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Mordfall Silke Schnabel: Verteidiger beeinsprucht Ermittlungen

Salzburg – Im seit 1992 ungeklärten Salzburger Mordfall Silke Schnabel (17) hat der Verteidiger eines Verdächtigen am Donnerstag, bei der Staatsanwaltschaft die neuen Ermittlungen beeinsprucht.

“Sie sind absolut rechtswidrig. Es gibt keine neuen Beweise für eine Wiederaufnahme des Verfahrens, das im Jahr 1993 mangels einer Indizienkette eingestellt wurde”, erklärte Rechtsanwalt Karl Wampl der APA. Der Jurist ist seit 17 Jahren bevollmächtigter Verteidiger des mittlerweile 51-jährigen verdächtigen Arbeiters.

Die Staatsanwaltschaft hatte zwar im Juli betont, dass es sich bei den Erhebungen nicht um eine Wiederaufnahme, sondern um eine vorbereitende Beweisaufnahme handelt. Man prüfe, ob das Verfahren fortgeführt werden könne oder nicht, sagte Mediensprecherin Barbara Feichtinger. Doch der Rechtsanwalt ist der Ansicht, dass die Anklagebehörde bereits ermittelt. Das sei aber nur dann rechtlich zulässig, wenn es sich tatsächlich um eine Wiederaufnahme des Verfahrens aufgrund neuer Beweise handle.

Das Mordopfer wurde am 11. Juli 1992 an der Salzachböschung im Stadtteil Lehen vergewaltigt und erwürgt, ihre Leiche am 21. Juli im Inn bei Ranshofen (OÖ) gefunden. Der Arbeiter wurde nach einer vier monatigen U-Haft entlassen. “Die Ratskammer bestehend aus drei Richtern hat festgestellt, dass kein dringender Tatverdacht vorliegt”, erläuterte Wampl. Der Antrag auf Einstellung des Verfahrens seitens des Staatsanwaltes sei von der Oberstaatsanwaltschaft geprüft und durch einen Gerichtsbeschluss abgesegnet worden. Der Hauptgrund dafür “war das Gutachten der Rechtsmedizin München, das kein aussagekräftiges Ergebnis gebracht hat.” Das einzig Groteske sei, so Wampl, dass Beweisgegenstände, die zur Untersuchung vorlagen, verschwunden sind.

Nicht mehr auffindbar sind laut Staatsanwaltschaft ein mit dem Blut bespritzter Gürtel des Verdächtigen sowie ein Analabstrich des Opfers und eine Holzprobe von einer tatortnahen Sitzbank. “Laut dem Gutachten von München wurden aber keine Spermaspuren gefunden”, betonte Wampl. Die Staatsanwaltschaft müsse nun seinen Einspruch, den er heute persönlich vorlegte, dem Rechtsschutzrichter zur Prüfung vorlegen. Falls dennoch weiter ermittelt wird, werde er eine Beschwerde beim OLG Linz einbringen.

Ob es neue Beweise in dem Fall gibt, darüber streiten sich jetzt die Juristen. Nach Meinung von Opferanwalt Stefan Rieder, der sich im Auftrag der Mutter von Silke Schnabel um eine Wiederaufnahme des Verfahrens bemühte, gibt es sie. Einerseits liegt eine Zeugenaussage vor, andererseits werden nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Tatortnähe gefundene Kleidungsstücke jetzt molekularbiologisch untersucht. Überlegt wird auch eine Täteranalyse des Profilers Thomas Müller. Der ermittelnde Staatsanwalt muss über seine nächsten Schritte der Oberstaatsanwaltschaft berichten. Dem Vorhabensbericht an die OSTA werde der Einspruch des Rechtsanwaltes beigelegt, sagte der stv. Mediensprecher, Staatsanwalt Marcus Neher.

(Quelle: S24)

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