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Prostituierten-Mord in Salzburg: Strafverfahren wird nicht aufgerollt

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Die Wiederaufnahme des Strafverfahrens wurde abgelehnt.

Der Mord an einer Prostituierten vor 32 Jahren in der Stadt Salzburg wird gerichtlich nicht mehr aufgerollt.

Ein Richtersenat des Oberlandesgerichtes (OLG) Linz hat eine Wiederaufnahme des Strafverfahrens abgelehnt. Der Verteidiger des 1981 wegen Mordes an Heidemarie M. (23) verurteilten Oberösterreichers Manfred B. und ein Opferanwalt sind damit mit ihrer Beschwerde gegen einen Beschluss des Landesgerichtes Salzburg, das einen Wiederaufnahmeantrag abgelehnt hatte, abgeblitzt.

Anwalt: „Überlegen weitere Schritte“

Rechtsanwalt Clemens Krabatsch bestätigte am Dienstag gegenüber der APA einen Bericht der "Salzburger Nachrichten", wonach das OLG Linz die Beschwerde abgewiesen hatte. "Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass es mein Mandant nicht gewesen ist. Auch er ist enttäuscht, er hat gehofft, dass die Wahrheit ans Tageslicht kommt. Ich habe die Entscheidung des OLG gestern bekommen. Wir überlegen uns jetzt, wie weitere Schritte gesetzt werden können. Aufgegeben wird nicht, wir bleiben am Ball", betonte Krabatsch.

Ein routinemäßiger Abgleich von Fingerabdrücken in einer Datenbank der Polizei hatte den Fall im Vorjahr wieder ins Rollen gebracht: Am Tatort war 1980 in einer Wohnung in der Stadt Salzburg auf einem Etui, aus dem nach dem Mord umgerechnet 3.000 Euro fehlten, ein unbekannter Fingerabdruck sichergestellt worden, der 2011 einem in München lebenden Kraftfahrer aus den Niederlanden zugeordnet werden konnte. Dieser war zur Tatzeit 16 Jahre alt und arbeitete als Kochlehrling in der Stadt Salzburg.

Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt

Die Staatsanwaltschaft Salzburg beantragte daraufhin die Wiederaufnahme des Strafverfahrens. Rechtsanwalt Clemens Krabatsch schloss sich dem Antrag an. Sein Mandant, der ehemalige Zuhälter Manfred B., war in der Causa 17 Jahre lang im Gefängnis gesessen. Er hatte die Tat vom 5. November 1980 in seiner angemieteten Wohnung in der Linzergasse vehement bestritten. Der Oberösterreicher wurde 1981 in einem Indizien-Prozess zu 20 Jahren Haft verurteilt und 1997 aus der Haft entlassen.

Der mittlerweile 47-jährige Kraftfahrer aus den Niederlanden hatte aber bei einer Befragung beteuert, dass er nie in der Salzburger Wohnung gewesen sei und den Mord dort nicht begangen habe. Der Niederländer wies zwar die Blutgruppe Null auf, die auf dem Leibchen des Opfers festgestellt worden war und die weder vom Opfer noch von dem verurteilten Oberösterreicher stammte.

Antrag abgelehnt

Doch ein Richtersenat des Landesgerichtes Salzburg lehnte den Antrag auf Wiederaufnahme mit der Begründung ab, dass 30 bis 40 Prozent der Mitteleuropäer die Blutgruppe Null hätten und die Geschworenen aus dem Prozess 1981 auch wussten, dass es Spuren einer dritten Person am Tatort gegeben habe, dennoch hätten sie die Schuld des zur Tatzeit 29 Jahre alten Zuhälters mehrheitlich bejaht. Das OLG Linz schloss sich jetzt dieser Begründung an. Es könne auch nicht mehr eruiert werden, wem das Etui gehört habe, wann und wie es in die Wohnung gelangt und wann und wie der Fingerabdruck darauf gekommen sei.

Keine Beweismittel mehr

"Wir hätten uns mehr Engagement von der Staatsanwaltschaft erwartet, nachdem ja der Antrag von ihr gekommen ist", sagte Verteidiger Krabatsch. Die Staatsanwaltschaft hatte die Entscheidung des Landesgerichts akzeptiert und keine Beschwerde dagegen eingebracht. "Schade, dass man die Möglichkeit nicht beim Schopf gepackt hat, im Rahmen einer neuen Hauptverhandlung durch die Einvernahme des in Deutschland lebenden Zeugen zu einer anderen Entscheidung der Geschworenen zu kommen", erklärte Krabatsch. Die Entscheidung der Geschworenen im Prozess 1981 sei mit 5:3 ja knapp ausgefallen. Für den Oberösterreicher hilfreiche Beweismittel gebe es nicht mehr - wie das Leibchen mit dem Blutfleck und das Kabel, mit dem die Frau erwürgt worden war. Hier hätte eine DNA-Analyse Manfred B. entlasten können, so der Anwalt.

Dass nach der Verurteilung von B. das Leibchen der Mutter des Opfers übergeben wurde, zeige wie schlampig damals mit Beweismittel umgegangen worden sei, echauffierte sich der Verteidiger. Der OLG-Beschluss ist rechtskräftig, eine Beschwerde beim Obersten Gerichtshof ist nicht möglich. Der Salzburger Opferanwalt Stefan Rieder hatte ebenfalls eine Beschwerde beim OLG eingebracht. Er vertritt den Sohn der mit dem Kabel erwürgten Prostituierten. (APA)

(Quelle: S24)

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