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Oberenders "Jetzt erst recht"-Theater bei Salzburger Festspielen

Salzburg – Lange Wochen hat es so ausgesehen, als würde Thomas Oberender den bevorstehenden Festspielsommer nicht mehr als Chef des Schauspiels erleben – im Konflikt mit Intendant Jürgen Flimm schien Oberender den Kürzeren gezogen zu haben. Doch es kam anders.

Oberender bleibt, und er hat ein spürbar trotziges, ein wenig wildes und durchaus mutiges “Jetzt erst recht”-Theater für den Festspielsommer auf die Beine gestellt. Am 25. Juli fällt der Startschuss für die Salzburger Festspiele 2009.

Klar, ohne den “Jedermann” geht es auch heuer nicht. Die bereits in die Jahre gekommene Christian Stückl-Inszenierung aus dem Jahr 2002 wird nach wie vor mit Peter Simonischek in der Hauptrolle zu erleben sein. Aber “Tod” und “Teufel” sind neu. Ersteren spielt TV- und Kino-Star Ben Becker und die Rollen von “Teufel” und “Guter Gesell” werden von Peter Jordan verkörpert. Zusammen mit “Buhlschaft” Sophie von Kessel sollen die beiden Neuen dem Dauerbrenner auf dem Domplatz Frische verleihen (Premiere: 26. Juli). “Dem künftigen Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf kurze Jahre vor Amtsübergabe eine neue Inszenierung vor die Nase zu setzen, das wäre unschicklich, macht man nicht”, so Oberender im APA-Gespräch. Der alte Stückl-“Jedermann” muss also noch drei Jahre durchhalten.

Daneben aber gibt es Neuigkeiten ohne Ende im Schauspielprogramm. “Judith” von Friedrich Hebbel, Antonio Vivaldi und Lars Wittershagen zum Beispiel. In dieser Eigenproduktion auf der Halleiner Pernerinsel wird Regisseur Sebastian Nübling romantisches Theater und ein barockes Oratorium auf gnadenlos zeitgenössische Texte und Musik prallen lassen (ab 27. 07.). Ebenfalls auf der Pernerinsel wird das Gastspiel von “Sound of Silence”, ein weltweit erfolgreiches Stück über Glück und Liebe der Machtlosen, von Alvis Hermanis zu sehen sein (ab 11. 08.). Auch Dries Verhoevens “You are here” aus der Vierer-Gruppe von “Young Directors Projects”-Stücken spielt auf der Theaterinsel in Hallein (ab 22. 08.), “wo wir die europäischen Aspekte unseres Theaterprogramms angesiedelt haben”, erläuterte Oberender.

“Die Bakchen” von Euripides gibt es nicht, Regisseur Jürgen Gosch ist wenige Wochen vor der Premiere dieser Neuproduktion seinem Krebsleiden erlegen. Dafür haben die Festspiele “Die Möwe” von Tschechow aus Berlin nach Salzburg geholt (ab 26. 07.). Dieses Stück gilt – neben “Macbeth” oder “Reich der Tiere” von Schimmelpfennig – als ein Vermächtnis des verstorbenen, stilprägenden Regisseurs Jürgen Gosch.

Als zentrale Neuproduktion ist auch der Doppelabend von Samuel Becketts “Das letzte Band” und der neue – bisher nur in Französisch aufgeführte – Text von Peter Handke zu nennen. “Bis dass der Tag euch scheidet oder eine Frage des Lichts” ist eine Reflexion Handkes auf Beckett (ab 09. 08.) . “Auf das Zustandekommen dieser Premiere bin ich besonders stolz”, erklärte Oberender. “Denn die Erben Becketts gelten als besonders heikel, und auch Handke sucht sich sehr genau aus, wo er dabei sein will.”

“Verbrechen und Strafe” von Dostojewskij in der Inszenierung von Andrea Breth wird im Landestheater wieder aufgenommen (ab 18. 08.) und der zentrale “Dichter zu Gast” ist Daniel Kehlmann. Im “Young Directors Project” gibt es neben “You are here” drei Produktionen im Republic und zwar aus New York, aus Graz und Budapest sowie aus Hamburg. “Die Tendenz, die die jungen kreativen Theaterregisseure prägt, ist das unideologische Schaffen einer neuen Realität”, erklärte Schauspielchef Oberender. “Es geht im aktuellen Theater um das Aussteigen und um Visionen. Aber nicht im politischen Sinn, sondern im Sinn von Magie, Zauber und Sinnlichkeit.”

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 08.05.2021 um 09:44 auf https://www.salzburg24.at/archiv/oberenders-jetzt-erst-recht-theater-bei-salzburger-festspielen-59621908

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