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Österreich verspürt Gegenwind der Atomkraftlobby

Gefahr über- oder unterschätzt? Salzburg24
Gefahr über- oder unterschätzt?

Eine neue Studie der Technischen Universität (TU) zeigt, dass der EU-Atomausstieg bis 2030 theoretisch möglich ist. Die Realität ist eine andere, es werden weiterhin neue Atomkraftwerke gebaut: "Die Nuklearlobby scheint sich neu zu formieren", so Umweltminister Rupprechter (ÖVP) am Mittwoch. "Wir sehen einen Backlash der großen Atomstromerzeuger", warnte auch Global-2000-Experte Reinhard Uhrig.

Konkret bezog sich Uhrig im Gespräch mit der APA auf die französische Elektrizitätsgesellschaft EDF, dem zukünftigen Erbauer zweier neuer Reaktoren im westenglischen Hinkley Point. Anfang März startet die Konsultation der EU-Kommission für das geplante AKW, das ebenfalls Teil der TU-Studie ist. Die Studie kam zu dem Schluss, dass die angestrebten Einspeisevergütungen für das Kraftwerk mit dem EU-Beihilferecht nicht vereinbar wären.

Rupprechter betonte, dass die Fukushima-Katastrophe am 11. März 2011 "zu einem großen Umdenken in Europa und global gesorgt" habe und nannte die "größte Energienation Deutschland und deren entschlossenen Ausstieg" als Beispiel. Atomkraft sei keine Energieform, die wettbewerbsfähig sei. Im Gegensatz dazu formiere sich die Nuklearlobby aber neu, wie es etwa die indirekten Versuche mit versicherten Stromabgabepreisen auf Jahrzehnte hin in Großbritannien zeigten.

Diese Einspeisepreise sind laut Studie dergestalt, dass nach Inbetriebnahme des AKW Hinkley Point C für 35 Jahre ein Abnahmepreise garantiert würde, der etwa doppelt so hoch wie der aktuelle Marktpreis von rund 60 Euro pro Megawattstunde (MWh) läge - die Differenz käme aus dem Staatshaushalt und würde so den Profit für die EDF vertraglich festschreiben.

"Die Atomlobby hat lange darauf hin gearbeitet, AKWs in die Beihilfenrichtlinie hineinzubekommen", erinnerte Uhrig. Schlussendlich hat sich die EU-Kommission im Oktober des Vorjahres dahin gehend geäußert, Subventionen für Atomkraftwerke nicht zu erleichtern. "Eine starke Stimme der Zivilbevölkerung ist notwendig", betonte der Global-2000-Geschäftsführer in diesem Zusammenhang. "Der Aufbau auf eine Energiequelle der Vergangenheit schade", so Rupprechter, der zudem darauf hinwies, dass die Ukraine-Krise "uns die Abhängigkeit von fossilen Stoffen zeigt".

Neben den neugeplanten AKW, etwa der Temelin-Ausbau in Tschechien, sind die bereits bestehenden und deren Laufzeitverlängerung noch gefährlicher, warnte Gobal 2000. Aktuell hat etwa die spanische Regierung angedacht, die Laufzeit einiger AKW von "gegenwärtig 40 auf '50 oder 60 Jahre' oder sogar noch darüber hinaus" zu verlängern, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) Ende Jänner. "Auch Österreich ist durch grenznahe, überalterte AKW in Ungarn, Tschechien, Slowenien und der Slowakei einem massiven Sicherheitsrisiko ausgesetzt", erinnerte Greenpeace in einer Aussendung vom Mittwoch.

Die Teilnehmer der heutigen Pressekonferenz bekannten sich unisono zu den Forderungen für einen Atomausstieg unter Einhaltung der Klimaschutzziele. Wien-Energie-Geschäftsführerin Susanna Zapreva, deren Unternehmen ebenfalls die TU-Studie unterstützt hat, hält ein Erreichen der Klimaziele grundsätzlich für möglich. Notwendig sei eine gesteigerte Energieeffizienz nicht nur beim Endkunden, sondern in der gesamten Wertschöpfung, der Ausbau der Erneuerbaren Energie und notwendige Klimaanreize, die CO2-arme Energieträger gegenüber der Kohlekraft bevorzugen. Die Klimaziele für 2030 sind ein Schwerpunkt des EU-Gipfels, der am 20. März in Brüssel startet.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 27.02.2021 um 04:20 auf https://www.salzburg24.at/archiv/oesterreich-verspuert-gegenwind-der-atomkraftlobby-44910673

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