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Russisch-amerikanisches Krisentreffen zur Ukraine

Im Ukraine-Konflikt setzen Russland und die USA auf einen neuen Anlauf für eine diplomatische Lösung. In Paris trafen sich dazu am Sonntagabend US-Außenminister Kerry und sein russischer Amtskollege Lawrow. Es ist das erste bilaterale Treffen der Außenminister des USA und Russlands seit dem umstrittenen Russland-Referendum auf der Krim und dem anschließenden Beitritt der Halbinsel zu Russland.

Für das Treffen wurde von der US-Botschaft keine Dauer genannt. Frankreichs Außenminister Fabius hat unterdessen für Montag um 10.00 Uhr ein Treffen mit Lawrow angekündigt. Russlands Präsident Putin und sein US-Kollege Obama hatten bereits am Freitagabend in einem Telefonat Möglichkeiten einer diplomatischen Lösung erörtert. Für die Reise in die französische Hauptstadt gaben sie ihren Außenministern mit, "nächste Schritte zu besprechen". Details wurden nicht genannt.

Kerry und Lawrow hatten zuletzt am 14. März in London gemeinsam nach einem Ausweg aus der Krise gesucht. Der Westen und die Ukraine werfen Russland vor, sich die Schwarzmeer-Halbinsel Krim völkerrechtswidrig einverleibt zu haben.

Die USA schickten NATO-Oberkommandant Philip Breedlove angesichts russischer Truppenbewegungen an der Grenze zur Ukraine vorzeitig zurück nach Europa. Die dortigen Truppenbewegungen und die Pläne der russischen Regierung seien nicht transparent, die Lage in der Ukraine unsicher, sagte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Zudem solle Breedlove mit den Partnern über geeignete Maßnahmen zur zusätzlichen Unterstützung osteuropäischer NATO-Mitgliedsländer sprechen. Eigentlich hätte der US-General in der kommenden Woche vor dem US-Kongress über die Lage in der Region Stellung nehmen sollen.

Auf der Krim ticken unterdessen nun die Uhren wie in Moskau. Um 22.00 Uhr Ortszeit am Samstagabend (21.00 Uhr MEZ) stellte die Führung der Schwarzmeer-Halbinsel die Zeiger zwei Stunden vor - auf Mitternacht. Genau so spät war es zu diesem Zeitpunkt in Russlands Hauptstadt.

Bei der Wahl des ukrainischen Staatspräsidenten in zwei Monaten zeichnet sich indes ein Rennen zwischen dem proeuropäischen Milliardär Pjotr Poroschenko und der antirussischen Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko ab. Der Oppositionspolitiker Vitali Klitschko hatte seine Kandidatur zuvor überraschend zurückgezogen. Er wolle stattdessen Bürgermeister von Kiew werden, sagte der Ex-Boxchampion am Samstag in der ukrainischen Hauptstadt.

Der ehemalige Sportler warnte die pro-westlichen Kräfte in der Ukraine vor einer Zersplitterung: "Vereint haben wir das Unglaubliche geschafft und den Diktator (Präsident Viktor Janukowitsch) gestürzt", sagte der Politiker am Sonntag auf dem Maidan, dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew. Es gelte nun, vor der Präsidentenwahl am 25. Mai nicht nachzulassen.

Der 48-jährige Poroschenko mit einem geschätzten Vermögen von einer Milliarde Euro gilt als Co-Financier der prowestlichen Orangenen Revolution von 2004 und der jüngsten Proteste auf dem Maidan. Aus einer möglichen Stichwahl mit Timoschenko würde Poroschenko Umfragen zufolge zurzeit als klarer Sieger hervorgehen.

In Kiew gedachten Tausende Menschen der Opfer bei den jüngsten Protesten. Auf dem Unabhängigkeitsplatz der Hauptstadt erklang nach einer Schweigeminute die ukrainische Hymne, danach legten Teilnehmer der Trauerzeremonie Blumen nieder. Reden von Politikern waren nicht geplant. Bei den monatelangen Straßenprotesten waren etwa 100 Menschen getötet und Tausende verletzt worden.

(Quelle: S24)

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