verteidiger des Erstangeklagten, Robert Oberdanner, der handschriftliche Vermerk “010493 – 300493 AGA” (Allgemeine Grundausbildung, Anm.). “Die Ziffer Vier ist kaum mit Neun zu unterscheiden”. Auch heute beteuerte der damalige Geschäftsführer vor Einzelrichterin Birgit Dunzendorfer, er habe in der Mordnacht kurz nach 24.00 Uhr einen Soldaten mitgenommen. “Ich wollte, dass er mir das Abrüstedatum zeigt. Er zeigte mir das Datum und seinen Namen.” Das vermeintliche Abrüstedatum sowie “Peter” habe er auf eine Visitenkarte geschrieben, so der Angeklagte. “Ich habe vor der Polizei auch die Wahrheit gesagt und nie behauptet, dass Heidegger ein Mörder ist.” Sein Verteidiger stellte eine vorsätzlich falsche Zeugenaussage in Abrede. Es handle sich womöglich um einen Irrtum “oder es war tatsächlich Heidegger, den er mitgenommen hat”.

Heidegger und der Vater der Taxilenkerin schlossen sich dem Verfahren als Privatbeteiligte an. “Da wurde ein Unfug behauptet, aufgrund der Aussagen der beiden war es auch zur zweiten Anklage gegen Heidegger gekommen”, betonte Rechtsanwalt Franz Gerald Hitzenbichler. Er forderte für den Oberösterreicher und Helmut Deubler ein symbolisches Teilschmerzensgeld von jeweils 100 Euro. Heidegger pochte zudem auf 2.300 Euro wegen noch offener Vertretungskosten, Deubler will jene 1.000 Schilling an Prämie zurück haben, die er dem Ex-Geschäftsführer für den “entscheidenden Hinweis auf den Täter” bezahlte. Der frühere Gastronom erhielt auch eine Urkunde von der Sicherheitsdirektion und 14.000 Schilling Belohnung, u.a. von der Taxiinnung, die er angeblich Waisenkindern spendete.

Der spektakuläre Mordfall war geprägt von Ermittlungspannen der Polizei. Das hatte nicht nur der Vorsitzende im Wiederaufnahme-Prozess gegen Heidegger festgestellt, sondern auch die Vorsitzende im Prozess 2007. Mittlerweile hat es auch zwei Verfahren gegen mehrere Polizisten gegeben, die allerdings eingestellt wurden. Hitzenbichler hat für seine Mandanten beim Oberlandesgericht Linz einen Fortführungsantrag eingebracht, über den aber noch nicht entschieden wurde.

Der Prozess gegen die ehemaligen Pizzeria-Mitarbeiter ist für sieben Tage anberaumt. Der 61-Jährige ist wegen seines schlechten Gesundheitszustandes nur zwei Stunden am Tag verhandlungsfähig. Das Urteil wird für Mittwoch nächster Woche erwartet.

(Quelle: S24)

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