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Raubprozess: Angeklagte erhielten bis zu sechseinhalb Jahre

Tirol/Salzburg – Nach dem brutalen Raubüberfall auf eine Tiroler Familie im Bezirk Kufstein Mitte Jänner sind am Dienstagnachmittag gegen zwei der drei Angeklagten (zwei Salzburger) die Schuldsprüche im Schwurgerichtsprozess am Innsbrucker Landesgericht gefällt worden.

Dabei wurden ein 29-jähriger Kroate als Erstangeklagter zu sechseinhalb Jahren und sein Komplize, ein 18-jähriger Salzburger, zu drei Jahren unbedingter Freiheitsstrafe verurteilt. Über eine Verurteilung des 44-jährigen neunfach vorbestraften Salzburgers soll der Oberste Gerichtshof im Zuge eines neuerlichen Geschworenengerichts entscheiden. Der “Anstifter zum Raubüberfall” wurde von den Geschworenen freigesprochen. Die Schuldsprüche waren vorerst nicht rechtskräftig.

Als mildernd nannte Richter Bruno Angerer bei dem Hauptangeklagten sein Geständnis und die Schadensgutmachung. Dem Zweiangeklagten kam die Unbescholtenheit, ein Geständnis und sein Alter unter 21 Jahren zugute. Alle drei Verteidiger hatten sich vorerst Bedenkzeit erbeten.

Der Kroate sowie sein Komplize hatten sich zu Prozessbeginn im Juni schuldig bekannt. “Ich will die Tat nicht verharmlosen, allerdings hat sich mein Mandant beim ‘aufgezwungenen’ Waffenkauf keine Munition besorgt. Er wollte nicht, dass etwas passiert oder gar jemand verletzt wird”, erklärte Verteidigerin Cornelia Sprung in ihrem Schlussplädoyer über den Kroaten.

Als “keinen Bubenstreich” bezeichnete Verteidiger des 18-jährigen Salzburgers, Albert Heiss, die Tat: “Mein Mandant hat sich in einem Brief an die Opfer entschuldigt und ist bereit, den Schaden mittels Schadensgutmachung von seinem Gehalt zu tilgen.” Er sei zum Zeitpunkt nur knapp über der Jugendgerichtsgrenze von 18 Jahren gewesen und habe seinen verschuldeten Eltern helfen wollen.

Verteidiger des Drittangeklagten, Markus Abwerzger, beantragte für den 44-jährigen Kaufmann einen Freispruch und eine Enthaftung. Dieser sei zwar ein “Gauner”, es gebe aber keine objektiven Beweise zur Überfallanstiftung vonseiten seines Mandanten.

Für Staatsanwalt Wilfried Siegele war die Sachlage jedoch klar: “Es handelt sich hier um einen handfesten Raubüberfall und somit um eine schwere Straftat.” Der Raubüberfall liege den Opfern “immer noch in den Knochen”. Die Strafdrohung liege beim Delikt des schweren Raubes, der schweren Nötigung und des Diebstahls sowie beim Verbrechen des schweren Raubes als Beteiligter zwischen fünf und 15 Jahren Freiheitsstrafe.

Am 13. Jänner hatten der Kroate und der 18-Jährige gegen 20.30 Uhr maskiert, mit einem Revolver und einem Messer bewaffnet die drei Bewohner des Einfamilienhauses in Breitenbach am Inn überfallen. Sie fesselten die 45-jährige Hausbesitzerin, deren 20-jährige Tochter und ihren 42-jährigen Lebensgefährten mit Kabelbindern. Bei dem 45-Minuten dauernden Überfall erbeuteten die Männer unter anderem zwei Notebooks, ein Handy, eine Geldtasche mit 150 Euro Bargeld sowie eine Bankomatkarte, mit der sie in Söll und Saalfelden jeweils 400 Euro abhoben.

Der Prozess von 25. Juni war auf Antrag der Verteidigung zu weiteren Zeugeneinvernahmen auf September vertagt worden. Dabei mussten am Dienstag fünf geladene Zeugen, darunter zwei Salzburger Polizeibeamte sowie zwei in Untersuchungshaft sitzende Bosnier vor dem Vorsitzenden, Richter Bruno Angerer, und den acht Geschworenen aussagen

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 25.08.2019 um 10:26 auf https://www.salzburg24.at/archiv/raubprozess-angeklagte-erhielten-bis-zu-sechseinhalb-jahre-59601469

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