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Rikschas erobern die Stadt Salzburg

Salzburg-Stadt – Die 31-jährige Sportwissenschafterin Claudia Seidl wurde anfangs belächelt, als sie ab Mai “Rikscha”-Fahrten durch die Stadt Salzburg anbot. Doch kurz vor Saisonschluss zeigt die Bilanz, dass die Fahrrad-Taxis sowohl von Touristen als auch Einheimischen gut angenommen werden.

Auf dem Residenzplatz, wenige Meter neben den Pferdekutschen, warten bis zu fünf Rikscha-Fahrer auf Kundschaft. Sie sind auch telefonisch abrufbereit. Nur wenn es den ganzen Tag über wie aus Kübeln schüttet, bleiben die durchtrainierten Pedalritter zu Hause. “Wir sind Nischenanbieter, eine Art Funtaxi, und weder für Fiaker noch für Taxis eine Konkurrenz”, erzählt der 24-jährige Grafiker Lukas Schafflinger. “Für uns Rikscha-Fahrer ist der Weg das Ziel.”

Dass der Weg mitunter anstrengend ist, vor allem dann, wenn zwei schwergewichtige Fahrgäste Platz nehmen und es bergauf geht, stecken die jungen Chauffeure mit sportivem Idealismus locker weg. Auch wenn am Abend die Beine schmerzen, wie die 22-jährige Publizistik-Studentin Veronika Dobler schilderte, und der Hunger kaum zu stillen ist. Lukas isst fünf- bis zehnmal am Tag.

Mittlerweile hat sich schon eine Stammklientel herauskristallisiert: Da gibt es den Vater, der fast jeden Sonntag mit seinen zwei Töchtern eine Runde zieht. Oder den Kellner, der sich nach Hause radeln lässt. Ältere Salzburger mieten das wendige Gefährt als Gehersatz. “Manche haben ein schlechtes Gewissen, weil sie glauben, sie sind zu schwer für uns. Wir beruhigen sie und sagen: Das schaffen wir leicht mit unserer Muskelkraft”, sagt Lukas. Am Ruperti-Kirtag lief das Geschäft besonders gut. Vor allem jüngere Besucher nutzten die Dreiräder als Taxi. “Für Kinder sind wir ohnehin ein Magnet.”

Der Nachahmeffekt zieht Kunden an. Sitzt man gemütlich in der “Loge” und lässt die Stadt zur Bühne werden, noch dazu beschallt mit Mozart-Musik, kommen Passanten auf den Geschmack. Sobald die gepolsterte Bank frei wird, sind die Nächsten zur Stelle. Zwei Italienerinnen steigen lachend beim Makartsteg ein. Sie wollen zum Hotel Europa.”Es fahren eigentlich nur lustige Leute mit. Wir selbst sind ja extrovertiert und offen”, so Lukas. “Ein idealer Studentenjob”, ergänzt Veronika. Die Arbeitszeit ist flexibel, der Verdienst ein gutes Taschengeld.

Die Rikschas bewegen sich vorwiegend in einem Umkreis von fünf Kilometern zum Residenzplatz. Das Angebot reicht von der Minitour (zwölf Euro) und Taxifahrten (15 Euro bis zum Bahnhof) über individuelle Routen und Stadtrundfahrten (dreiviertel Stunde zu 39 Euro) bis zu Ausflugsfahrten nach Hellbrunn (25 Euro). In vielen Europäischen Städten gehört das alternative Fortbewegungsmittel bereits zum Alltagsbild. Claudia Seidl ist mit der ersten Saison in Salzburg “sehr zufrieden”, auch wenn der Weg bis zur Genehmigung ein steiniger war und sie immer wieder an ihre Leistungsgrenze gestoßen ist. “Ich habe ein lässiges Team. Das Feedback ist positiv, wir sind in der Altstadt willkommen. Wir wollen uns auf sympathische Art in die Stadt integrieren, achten auf ein defensives Fahren ohne viel zu hupen und verzichten auf Elektromotoren.”

Auch wenn die Alleinerzieherin einer dreijährigen Tochter weiß, dass in den ersten zwei Jahren nichts von ihren Investitionen übrig bleibt, hofft sie doch, dass sich der Betrieb “irgendwann lohnen wird”. “Ich hab’ mich hier nie zu Hause gefühlt. Jetzt ist mir die Innenstadt sehr ans Herz gewachsen. Ich bin gerne da.” Ihre Zweifler hat sie längst eines Besseren belehrt. “Träum’ nicht dein Leben – Lebe deine Träume!”, steht auf ihrer Homepage http://www.rikschatours.at. Nächstes Jahr werden die Rikschas bereits ab April bis Ende Oktober unterwegs sein, im Schichtbetrieb von 10.00 Uhr bis 22. 00 Uhr.

(Quelle: S24)

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