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O Tannenbaum: Herausgeputzter Handymast in Aigen?

Salzburg-Stadt – Es ist fast wie beim Bundesheer: Um in der Umgebung nicht aufzufallen, wird mit Ästen und Nadeln getarnt, was das Zeug hält – nur geht es diesmal nicht darum, einen Rekruten zu verstecken, sondern um einen Handymast in Salzburg-Aigen.

Der soll sich nämlich in einen Tannenbaum verwandeln – um das Ortsbild nicht zu stören.

Claudia Übellacker, Leiterin des Umweltteams der mobilkom Austria, erläutert: “Diese [Sende-]Station, die wir seit 2002 planen, hat auf dem jetzigen Standort dem Ortsbild nicht entsprochen, worauf wir in Workshops mit den Stadträten Padutsch und Panosch versucht haben, Alternativen zu finden. Leider ist daraus aber nichts geworden. Darum wird die Station jetzt für das Ortsbild als Baum getarnt.” Solche Attrappen seien bereits an mehreren Orten in Österreich in Verwendung, wie etwa in der Steiermark, so Übellacker.

“Plastikbaum – mit Sicherheit nicht!” lautet dagegen Johann Padutschs Ansage an die mobilkom. “Wenn schon ein Handymast, dann soll es ein ehrlicher sein”, so der Planungs-Stadtrat der Bürgerliste, dessen präferierter Standort, das Nissenwäldchen, die besten Werte und die geringste Belastung vorzuweisen hätte – aber vom Eigentümer, der Kirche, zurückgezogen wurde.

Nicht nur Padutsch protestiert, sondern auch Aigener Anrainer – aber nicht gegen den Fake-Baum an sich, sondern gegen eine erhöhte Strahlenbelastung, die die Gesundheit ihrer Kinder bedrohe – und außerdem unnötig sei, denn es gebe bereits drei Handymasten in der näheren Umgebung. Seitens der mobilkom ist dennoch von einer “Versorgungslücke” in einigen Stadtteilen die Rede. Padutsch dazu: “Das heißt ja nicht, dass man in diesen Bereichen nicht telefonieren kann!”

Bedarf es also wirklich einer weiteren Sendeanlage? Claudia Übellacker, die betont, dass die Plastikbaum-Lösung in Übereinkunft mit der Stadt beschlossen wurde, dazu: “Ja, ist sie, sonst würden wir uns das nicht antun. So eine Station ist ja nicht billig – und eine Baumattrappe auch nicht.” Von den Anrainern habe sich die mobilkom überdies einen “konstruktiveren” Zugang zu diesem Prozess gewünscht. “Jeder möchte das Handy nutzen, aber die Infrastruktur möchte man nicht haben. Das ist wie bei der Autobahn.” (rr)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 15.09.2019 um 04:04 auf https://www.salzburg24.at/archiv/o-tannenbaum-herausgeputzter-handymast-in-aigen-59603971

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