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Papierfliegerweltmeisterschaften in Salzburg

Salzburg – Der Hangar-7 war am Samstag in Salzburg so etwas wie eine Wunschfabrik für jene, die vom Kind im Manne noch nicht verlassen worden sind.Bei den Papierfliegerweltmeisterschaften trafen 253 Studenten aus 83 Ländern aufeinander.

Der Stoff, aus dem die Kinderträume gemacht waren, war mit 80 Gramm pro Stück reglementiert, 297 Millimeter lang und 210 Millimeter Zentimeter breit: ein handelsübliches Blatt Papier im A4-Format. Angetreten wurde in den Kategorien Langstrecke, Flugdauer und Kunstflug.Doch um gewinnen zu können, bedarf es ein wenig mehr als nur den Traum vom Fliegen, weiß Weltrekordhalter in der Disziplin “Longest Airtime”, Ken Blackburn, der seinen Falter 1998 auf eine 27,6 Sekunden lange Reise geschickt hatte: “Für meinen Weltrekord habe ich neun Monate lang jeden Tag eine Stunde lang trainiert.” Für den perfekten Papier-Segler faltet man ein bisschen mehr als die Hälfte des A4-Blattes der Länge nach rund siebenmal und knickt es einmal in der Mitte, um einen Bug zu erhalten. Die Enden der Flügel werden nach oben gebogen, um sie zu verstärken und das Flugobjekt zu stabilisieren. “Der Trick ist, dass man ihn hinten hoch biegt, damit er in der Luft bleibt”, verrät Ulrich Tesarik, der es immerhin unter die besten Zehn der WM geschafft hat. Das beflügelteste Blatt Papier faltete in dieser Kategorie der Brasilianer Leonard Ang.

Die “Longest Distance”-Athleten konzentrieren sich ausschließlich darauf, ihren Papier-Jet möglichst weit zu schießen. Für Österreich faltete Daniel Reiter sein Blatt Papier so symmetrisch, kompakt und aerodynamisch wie möglich. “Das Wichtigste ist die lange Beschleunigungsphase bis nach vorne”, erklärte der Sport- und Geografiestudent. Diese Technik perfekt umgesetzt hat der kroatische Sieger Jovica Kozlica, dessen Jet 54,43 Meter weit flog. Und das trotz lädierten Wurf-Arms, der in der Nacht zuvor mit Eis gekühlt werden musste. So gilt das “Papierfliegen” bei den Experten und den Athleten durchaus als Sport, der sich in seiner Ausführung durch Muskelkater oder Zerrungen bemerkbar macht.

Der perfekte Mix aus Kunst und Sport prämiert den Sieger in der dritten Kategorie der WM, den “Aerobatics”. Hier wurden die Flugzeugkonstruktion, die Show und die Flugtechnik von einer internationalen Fach-Jury bewertet. Physiker Werner Gruber weiß über die genauesten Falttechniken, den optimalen Einflug-Winkel und die verschiedensten Modelle genau Bescheid und hat deshalb dem Kategorien-Sieger aus Japan, Takeshige Kishiura Kisshi, die Höchstnote Zehn gegeben: “Bei ihm war jeder Flieger ein ‘perfect flight’. Er hat innovativ und sehr sauber gefaltet, hat verschiedene Modelle gehabt und zwei, die für mich überhaupt ganz neu waren.” Die 600 bunten Miniatur-Papierflieger, die er zum Abschluss der einminütigen Vorstellung aus japanischen Take-Away-Essensboxen flattern ließ, “machen da das Kraut auch nicht mehr fett”, lobte der Wiener.

 

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 18.05.2021 um 10:12 auf https://www.salzburg24.at/archiv/papierfliegerweltmeisterschaften-in-salzburg-59618596

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