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Prag und Wien wollen "Neustart der Beziehungen"

Außenminister Kurz empfing Amtskollegen Zaoralek Salzburg24
Außenminister Kurz empfing Amtskollegen Zaoralek

Tschechien und Österreich wollen einen "Neustart" in den Beziehungen der beiden Länder. Das haben Außenminister Kurz und sein tschechischer Amtskollege Zaoralek bei einem Treffen am Donnerstag in Wien betont. Vereinbart wurde eine bessere Kommunikation, regionale Zusammenarbeit zum Ausbau der Infrastruktur sowie die Ausarbeitung eines gemeinsamen Geschichtsbuches.

Die Tatsache, dass die Kommunikation zwischen den Außenministern der beiden Länder in den vergangenen Jahren "sehr schwach" gewesen sei und auch gegenseitige Besuche selten waren, zeige, "dass es Dinge gibt, über die wir nicht sprechen wollten", erklärte Zaoralek. Selbstkritisch fügte er hinzu: "Ich will mich nicht über die österreichische Seite beschweren, Mängel gab es auch auf tschechischer Seite, wir haben viel verschlafen."

Von der Chance für einen "Neustart" hin zu "intensiveren und dynamischeren Beziehungen" zwischen Wien und Prag, sprach auch Kurz, der die emotionale Verbundenheit der beiden Länder beschwor: "Man braucht nur einen Blick in die Speisekarte oder ins Telefonbuch zu werfen um angesichts der zahlreichen tschechischen Namen die Verbundenheit unserer Länder zu sehen". Jedoch habe es in der Vergangenheit auch "sehr herausfordernde Ereignisse" zwischen den beiden Ländern gegeben.

Daher wollen sich die beiden Länder in Zukunft auch vermehrt mit ihrer gemeinsamen Geschichte, die immer wieder ein Streitpunkt zwischen Wien und Prag war, beschäftigen. Die bereits 2009 eingesetzte österreichisch-tschechische Historikerkommission solle bei ihrer Arbeit unterstützt werden, kündigte Kurz an. In einem gemeinsamen Geschichtsbuch sollen die unterschiedlichen Sichtweisen der beiden Nationen auf die gemeinsame Geschichte beleuchtet werden, so Zaoralek.

Befragt nach der Möglichkeit einer symbolischen Geste Tschechiens in Hinblick auf die Enteignung und Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg verwies Zaoralek darauf, dass das Projekt eines gemeinsamen Geschichtsbuches selbst ein symbolischer Akt sei. Kurz bezeichnete es "als ersten kleinen Schritt in die richtige Richtung."

Geeinigt habe man sich außerdem auf eine verstärkte regionale Zusammenarbeit zum Ausbau der "relativ schlechten Infrastruktur", so Kurz. Dazu solle es ein erweitertes Treffen der beiden Außenminister gemeinsam mit den fünf Regionalverantwortlichen - also den Landeshauptleuten von Nieder- und Oberösterreich sowie den Kreishauptleuten der drei angrenzenden tschechischen Regionen - geben. "Die Tatsache, dass es immer noch keine Autobahn zwischen Wien und Prag gibt, zeigt, dass es durchaus Bedarf für eine verstärkte regionale Zusammenarbeit gibt."

Nach dem Treffen mit Außenminister Kurz wurde Zaoralek bei seinem ersten offiziellen Besuch am Nachmittag auch von Bundespräsident Fischer empfangen. Der 57-jährige Sozialdemokrat ist seit dem Antritt der neuen tschechischen Regierung im Jänner im Amt. Bereits vor seinem Amtsantritt hatte er im Jänner angekündigt, das Verhältnis zwischen Österreich und Tschechien ausbauen zu wollen.

(Quelle: S24)

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