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Pale Moon: Windows-optimierter Bruder von Firefox im Test

Obwohl der Open-Source-Browser Firefox für eine Vielzahl von Betriebssystemen verfügbar ist, gibt es mit Pale Moon eine alternative Version für Windows.

Diese soll durch Optimierungen im Bereich der Programmkompilierung als auch durch Veränderungen bei Features und Einstellungen einen zusätzlichen Leistungsschub gewähren. pressetext hat den umgebauten Bruder des populären Webfuchses getestet und mit der Konkurrenz verglichen.

Browser fast feature-gleich

Das technische Grundgerüst von Pale Moon und Firefox ist gleich, denn der "blasse Mond" basiert auf der selben Codebasis. Die Veränderungen liegen im Detail. Ziel des Projektes ist es, jene Anpassungen vorzunehmen, die Firefox auf Linux-Systemen Vorteile bescheren, jedoch vom Mozilla-Team auf Windows nicht vorgenommen werden. Konkret geht es dabei um Codeoptimierungen, um auch auf dem Microsoft-Betriebssystem mehr Nutzen aus modernen Prozessoren zu ziehen, das Programm absturzsicherer zu gestalten und den Seitenaufbau zu beschleunigen. Dabei inkorporiert Pale Moon sämtliche Rendering-Features des "Originals", inklusive Unterstützung für alle Firefox-Plugins und Extensions. Den Anpassungsbemühungen zum Opfer gefallen sind jedoch die Accessibility-Features, die Menschen mit körperlichen Behinderungen die Nutzung des Browsers erleichtern. Auch Optionen zur Filterung von für Kinder unerwünschten Inhalte sind bei Pale Moon nicht dabei, da das Tool als "General Use"-Browser gedacht ist. Die Ausgliederung dieser Funktionen soll zudem den Arbeitsspeicher-Hunger reduzieren. Für die Migration von Firefox wird ein eigenes Tool angeboten, dass das vorhandene Profil nebst allen Einstellungen (inklusive Veränderungen des Interfaces, Add-ons und Bookmarks) problemlos importieren konnte.

Pale Moon spart Speicher

Um die Versprechen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen, wurden die portablen Versionen von Firefox 10.0.2 und der auf dem gleichen Update-Stand befindliche Pale Moon 9.2 vier verschiedenen Tests unterzogen. Als weitere Referenz wurden die gleichen Werte bei den aktuellen Ausgaben von Googles Webkit-basiertem Browser Chrome (Version 17) und Opera 11.61 ermittelt. Verwendet wurden jeweils die Standardeinstellungen ohne zusätzlicher Plugins oder Erweiterungen, abgesehen der bereits auf dem System vorinstallierten Runtimes von Flash und Java. Auf dem Testrechner lief Windows XP SP3 32-Bit. Der Arbeitsspeicher-Verbrauch von Pale Moon liegt beim Start bei etwa 64 Megabyte und damit rund vier Megabyte höher als bei Firefox, was jedoch ein vernachlässigenswerter Unterschied ist. Mit knapp 48 MB erzielt hier Opera den besten Wert, während der Hunger von Chrome mit rund 120 Megabyte vergleichsweise exorbitant ausfällt. Nach dem Öffnen von fünf Tabs und dem Abspielen eines einminütigen YouTube-Videos belegt der an Windows angepasste Firefox-Verschnitt knapp 105 MB Speicher, Mozillas Original mit 130 MB nun schon spürbar mehr. Opera (290 MB) und Chrome (390 MB) zwacken jedoch deutlich mehr RAM für sich ab, was auf leistungsärmeren Systemen wie Office-Laptops oder Netbooks einen gewichtigen Unterschied im Surferlebnis machen kann.

Chrome bei HTML 5 überlegen

Den ACID3-Test, der Browser nach der Einhaltung von Web-Rendering-Standards prüft, bestehen alle Testkandidaten ohne Probleme. Bei der Performance-Überprüfung für JavaScript via SunSpider liegt wiederum Pale Moon mit einer Gesamtlatenzzeit von rund 300 Millisekunden vorne. Mit einem Schnitt von 325 ms erweist sich Firefox zwar etwas langsamer, liegt aber noch innerhalb des Konfidenzintervalls. Chrome und Opera erreichen Durchschnittsergebnisse von 375 bzw. 355 ms. Im ausführlichen HTML5-Benchmarking durch Peacekeeper liegen Palemoon und Firefox mit Werten von 1.249 und 1.283 Punkten gleichauf, beide unterstützen derzeit noch kein natives Videostreaming unter Verwendung des H.264-Codecs. Opera erreicht knapp 600 Zähler mehr, jedoch gibt es auch hier keinen Support für den genannten Codec, zudem fehlt auch die Unterstützung von WebGL, die erst mit Version 12 eingeführt wird. Vollumfänglich konnte nur Chrome den Test bestehen und liefert mit 2.477 Punkten das mit Abstand beste Ergebnis. Das Google-Surftool dominiert diesen Benchmark nach Angaben der Homepage bereits seit September 2011.

Optimal für schwache Systeme

Besonders auf modernen Systemen, die über Mehrkern-CPUs verfügen, jedoch auf Büroarbeit ausgelegt sind, empfiehlt sich Pale Moon aufgrund des geringeren Speicherverbrauchs und des leichten Performance-Vorsprungs als intelligente Alternative. Auch weniger veränderungsfreudige User sollten sich für das Projekt interessieren, denn die Entwickler von Moonchild Productions möchten das aktuelle Interface beibehalten und kommende Änderungen in Firefox nicht übernehmen. Pale Moon kann von der Projekthomepage in Form eines Installationspakets oder als portable Version heruntergeladen werden. Das Programm wird in englischer Sprache zur Verfügung gestellt, kann jedoch mit inoffiziellen Sprachpaketen in wenigen Schritten mit Hilfe einer Step-By-Step-Anleitung nachgerüstet werden. (pte Austria)
(Quelle: S24)

Aufgerufen am 17.04.2021 um 07:33 auf https://www.salzburg24.at/archiv/pale-moon-windows-optimierter-bruder-von-firefox-im-test-59317228

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