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Rosenstolz will "Gleichgewicht herstellen"

Wenn einen depressive Gedanken quälen, ist das neue Album von Rosenstolz vielleicht nicht unbedingt der ideale Begleiter – oder gerade dann?

“Tod, Verlust, Trauer und vor allem auch der Umgang mit der Trauer sind die bestimmenden Themen des Albums”, erzählt Sängerin AnNa R. Trotzdem sieht sie das bereits elfte Album als lebensbejahendes Werk: “Die Suche geht weiter” nennt sich daher programmatisch die zwölf Songs umfassende CD des erfolgreichen deutschen Popduos.

Hintergrund der Trauer: Vor zwei Jahren war die Mutter des Lebensgefährten von Peter Plate, dem zweiten Teil des Duos, gestorben. Elke galt von Anfang an als große Stütze der Gruppe, für die Band bedeutete ihr Tod einen schweren Verlust. Diese Erfahrung war es auch, die das neue Album “komplett” beeinflusst hat, so AnNa R. Dabei seien die aufgegriffenen Themen “nicht immer unbedingt negativ zu sehen”, ist sie sicher, denn “das gehört nun einmal zum Leben dazu”.

Die Musik von Rosenstolz sei immer auch “eine Art Tagebuch, in dem man sich von der Seele schreibt, was gerade gewesen ist, um die Geschichten auch zu verarbeiten”. Neben der Auseinandersetzung mit dem Tod und damit verbunden auch mit der “eigenen Endlichkeit” galt es vor allem zu zeigen, dass es “viel besser ist, das Leben zu genießen, als vor sich hinzumeckern”. Starke Traurigkeit und gleichzeitig aber auch ein Gefühl der Hoffnung sind in jedem der neuen Songs zu spüren.

Während das letzte Album “Das große Leben” von Kollege Plate als Wir-Album bezeichnet wurde, meint AnNa R. nun, dass es sich bei “Die Suche geht weiter” um ein sehr “Ich-bezogenes Album” handle. Die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen für sein Leben steht gleich im ersten Song “Ich bin mein Haus” im Vordergrund, denn “man kann sich zwar begleiten und beraten lassen, aber den letzten Schritt muss man selber tun”, erklärt die Sängerin.

Die Songtexte schwanken zwischen Trauer und Freude, Emotionen, zwischen denen es gelte, “das Gleichgewicht herzustellen”. Gefühle wie Trauer, Angst, Melancholie betreffen jeden Menschen irgendwann einmal, weswegen AnNa R. es als wichtig ansieht, “Schönheit und kleine Glücksmomente wie ein kaltes Glas Wasser oder den besten Kaffee deines Lebens” zu erkennen und sich daran zu erfreuen.

Rein musikalisch ging es Rosenstolz beim neuen Album vor allem darum, auch einige elektronische Einflüsse hineinzubringen, meint die Frontfrau. “Mit irgendwelchen alten Geräten wurden dann Sounds designt”, so dass am Ende ein Gesamtwerk entstehen sollte, bei dem “alle Lieder irgendwie miteinander verbunden sind”. Die erste Single “Gib mir Sonne” erschien am 29. August und “vereint durch balladeske und traurige Elemente” kombiniert mit dem Aufruf aufzuwachen und loszufeiern “perfekt das ganze Album”.

Nach dem großen Erfolg von “Das große Leben” (2006) geht das deutsche Duo nun mit dem neuen Album ganz ohne Erwartungen an die Öffentlichkeit. Das Einbrechen des Musikmarktes haben AnNa R. und Plate mitverfolgt, daher sieht es die sympathische Mittdreißigerin als “relativ unwahrscheinlich” an, dass man noch einmal so viele Alben verkaufen wird wie damals. “Aber das macht nichts. Viel wichtiger ist wie es bei den Konzerten abläuft.”

Auf diese freut sich die Sängerin besonders. Auch wenn die Arbeit im eigenen Studio “sehr entspannt und schön” war, so ist sie trotzdem schon sehr neugierig auf die im November startende Tour. “Vor allem für mich als Sängerin ist es spannend zu gucken, wie die Leute reagieren.” Erinnerungen an das letzte Österreichkonzert rufen positive Gefühle hervor. Ein Konzert direkt am Pratergelände mit Blick auf das Riesenrad war für die Sängerin “wohl eine der schönsten Kulissen”, die sie je gesehen hat.

Von dem Konzert am 7. Dezember in der Wiener Stadthalle können sich die Fans laut der Sängerin ein ganz typisches Rosenstolzkonzert erwarten – viele alte Songs, aber auch viel Neues. “Mit ruhigen, lauten, wilden, traurigen und hoffentlich auch lustigen Momenten.” Und der Gewissheit, dass die Suche weitergeht – “hoffentlich, weil sonst wär’s ja auch irgendwie langweilig, oder?” Von Astrid Meixner

Zur Einstimmung was Altes: “Es tut immer noch weh”

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 25.08.2019 um 10:02 auf https://www.salzburg24.at/archiv/rosenstolz-will-gleichgewicht-herstellen-59601589

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