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Neues Karrieremodell wird an Unis kaum angewendet

Zu viele befristete Verträge an den Universitäten Salzburg24
Zu viele befristete Verträge an den Universitäten

Seit 2009 gilt an den Universitäten erstmals ein Kollektivvertrag. Herzstück ist ein neues Karrieremodell, das einen Kompromiss zwischen dem alten Beamtendienstrecht und dem amerikanischen Tenure-Track-Modell vorsieht. Die Unis vergeben solche Laufbahnstellen aber sehr unterschiedlich und setzen sehr zum Missfallen der Arbeitnehmervertreter zu stark auf befristete Stellen.

Im Mittelpunkt des neuen Karrieremodells, das ständige Neubewerbungen um Stellen hintanhalten soll, steht eine sogenannte "Qualifikationsvereinbarung". Eine typische Uni-Karriere beginnt demnach auf einer Assistentenstelle, im Rahmen derer Doktorat bzw. PhD erworben werden müssen. Bereits anschließend soll klar sein, ob ein Nachwuchswissenschafter Zukunft an der jeweiligen Uni hat: Falls ja, erhält er eine maximal sechsjährige Post-Doc-Stelle und den Titel "Assistant Professor" ("Assistenzprofessor"). Für diese Stelle muss mit der Uni-Leitung eine "Qualifikationsvereinbarung" abgeschlossen werden. Darin wird festgelegt, was der Kandidat erreichen muss - im Regelfall bestimmte Publikationsleistungen, positive Lehrevaluierungen, die Einwerbung von Drittmitteln etc. Wird die Qualifikationsvereinbarung erfüllt, ist der Wissenschafter automatisch "Associate Professor" ("Assoziierter Professor") und damit unbefristet angestellt.

In der Statistik-Datenbank Uni-Data sind mit Stichtag 31. Dezember 2013 rund 950 Laufbahnstellen (Assistant bzw. Associate Professor) registriert, bei einer Gesamtzahl des künstlerischen und wissenschaftlichen Personals von 36.000. Allein rund 250 entfallen dabei auf die Medizin-Universität Wien, mehr als 100 auf die Uni Innsbruck und rund 80 auf die verhältnismäßig kleine Uni Linz. An den Kunstunis und der Veterinärmedizinischen Universität ist dieses Instrument dagegen bisher kaum zur Anwendung gekommen. Auch die Uni Wien, die Technische Universität (TU) Wien und die Wirtschaftsuniversität (WU) waren vergleichsweise sehr restriktiv bei der Vergabe. So haben die verhältnismäßig kleinen Unis Klagenfurt und Salzburg mit jeweils rund 60 Laufbahnstellen in etwa gleich viele vergeben wie die ungleich größere Uni Wien.

Der Rektor der Medizin-Universität Wien und Vorsitzende des Dachverbands der Universitäten, Wolfgang Schütz, sieht seine Uni nicht unbedingt als Spitzenreiter: Die meisten Unis lägen bei der Zahl der neuen Laufbahnstellen bei vier bis sieben Prozent der gesamten wissenschaftlichen Mitarbeiter. In Relation zur Gesamtzahl der Wissenschafter steche sogar die Uni Klagenfurt mit rund elf Prozent heraus.

Als Grund für die vergleichsweise hohe Anzahl an Laufbahnstellen an der Medizin-Uni nannte Schütz gegenüber der APA den starken Nachholbedarf. Aufgrund der langen KV-Verhandlungsdauer von 2004 bis 2009 habe man zahlreiche Angestellte gehabt, denen man in dieser Zeit kein Karriereschema anbieten konnte. "In den ersten drei Jahren haben wir dann diese Übergangssituation abgebaut. Wir hatten sehr viele, die die entsprechende Qualifikation gehabt haben - denen haben wir dann die Qualifikationsvereinbarung angeboten. Das wird jetzt natürlich zurückgehen. Wir sind ein medizinischer Betrieb und wollen natürlich die besten Leute halten. Jetzt kommen aber nur mehr solche infrage, die neu dazugekommen. Bei denen müssen wir entscheiden, ob wir ihnen die Qualifikationsvereinbarungen anbieten oder eben nicht."

Ein Zielwert für die Qualifikationsvereinbarungen an einer Uni könnte für Schütz die Zahl jener Wissenschafter sein, die jährlich in Pension gehen - an der Medizin-Uni sind das rund fünf Prozent der Mitarbeiter. "Weil die, die hier in Pension gehen, hatten ja eine Dauerstelle. Wenn man sagt, wir haben ausreichend Nachwuchsstellen, dann kann man so den Status Quo aufrechterhalten." Andernfalls müssten die Rektorate nachjustieren: "Wenn man sagt, wir wollen mehr Nachwuchsstellen freihalten, darf man nur entsprechend weniger Qualifikationsvereinbarungen vergeben."

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 04.03.2021 um 07:52 auf https://www.salzburg24.at/archiv/neues-karrieremodell-wird-an-unis-kaum-angewendet-45008335

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