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Russland baute Militär-Kontrolle über die Krim aus

Russland baut seine militärische Kontrolle über die Krim immer brachialer aus, muss aber vorerst offenbar keine Wirtschaftssanktionen der EU fürchten. Prorussische Kämpfer stürmten am Mittwoch zwei ukrainische Militärstützpunkte auf der Halbinsel und nahmen den Oberbefehlshaber der ukrainischen Marine fest.

Vor dem EU-Gipfel in Brüssel rechneten Diplomaten dennoch eher mit zusätzlichen Kontosperren und Einreiseverboten für Getreue des Kremls als mit Wirtschaftssanktionen.

Etwa 200 Milizen und maskierte russische Soldaten nahmen am Mittwoch zunächst das Hauptquartier der ukrainischen Marine in Sewastopol ein und deren Oberbefehlshaber Sergej Gajduk fest. Schüsse fielen dabei nicht. Nach der Erstürmung der Basis verließen die ukrainischen Soldaten diese teils unter Tränen. Die prorussischen Justizbehörden der Krim erklärten anschließend, Gajduk werde verdächtigt, ukrainischen Soldaten Schüsse "auf friedliche Zivilisten" befohlen zu haben.

In der Krim-Hafenstadt Nowooserne (Nowoosjornoje) eroberten prorussische Kräfte einen weiteren ukrainischen Militärstützpunkt. Laut dem Verteidigungsministerium in Kiew durchbrachen sie das Zugangstor mit einem Lastwagen. Anschließend zwangen sie die gegnerischen Soldaten zum Abzug und hissten die russische Flagge. Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen nicht.

Die ukrainische Übergangsführung setzte am Abend ein dreistündiges Ultimatum zur Freilassung Gajduks und "aller Geiseln". Wenn dies nicht geschehe, werde es eine "angemessene Antwort" geben, erklärte der ukrainische Interimspräsident Alexander Turtschinow am Mittwochabend in Kiew.

Die Ukraine arbeitet zugleich an einem Plan für einen Abzug ihrer Truppen von der Krim. Das sagte der Chef des nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates, Andrej Parubi, bei einer am Mittwochabend im Fernsehen ausgestrahlten Pressekonferenz. Der Plan solle auch gewährleisten, dass die Familienangehörigen der Soldaten "so schnell wie möglich" die von Russland beanspruchte Halbinsel verlassen könnten.

Zuvor hatte Parubi bereits erklärt, dass die Ukraine als Reaktion auf die im Eilverfahren betriebene Eingliederung der Krim durch Russland für russische Staatsbürger eine Visa-Pflicht einführe. Das Außenministerium sei mit den notwendigen Maßnahmen beauftragt worden.

Die Bewohner der ukrainischen Halbinsel hatten sich am Sonntag in einem umstrittenen Referendum für eine Angliederung an Russland ausgesprochen. Der russische Staatschef Putin unterzeichnete am Dienstag einen entsprechenden Aufnahmevertrag, den das Verfassungsgericht am Mittwoch einstimmig bestätigte. Westliche Staaten verurteilten das Referendum und Russlands gesamtes Vorgehen als illegal. Sie arbeiten nun an einer raschen Bereitstellung von Hilfen für Kiew.

Die Europäische Union berät über mittelfristige Finanzhilfen in Höhe von mehr als 1,6 Milliarden Euro aus einem insgesamt elf Milliarden Euro umfassenden Hilfspaket für Kiew.

Der britische Premierminister Cameron drohte erneut mit einem "dauerhaften Ausschluss" Russlands aus dem Kreis der G-8-Staaten, in den das Land erst 1998 als Belohnung für seinen demokratischen Kurs aufgenommen worden war. UN-Generalsekretär Ki-moon kündigte eine Reise nach Moskau und Kiew an, um dort parallel zum EU-Gipfel mit den Präsidenten beider Länder und Regierungsmitgliedern über eine friedliche Konfliktlösung zu verhandeln.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 02.03.2021 um 09:28 auf https://www.salzburg24.at/archiv/russland-baute-militaer-kontrolle-ueber-die-krim-aus-44976358

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