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Pfotenhilfe rettet Stierkalb Ferdinand vor Schlachter

Der Verein Pfotenhilfe hat ein Stierkalb freigekauft und so vor dem sicheren Tod bewahrt. "Ferdinand" darf nun auf saftigen Wiesen mit viel Auslauf ein schönes Leben verbringen.

Tiergerechte Kälberhaltung ist auch in der österreichischen Milchwirtschaft praktisch unbekannt. Einzelboxen- oder Kettenhaltung sind - obwohl seit 2005 großteils illegal - immer noch gängige Praxis. Männliche Kälber gelten überhaupt als nutzlos und werden meist nach wenigen Wochen geschlachtet. Der Verein Pfotenhilfe hat kürzlich ein freigekauftes Stierkalb in sein Tierheim in Lochen in Oberösterreich geholt und so vor dem sicheren Tod bewahrt. "Ferdinand" darf sein Leben nun auf saftigen Wiesen mit viel Auslauf verbringen. Der Verein Pfotenhilfe möchte mit Ferdinands Hilfe Milchkonsumenten auf diese Missstände aufmerksam machen.

Kälber von der Mutter getrennt

"Anstatt von ihrer Mutter gesäugt zu werden, werden Kälber sofort nach der Geburt von dieser getrennt und bekommen industrielle Ersatzprodukte, die Eisenmangel verursachen, damit das Kalbfleisch die gewünschte weiße Farbe erhält", informiert Andrea Swift, Geschäftsführerin des Verein Pfotenhilfe. "Sie verbringen ihr trauriges Leben oft in Einzelboxen- oder Kettenhaltung. Die qualvollen Schreie der Mutter nach ihrem Baby dauern oft tage- und wochenlang an. Um den Saugtrieb zu befriedigen, saugen sie an allem, was sie finden können, beispielsweise an Fingern", weiß Andrea Swift aus eigener Erfahrung. "Und wegen des Eisenmangels lecken sie ständig an den Eisenrohren ihrer winzigen Boxen, die kaum größer sind als sie selbst." Ferdinand ist diesem Schicksal nur knapp entronnen.

 2010 77.500 Kälber geschlachtet

Stiere produzieren keine Milch und sind daher für die Milchindustrie so nutzlos wie Hähne für die Eierproduktion. Nur zu oft finden sie sich wenige Wochen nach ihrer Geburt auf einem Kälbermarkt, einem Langstreckentiertransport zum Mästen in südlichen Ländern oder im Schlachthof wieder. Allein in Österreich wurden im Jahr 2010 laut Statistik Austria 77.500 Kälber geschlachtet. Nachdenklich sollte uns aber auch die folgende Tatsache stimmen: Wenn alle Kälber von ihren Müttern natürlich gesäugt würden und nur die übrige Menge für uns Menschen abgemolken würde, hätten wir immer noch mehr Milch als tatsächlich verbraucht wird.

Pfotenhilfe ermöglicht Ferdninand ein schönes Leben

Kuhmilchprodukte verursachen also viel unnötiges Leid und wohlschmeckende pflanzliche Alternativen aus Soja, Hafer oder Reis gibt es bereits in jedem Supermarkt. Nicht erst eine Laktoseintoleranz sollte ein Grund sein zu diesen zu greifen, sondern auch der Tierschutzgedanke. Und auch vor Kalbfleisch muss aus Tierschutzsicht eindringlich gewarnt werden. Ferdinand hat großes Glück gehabt - er braucht sich darüber keine Gedanken mehr zu machen. Auf dem großzügig angelegten Areal der Pfotenhilfe Lochen darf er sich bis zu seinem natürlichen Tod mit über 300 anderen Tieren frei bewegen und sein Leben in vollen Zügen genießen. (Red./APA)
(Quelle: S24)

Aufgerufen am 14.05.2021 um 09:15 auf https://www.salzburg24.at/archiv/pfotenhilfe-rettet-stierkalb-ferdinand-vor-schlachter-59337979

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