Jetzt Live
Startseite Archiv
Archiv

Mutmaßlicher Boston-Bomber wartet auf den Prozess

Dei Menschen kamen bei dem Anschlag ums Leben Salzburg24
Dei Menschen kamen bei dem Anschlag ums Leben

Vor einem Jahr explodierten binnen weniger Sekunden zwei Sprengsätze im Zielbereich des Bostoner Marathonlaufs. Drei Menschen kamen bei dem Anschlag am 15. April 2013 in der Großstadt im US-Bundesstaat Massachusetts ums Leben, mehr als 260 weitere wurden verletzt.

Die Bomben legten die aus einer tschetschenischen Familie stammenden Brüder Tamerlan und Dschochar Zarnajew, die auf ihrer Flucht auch einen Polizisten erschossen. Während Tamerlan wenige Tage nach der Attacke bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei getötet wurde, wartet Dschochar auf seinen Prozess.

Der mittlerweile 20-jährige Dschochar Zarnajew sitzt im Bundesgefängnis Fort Devens in Massachusetts ein. Bei dem Prozess, der am 3. November beginnen soll, strebt das US-Justizministerium die Todesstrafe an. Die Verteidigung könnte US-Medien zufolge versuchen, die Tat vor allem dem verstorbenen Tamerlan zur Last zu legen. Der ältere Bruder soll mit radikalen Islamisten in Kontakt gestanden haben, die US-Behörden hatten ihn bereits 2011 wegen möglicher Terrorverbindungen im Visier.

Dschochar Zarnajew werden insgesamt 30 Anklagepunkte vorgeworfen, darunter der Gebrauch einer "Massenvernichtungswaffe". Bei seinem ersten Auftritt vor Gericht im Juli 2013 erklärte er sich für nicht schuldig. Laut Anklageschrift soll Zarnajew den Anschlag gemeinsam mit seinem Bruder geplant haben. Die Bomben bauten die beiden demnach aus Schnellkochtöpfen, Schwarzpulver und Splittern zusammen. Die Ermittler waren den Brüdern durch Aufnahmen von Überwachungskameras am Anschlagsort auf die Spur gekommen.

Als die Bundespolizei FBI die Fahndungsfotos veröffentlichte, fuhren Tamerlan und Dschochar Zarnajew der Anklageschrift zufolge am 18. April 2013 mit fünf weiteren Sprengsätzen und einer halbautomatischen Pistole zum Campus der Universität MIT. Dort hätten sie einen Polizisten erschossen, anschließend einen Mercedes gestohlen, den Fahrer entführt und ausgeraubt.

Nachdem ihre Geisel flüchten konnte, lieferten sich die Brüder demnach eine Schießerei mit Polizisten. Dschochar Zarnajew habe dann auf der Flucht seinen Bruder mit dem Mercedes überfahren. Schließlich habe sich der damals 19-Jährige im Bostoner Vorort Watertown in einem trockengelegten Boot versteckt, wo er am darauffolgenden Abend schwer verletzt festgenommen worden sei.

"Nach Prüfung der Fakten, der geltenden Gesetze und der vom Anwalt des Beschuldigten übermittelten Dokumente habe ich entschieden, dass die USA in diesem Fall die Todesstrafe fordern werden", erklärte US-Justizminister Eric Holder Ende Jänner. Der Bundesstaat Massachusetts hatte die Todesstrafe 1982 zwar abgeschafft, das Verfahren gegen Zarnajew läuft aber vor einem Bundesgericht in Boston.

Ob der Angeklagte tatsächlich zum Tode verurteilt wird, ist jedoch fraglich. Massachusetts liegt im eher liberalen Nordosten der USA, Umfragen zufolge hält eine Mehrheit in dem Bundesstaat eine lebenslange Haftstrafe für angemessen. Diese Einstellung könnte sich auch bei den Geschworenen wiederfinden, die über das Schicksal von Zarnajew zu entscheiden haben werden.

Zarnajews Anwaltsteam gehört die renommierte Strafverteidigerin Judy Clarke an, die bereits mehreren prominenten Angeklagten wie dem als "Unabomber" bekannt gewordenen Ted Kaczynski und dem Mitverschwörer der Terrorattacken vom 11. September 2001, Zacarias Moussaoui, die Todesstrafe ersparen konnte. In den Monaten vor dem Prozessbeginn dürften die Verteidiger auf einen Deal mit der Staatsanwaltschaft hinarbeiten, um ihren Mandanten vor einem Todesurteil zu bewahren.

Im Fall einer Todesstrafe würden Zarnajew immer noch eine Reihe von Rechtsmitteln zur Verfügung stehen, ein langwieriger Gang durch die Instanzen wäre garantiert. Die Vollstreckung von Todesurteilen auf Bundesebene ist äußerst selten, seit Ende der 1980er Jahre wurden nur drei Häftlinge hingerichtet. Zuletzt war dies im Juni 2001 Timothy McVeigh, der im April 1995 ein Gebäude der US-Bundesbehörden in Oklahoma City in die Luft gesprengt hatte. Damals starben mehr als 160 Menschen.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 07.03.2021 um 07:20 auf https://www.salzburg24.at/archiv/mutmasslicher-boston-bomber-wartet-auf-den-prozess-45098659

Kommentare

Mehr zum Thema