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Naturgefahren: Kosten und Nutzen von Schutzbauten genau berechenbar

Wenn es darum geht, Straßen vor Naturgefahren wie Lawinen, Muren oder Steinschlag zu schützen, dann sind die Schweizer echte Buchhalter. Sie haben für jeden Abschnitt des nationalen Straßennetzes Kosten und Nutzen von Schutzbauten berechnet, um objektivierbare Entscheidungsgrundlagen für Investitionen zu haben. Ein System, das anlässlich der Fachmesse "acqua alta alpina" am Freitag in Salzburg präsentiert wird.

Schließlich geht es darum, in Zeiten knapper Budgets und Naturgefahren, die sich durch den Klimawandel verändern, genau dort zu investieren, wo es - auch wirtschaftlich - am sinnvollsten ist. Das Berechnungsinstrument heißt "EconoMe" und wurde vom Schweizer Ingenieurunternehmen Geotest AG leitend entwickelt. Interesse dafür gebe es mittlerweile alpenweit, sagte Bernhard Krummenacher von Geotest AG im Gespräch mit der APA. Salzburg hat übrigens auf das System schon zugegriffen. Die Schweizer hatten einen 35 Kilometer langen Abschnitt zwischen Saalfelden und Lofer auf der B311 berechnet. Auch die bayerischen Nachbarn holten sich für die Analyse der Strecke zwischen Schneizlreuth und Bad Reichenhall eine Expertise aus der Schweiz. "Wenn man nur die Gefahr anschaut, dann verbaut man das zur Verfügung stehende Geld womöglich am falschen Ort", erläuterte Krummenacher. Die Gefahr eines Lawinenabgangs könne nämlich auf einer Forststraße genauso groß sein wie auf einer Autobahn. Anders beim Risiko, das ist recht unterschiedlich: Dieses Risiko errechnet EconoMe basierend auf der Formel "Eintrittswahrscheinlichkeit mal Schadensausmaß". Berücksichtigt werden dazu viele Detailparameter, die diese Basisgrößen situativ abbilden.

Genaue Kosten der Schutzbauten beziffert

Die Experten beziffern darin nicht nur genau, was Schutzbauten und deren Alternativen kosten. Sie versehen die Nichterreichbarkeit eines Hotels, den Ausfall von Arbeitsstunden, den Tod von Menschen und die Sperre einer Straße mit genauen Kostenzetteln. "Es ist eine Buchhaltungsübung. Man muss alle Faktoren monetarisieren, dann bekommt man am Ende das Risiko als Geldeinheit pro Jahr", erklärte Krummenacher. Das sei eine objektivierbare Entscheidungsbasis und gebe den Verantwortlichen zusätzliche Sicherheit.

Behörden bisher nicht so schlecht gelegen

Dass die Behörden und Naturgefahren-Experten auch bisher nicht so schlecht gelegen sind, zeigte die Untersuchung des Schweizer Nationalstraßennetzes. "Wir stellen auf vielen Gebirgsabschnitten immer wieder fest, wie gut die Nationalstraße ins Gelände eingefügt worden ist", sagte der Experte. So habe es beispielsweise auf der wichtigen Achse über den San Bernardino nur ganz wenige Stellen gegeben, wo Kosten und Nutzen von Schutzbauten nicht optimal seien. (APA)
(Quelle: S24)

Aufgerufen am 11.04.2021 um 03:30 auf https://www.salzburg24.at/archiv/naturgefahren-kosten-und-nutzen-von-schutzbauten-genau-berechenbar-59320522

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